Sozialrecht · Stand September 2026
Wohngeld: Wer es bekommt, wie hoch es ist und wie der Antrag läuft
Wohngeld ist ein Zuschuss zur Miete oder zu den Kosten selbst genutzten Wohneigentums für Haushalte, deren Einkommen zum Leben reicht, aber nicht für angemessenes Wohnen. Wie viel es gibt, hängt von der Zahl der Haushaltsmitglieder, der Miete oder Belastung und dem Gesamteinkommen ab; seit 2023 enthält es auch einen Zuschlag für Heizkosten.[1]
Geprüft am 29.09.2026 gegen Gesetzestext und amtliche Angaben · 3 Quellen · 6 Min. Lesezeit
Was bedeutet Wohngeld?
Wohngeld dient nach § 1 Wohngeldgesetz (WoGG) der wirtschaftlichen Sicherung angemessenen und familiengerechten Wohnens. Den sogenannten Mietzuschuss bekommen Mieter, während Eigentümer einen Lastenzuschuss erhalten; zuständig für die Antragsbearbeitung ist die Wohngeldstelle des Wohnortes.[1][2]
Seit der Wohngeldreform zum 1. Januar 2023 spricht man vom Wohngeld-Plus. Seitdem entlastet das Wohngeld dauerhaft auch bei den Heizkosten, und eine Klimakomponente erhöht die berücksichtigungsfähige Miete, weil energetische Sanierungen die Mieten steigen lassen. Zuletzt wurde das Wohngeld zum 1. Januar 2025 an die Preis- und Mietentwicklung angepasst.[2][1]
Wohngeld ist eine vorrangige Leistung. Es soll Haushalten mit geringem Einkommen helfen, ohne dass sie Grundsicherungsgeld oder Sozialhilfe brauchen. Anders als diese Leistungen muss Wohngeld nicht zurückgezahlt werden und ist steuerfrei.[2]
Wer bekommt Wohngeld?
Wohngeldberechtigt für den Mietzuschuss ist jede natürliche Person, die Wohnraum gemietet hat und selbst nutzt. Gleichgestellt sind unter anderem Bewohner eines Heims, die dort nicht nur vorübergehend leben. Den Lastenzuschuss erhält, wer Eigentum an selbst genutztem Wohnraum hat. Generell ist immer nur eine Person aus einer Haushaltsgemeinschaft zum Wohngeldbezug berechtigt; die Haushaltsmitglieder bestimmen sie selbst.[1]
In Frage kommt Wohngeld nach Angaben des Bundesbauministeriums insbesondere für
- Rentnerinnen und Rentner mit geringer Rente,
- erwerbstätige Familien und Alleinerziehende mit niedrigem Einkommen,
- Arbeitnehmer im Niedriglohnbereich,
- Studierende, sofern nicht der gesamte Haushalt dem Grunde nach Anspruch auf BAföG hat,
- Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen.[2]
Welche Voraussetzungen im Einzelnen gelten, wann das Einkommen zu niedrig oder zu hoch ist und welche Rolle Vermögen spielt, steht auf der Seite Wer hat Anspruch auf Wohngeld?
Wer bekommt kein Wohngeld?
Keinen Anspruch auf Wohngeld haben Empfänger von Leistungen, bei deren Berechnung die Kosten der Unterkunft schon berücksichtigt worden sind. Das sind vor allem:[1]
- Grundsicherungsgeld nach dem SGB II, früher Bürgergeld,
- Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung,
- Hilfe zum Lebensunterhalt nach dem SGB XII,
- Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz.[1]
Eine solche Ausnahme liegt aber dann vor, wenn durch den Bezug von Wohngeld eine Hilfebedürftigkeit vermieden oder beseitigt wird. Wer Grundsicherungsgeld beantragt, muss deshalb vorrangig Wohngeld in Anspruch nehmen, wenn es zusammen mit anderem Einkommen die Hilfebedürftigkeit für mindestens drei Monate beseitigt. Wie das mit dem Arbeitslosengeld zusammenspielt, erklärt Wohngeld bei Arbeitslosengeld.[1]
Ausgeschlossen ist Wohngeld außerdem, wenn allen Haushaltsmitgliedern dem Grunde nach BAföG oder Berufsausbildungsbeihilfe zusteht, wenn es weniger als 10 Euro im Monat betragen würde oder wenn die Inanspruchnahme wegen erheblichen Vermögens missbräuchlich wäre.[1]
Wie hoch ist das Wohngeld?
Für die Berechnung des Wohngeldanspruches sind drei Kriterien ausschlaggebend: Das sind neben der Höhe des Einkommens die Höhe der zu zahlenden Miete bzw. bei Wohnungseigentümern die Belastung und die Anzahl der Haushaltsmitglieder.[1]
- Miete: Gezählt wird die Bruttokaltmiete. Kosten für Heizung und Warmwasser, Haushaltsstrom sowie für Garage und Stellplatz bleiben außer Betracht.
- Höchstbetrag: Wohngeld wird nicht bis zu einer beliebigen Höhe gewährt. Die Miete zählt nur bis zu einem Höchstbetrag, der von der Zahl der Haushaltsmitglieder und der Mietenstufe der Gemeinde abhängt. Für eine Person liegt er zwischen 361 Euro in Mietenstufe I und 677 Euro in Mietenstufe VII, dazu kommt eine Klimakomponente von 19,20 Euro.
- Heizkosten: Statt der tatsächlichen Heizkosten gibt es einen festen Entlastungsbetrag, 110,40 Euro für eine Person und 142,60 Euro für zwei Personen im Monat.[1]
Den genauen Betrag ermittelt die Wohngeldstelle mit einer Formel. Eine erste Orientierung bietet der Wohngeldrechner des Bundesbauministeriums. Rechenbeispiele stehen auf der Seite Höhe des Wohngeldes, welche Nebenkosten zählen, unter Wohngeld und Nebenkosten.[2]
Wie beantragt man Wohngeld?
