Vertragsrecht · Stand September 2026
Rückgaberecht beim Onlinekauf: Kleidung innerhalb von 14 Tagen zurückgeben
Kleidung, die Sie online bestellt haben, können Sie innerhalb von 14 Tagen ohne Begründung widerrufen und zurückschicken, die Frist beginnt mit dem Erhalt der Ware. Kommt eine Bestellung in mehreren Paketen, zählt das letzte Paket.[1]
Geprüft am 29.09.2026 gegen Gesetzestext und amtliche Angaben · 1 Quellen · 5 Min. Lesezeit
Gibt es ein gesetzliches Rückgaberecht beim Onlinekauf?
Im Internet tummeln sich mittlerweile unzählige Onlineshops, die sich auf den Versand von Kleidung spezialisiert haben. Viele Kunden fürchten das Nichtgefallen oder Nichtpassen der bestellten Ware und haben Angst davor, auf der ungeliebten Kleidung sitzen zu bleiben. Diese Angst ist allerdings unbegründet, denn der Gesetzgeber macht hier klare Vorgaben.
Ein Kaufvertrag, der über das Internet geschlossen wurde, gilt rechtlich als sogenannter Fernabsatzvertrag. Heute ist das Widerrufsrecht in den §§ 312g, 355 und 356 BGB geregelt, nicht mehr wie früher in § 312d BGB. Hier ist vom Widerrufsrecht und nicht vom Rückgaberecht die Rede, was den Kunden allerdings eine bessere Rechtsposition eröffnet. Dem Verbraucher steht bei Fernabsatzverträgen ein Widerrufsrecht zu. Die Frist beträgt 14 Tage, eine Begründung ist nicht nötig.[1]
Das Widerrufsrecht steht nur dem Verbraucher zu, nicht beiden Parteien. Der Händler kann sich nicht einfach vom Vertrag lösen. Und es gilt nur beim Kauf von einem Unternehmer, nicht beim Kauf von Privat. Beim Kauf im Laden gibt es kein gesetzliches Rückgaberecht, dort sind Sie auf die Kulanz des Händlers angewiesen.
Wie lange kann ich Kleidung zurückgeben?
Die Widerrufsfrist beginnt, sobald Sie die Ware erhalten haben. Früher wurde kritisiert, dass die Frist mitunter ablief, bevor die Ware geliefert wurde. Das ist heute ausgeschlossen. Für mehrere Artikel gilt:[1]
| Lieferung | Frist beginnt |
|---|---|
| Ein Paket | Mit Erhalt der Ware |
| Mehrere Artikel einer Bestellung, getrennt geliefert | Mit Erhalt der letzten Ware |
| Ein Artikel in mehreren Teilsendungen | Mit Erhalt der letzten Teilsendung |
| Abo mit regelmäßiger Lieferung | Mit Erhalt der ersten Ware |
Die frühere Aussage, bei Teillieferungen laufe die Frist ab dem ersten Artikel und das Widerrufsrecht erlösche, wenn zwischen erstem und letztem Artikel mehr als 14 Tage liegen, gilt nicht mehr. Maßgeblich ist bei einer einheitlichen Bestellung die letzte Lieferung.[1]
Die Frist beginnt außerdem erst, wenn der Händler Sie ordnungsgemäß über Ihr Widerrufsrecht informiert hat. Fehlt die Belehrung, erlischt das Widerrufsrecht spätestens zwölf Monate und 14 Tage nach Erhalt der Ware.[1]
Wie widerrufe ich richtig?
Der Widerruf erfolgt durch Erklärung gegenüber dem Unternehmer. Aus ihr muss der Entschluss zum Widerruf eindeutig hervorgehen, eine Begründung ist nicht nötig. Zur Fristwahrung genügt die rechtzeitige Absendung.[1] Die Ware einfach kommentarlos zurückzuschicken, genügt dagegen nicht. In der Praxis werten viele Händler die Rücksendung mit ausgefülltem Retourenschein trotzdem als Widerruf, darauf verlassen sollten Sie sich nicht.
Beispiel für eine Erklärung per E-Mail: „Hiermit widerrufe ich den von mir abgeschlossenen Vertrag über den Kauf folgender Waren: Jeans, Größe 32, Bestellnummer 12345, bestellt am 2. September, erhalten am 5. September. Name, Anschrift, Datum.“
Viele Shops bieten dafür ein Online-Formular an. Dann muss der Händler den Zugang unverzüglich bestätigen.
Nach dem Widerruf müssen Sie die Ware innerhalb von 14 Tagen zurückschicken. Der Händler muss den Kaufpreis und die Kosten der Standardlieferung spätestens nach 14 Tagen erstatten, und zwar mit demselben Zahlungsmittel. Er darf die Zahlung aber zurückhalten, bis er die Ware zurückhat oder Sie nachweisen, dass Sie sie abgeschickt haben.[1]
Wer zahlt die Rücksendung?
