Stand September 2026
Robe und weiße Krawatte vor Gericht: Was Anwälte, Richter und Staatsanwälte tragen
Rechtsanwälte tragen vor Gericht die Robe, soweit das üblich ist; beim Amtsgericht in Zivilsachen besteht dafür keine Berufspflicht. Eine weiße Krawatte schreibt die Berufsordnung der Anwälte nicht vor; die weiße Binde gehört aber traditionell zur Amtstracht der Richter, wie sie etwa für die obersten Bundesgerichte ausdrücklich angeordnet ist.[1]
Geprüft am 29.09.2026 gegen Gesetzestext und amtliche Angaben · 3 Quellen · 4 Min. Lesezeit
Müssen Anwälte vor Gericht eine Robe tragen?
Ja, grundsätzlich. Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte tragen vor Gericht als Berufstracht die Robe, soweit das üblich ist. Eine Berufspflicht zum Erscheinen in Robe besteht beim Amtsgericht in Zivilsachen nicht.[1]
Die Regel steht in der Berufsordnung für Rechtsanwälte (BORA), die sich die Anwaltschaft durch ihre Satzungsversammlung selbst gibt. Vor dem Landgericht, dem Oberlandesgericht, in Strafsachen und vor den Fachgerichten erscheinen Anwälte deshalb in schwarzer Robe. Beim Amtsgericht in Zivilsachen, etwa im Mietprozess, können sie auch im Anzug auftreten.
Wer als Anwalt ohne Robe erscheint, wo sie üblich ist, verletzt eine Berufspflicht. Die Erfüllung der Berufspflichten überwacht die Rechtsanwaltskammer, die dabei auch eine Rüge erteilen kann.
Warum tragen Anwälte eine weiße Krawatte?
Wer einen großen Teil seiner Zeit im Gericht verbringt, dem wird sicher schon aufgefallen sein, dass sehr viele Anwälte eine weiße Krawatte tragen. Vorgeschrieben ist das für Anwälte nicht: Die Berufsordnung verlangt nur die Robe, zur Farbe von Hemd und Krawatte sagt sie nichts.[1]
Die weiße Krawatte erinnert an die Amtstracht der Richter, zu der traditionell eine weiße Binde gehört. Nicht jeder Anwalt hält sich allerdings daran. Viele tragen unter der Robe ein weißes Hemd mit weißer oder schlichter dunkler Krawatte, andere eine farbige. Eine einfarbige, zurückhaltende Krawatte gilt als angemessen.
Eine eigene rechtliche Bedeutung hat die weiße Krawatte also nicht. Sie steht für die Zugehörigkeit zur Rechtspflege und für Neutralität und Zurückhaltung im Gerichtssaal.
Warum tragen Richter eine weiße Krawatte?
Bei Richtern gehört die weiße Binde zur vorgeschriebenen Amtstracht. Für das Bundesarbeitsgericht und das Bundessozialgericht hat der Bundespräsident angeordnet: Die Amtstracht der Richter und Urkundsbeamten besteht aus einer Amtsrobe und einem Barett. Zur Amtstracht tragen die Richter eine breite weiße Binde mit herabhängenden Enden, die Urkundsbeamten eine einfache weiße Halsbinde.[2]
Am Barett zeigen Schnüre in Gold oder Seide die Stellung am Gericht: Der Präsident trägt drei Schnüre in Gold, die Vorsitzenden Richter zwei Schnüre in Gold, die übrigen Richter zwei Schnüre in Seide.[2]
Tragen Staatsanwälte eine weiße Krawatte?
Auch Staatsanwälte treten in der Hauptverhandlung in Robe auf. Ihre Amtstracht regelt, wie die der Richter an den Gerichten der Länder, das jeweilige Land. In der Regel entspricht sie der Amtstracht der Richter.
Beim Bundesverwaltungsgericht ist die weiße Binde auch für den Vertreter des Bundesinteresses und die für ihn auftretenden Beamten angeordnet, also für eine Behördenvertretung, die wie ein Staatsanwalt das öffentliche Interesse vertritt.[2]
Wer im Gerichtssaal also mehrere Personen mit Robe und weißer Krawatte sieht, kann daraus allein nicht ablesen, wer Richter, Staatsanwalt oder Anwalt ist. Das zeigt erst die Sitzordnung.
Welche Farbe hat die Robe?
Die Robe der Anwälte, Richter und Staatsanwälte an den Gerichten der Länder ist schwarz. Unterschiede zwischen Richtern, Urkundsbeamten und Anwälten zeigen sich oft am Besatz, also am Stoffbesatz der Robe; die Einzelheiten regelt jedes Land.
An den obersten Bundesgerichten weicht die Farbe ab. Am Bundesarbeitsgericht und am Bundessozialgericht ist die Farbe der Amtstracht karmesinrot. Der Besatz an Amtsrobe und Barett besteht für die Richter aus Samt und für die Urkundsbeamten aus Wollstoff.[2]
Anwälte, die vor diesen Gerichten auftreten, tragen die dort für sie vorgeschriebene Amtstracht.[2]
Was gilt für Zuhörer, Zeugen und Parteien?
Für Zuhörer, Zeugen, Angeklagte und Parteien gibt es keine Kleiderordnung. Sie sollten aber angemessen gekleidet erscheinen. Der Vorsitzende sorgt für die Ordnung in der Sitzung und kann Personen, die seine Anordnungen nicht befolgen, aus dem Saal entfernen lassen.[3]
Wer als Partei in einem Zivilprozess vor dem Amtsgericht ohne Anwalt auftritt, braucht selbstverständlich keine Robe. Wann ein Anwalt vorgeschrieben ist und wie Sie einen finden, erklärt Anwalt finden. Wie ein Gericht aufgebaut ist und wer dort welche Rolle hat, steht unter Gericht.
Wer ist zuständig?
Über die Einhaltung der Berufsordnung wacht die Rechtsanwaltskammer, der der Anwalt angehört.
Anwalt findenHäufige Fragen
- Was bedeutet die weiße Krawatte?
Eine amtliche Bedeutung gibt es nicht. Die weiße Binde ist Teil der traditionellen Amtstracht der Richter; Anwälte übernehmen sie oft, um ihre Zugehörigkeit zur Rechtspflege zu zeigen. Sie steht für Zurückhaltung und Neutralität.
- Darf ein Anwalt mit bunter Krawatte vor Gericht auftreten?
Ja. Die Berufsordnung schreibt nur die Robe vor, nicht die Farbe der Krawatte. Ein Anwalt sollte aber so auftreten, dass er die Würde des Gerichts nicht verletzt.
- Müssen Anwälte beim Amtsgericht eine Robe tragen?
In Zivilsachen nicht; dort besteht keine Berufspflicht zur Robe. In Strafsachen vor dem Amtsgericht tragen Anwälte die Robe dagegen üblicherweise.
- Gehört zur Amtstracht der Richter auch ein Barett?
Nach den Anordnungen für die obersten Bundesgerichte besteht die Amtstracht aus Amtsrobe und Barett. Schnüre am Barett zeigen dort die Stellung am Gericht, etwa drei goldene Schnüre für den Präsidenten.
Quellen
- Berufsordnung für Rechtsanwälte (BORA), § 20, Stand 01.12.2025
- Anordnungen des Bundespräsidenten über die Amtstracht bei dem Bundesarbeitsgericht und dem Bundessozialgericht sowie bei dem Bundesverwaltungsgericht: BAG und BSG · BVerwG
- Gerichtsverfassungsgesetz (GVG): § 176 · § 177
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