Der Bezug von Wohngeld kann die hohen Wohnkosten zumindest in gewissem Maße auffangen und zu einer Entlastung des Budgets führen. Hier ist vor allem § 22 WoGG hervorzuheben, denn demnach wird Wohngeld nur auf Antrag gewährt. Wer theoretisch einen Leistungsanspruch hätte, praktisch aber keinen Antrag stellt, geht folglich leer aus. Der Bewilligungszeitraum beginnt am Ersten des Monats, in dem der Antrag gestellt wird.[1]
Zunächst kann man einen formlosen Antrag stellen und sich dann im nächsten Schritt die Formulare besorgen oder auch herunterladen. Das Wohngeld wird dann vom Ersten des Monats an geleistet, in dem es formlos beantragt worden ist. Viele Bundesländer bieten den Antrag auch online an. Zuständig ist die Wohngeldbehörde der Gemeinde-, Stadt- oder Kreisverwaltung.[3][2]
Wohngeld wird in der Regel für zwölf Monate bewilligt, bei voraussichtlich gleichbleibenden Verhältnissen für bis zu 24 Monate. Den Weiterleistungsantrag stellen Sie am besten etwa zwei Monate vor Ablauf. Unterlagen und Fristen erklärt Wohngeld beantragen.[1][2]
Wohngeld-Bewilligungszeitraum: was sich währenddessen ändern kann
Steigt die Miete um mehr als 10 Prozent, sinkt das Einkommen um mehr als 10 Prozent oder kommt ein Haushaltsmitglied hinzu, können Sie einen Antrag auf Neuberechnung stellen. Umgekehrt müssen Sie der Wohngeldstelle unverzüglich melden, wenn Sie die Wohnung nicht mehr nutzen, und ein Einkommensanstieg um mehr als 15 Prozent muss ebenfalls mitgeteilt werden.[1]
Nach dem Wohngeldgesetz wäre die nächste allgemeine Anpassung zum 1. Januar 2027 fällig. Ein Gesetzentwurf der Bundesregierung vom August 2026 sieht vor, sie auszusetzen und die Heizkostenkomponente zu halbieren. Den aktuellen Stand erklärt Wohngeld ändern und erhöhen. Was bei einem Umzug gilt, steht unter Wohngeld bei Umzug, wofür das Geld verwendet werden muss, unter Wohngeld verwenden.[1]
Wohngeld, Grundsicherungsgeld oder Sozialhilfe?
Wohngeld ist für Haushalte gedacht, die ihren Lebensunterhalt grundsätzlich selbst bestreiten können und nur bei den Wohnkosten Hilfe brauchen. Reicht das Einkommen auch mit Wohngeld nicht zum Leben, kommen Grundsicherungsgeld vom Jobcenter oder Sozialhilfe vom Sozialamt in Betracht. Dort werden Miete und Heizung in angemessener Höhe übernommen, Wohngeld gibt es dann nicht zusätzlich.[2]
Familien mit Kindern können neben dem Wohngeld auch den Kinderzuschlag erhalten. Kindergeld und Kinderzuschlag werden auf das Wohngeld nicht angerechnet.[2]
Wer ist zuständig?
Die Wohngeldbehörde der Gemeinde-, Stadt- oder Kreisverwaltung an Ihrem Wohnort.
Wohngeld beantragenWiderspruch innerhalb eines Monats bei der Wohngeldbehörde, soweit das Land ihn vorsieht. Danach entscheidet das Verwaltungsgericht.
Verwaltungsgerichte in DeutschlandHäufige Fragen
- Wo ist das Wohngeld gesetzlich geregelt?
Im Wohngeldgesetz (WoGG) und in der Wohngeldverordnung. Wie die Behörden es anwenden, regelt die Wohngeld-Verwaltungsvorschrift des Bundes.
- Muss ich beim Wohngeld mein Auto angeben?
Ja, im Antrag werden Vermögenswerte abgefragt. Ein übliches Auto steht dem Wohngeld aber nicht entgegen; ausgeschlossen ist Wohngeld erst bei erheblichem Vermögen.
- Gibt es Wohngeld für einen Zweitwohnsitz?
Nein. Wohngeld gibt es nur für die Wohnung, die der Mittelpunkt Ihrer Lebensbeziehungen ist. Für eine Zweitwohnung neben der Hauptwohnung wird kein Wohngeld gezahlt.
- Bekommt man in einer WG Wohngeld?
Ja. In einer Wohngemeinschaft ohne Verantwortungs- und Einstehensgemeinschaft beantragt jede Person Wohngeld für ihren Mietanteil und zählt als eigener Haushalt.
Auch interessant: Nebenkosten im Mietrecht
Quellen
- Wohngeldgesetz (WoGG): § 1 · § 3 · § 4 · § 7 · § 9 · § 12 · § 20 · § 21 · § 22 · § 25 · § 27 · § 28 · § 43 · Anlage 1
- Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen: Wohngeld-Plus
- Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Wohngeldgesetz
Prüfvermerk der Redaktion: Alle Beträge, Fristen und Voraussetzungen auf dieser Seite wurden am 29.09.2026 mit dem Wortlaut der Vorschriften auf gesetze-im-internet.de und den Angaben der zuständigen Behörden abgeglichen, auch Fristen und Zuständigkeiten, die hier ohne Fußnote stehen. Gesetze ändern sich; maßgeblich ist die Fassung, die zum Zeitpunkt Ihres Falles gilt.
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