Nach dem Gesetz tragen Sie die unmittelbaren Kosten der Rücksendung, wenn der Händler Sie vorher darüber informiert hat.[1] Viele Modehändler übernehmen die Rücksendekosten freiwillig und legen einen Retourenschein bei. Ob das gilt, steht in den Geschäftsbedingungen und der Widerrufsbelehrung des Shops.
Ist die Kleidung mangelhaft, etwa eine aufgerissene Naht oder ein falscher Artikel, handelt es sich nicht um einen Widerruf, sondern um einen Gewährleistungsfall. Dann trägt der Händler die Versandkosten, siehe Gewährleistung beim Onlinekauf.
Darf ich Kleidung anprobieren, bevor ich sie zurückschicke?
Ja. Sie dürfen die Ware so prüfen, wie Sie es im Laden tun könnten, also Kleidung anprobieren und Schuhe auf Teppich kurz tragen. Wertersatz schulden Sie nur für einen Wertverlust, der auf einen Umgang mit der Ware zurückgeht, der zur Prüfung der Beschaffenheit, der Eigenschaften und der Funktionsweise nicht notwendig war, und nur, wenn der Händler Sie über das Widerrufsrecht belehrt hat.[1]
- Anprobieren, Etikett dran: kein Wertersatz
- Getragen, gewaschen, mit Parfum- oder Deogeruch: Wertersatz bis zur Höhe des Wertverlusts
- Etiketten abgeschnitten: kann einen Wertverlust begründen, der Widerruf bleibt möglich
Das Widerrufsrecht geht auch bei Gebrauchsspuren nicht verloren, nur der Erstattungsbetrag kann sinken.
Welche Kleidung ist vom Umtausch ausgeschlossen?
Das Widerrufsrecht besteht nicht bei Waren, die nach Ihren Vorgaben angefertigt oder eindeutig auf Ihre persönlichen Bedürfnisse zugeschnitten sind, etwa Maßanzüge oder bestickte Trikots mit Ihrem Namen. Ausgeschlossen ist es auch bei versiegelten Waren, die aus Gründen des Gesundheitsschutzes oder der Hygiene nicht zur Rückgabe geeignet sind, wenn die Versiegelung nach der Lieferung entfernt wurde.[1]
Für Unterwäsche und Bademode gilt das also nur, wenn sie mit einem Hygienesiegel versiegelt geliefert wurden und Sie das Siegel geöffnet haben. Ein Badeanzug mit eingenähter Schutzfolie, die Sie nicht entfernt haben, kann in der Regel widerrufen werden. Ohne Versiegelung gelten die normalen Regeln.
Freiwilliges Rückgaberecht der Händler: 30 oder 100 Tage
Viele Modeshops werben mit 30, 60 oder 100 Tagen Rückgabe. Das ist ein freiwilliges vertragliches Rückgaberecht, das neben dem gesetzlichen Widerruf besteht. Seine Bedingungen legt der Händler fest, etwa dass die Ware ungetragen und mit Etikett zurückkommen muss oder dass nur ein Gutschein erstattet wird. Innerhalb der gesetzlichen 14 Tage gelten trotzdem die gesetzlichen Regeln, auch wenn die Händlerbedingungen strenger sind.
Wie Widerruf, Rücktritt, Anfechtung und Kündigung zusammenhängen, zeigt die Übersicht Widerruf von abgeschlossenen Verträgen.
Wer ist zuständig?
Bis zu einem Streitwert von 10.000 Euro ist das Amtsgericht zuständig. Unbestrittene Forderungen lassen sich auch per Mahnbescheid geltend machen.
Amtsgerichte in DeutschlandHäufige Fragen
- Muss ich die Originalverpackung aufheben?
Nein. Die Originalverpackung ist keine Voraussetzung für den Widerruf. Die Ware muss aber so verpackt sein, dass sie beim Transport nicht beschädigt wird.
- Gilt das Widerrufsrecht auch bei Kleidung aus dem Ausland?
Innerhalb der EU haben Verbraucher beim Online-Kauf ein Widerrufsrecht von mindestens 14 Tagen. Bei Shops außerhalb der EU hängt es vom Recht ab, das auf den Vertrag anwendbar ist. Zudem sind Rücksendungen dorthin oft teuer.
- Kann ich reduzierte Ware aus dem Sale zurückgeben?
Ja. Online gekaufte Sale-Ware können Sie genauso widerrufen wie Ware zum regulären Preis. Ein Ausschluss „vom Umtausch ausgeschlossen“ gilt nur für den freiwilligen Umtausch, nicht für den gesetzlichen Widerruf.
- Gilt das Widerrufsrecht beim Kauf auf Rechnung oder mit Ratenzahlung?
Ja, die Zahlungsart ändert am Widerrufsrecht nichts. Bei Käufen auf Rechnung zahlen Sie erst gar nicht oder nur für die behaltene Ware. Bei Ratenkäufen erstreckt sich der Widerruf in der Regel auch auf die Finanzierung.
Quellen
Prüfvermerk der Redaktion: Alle Beträge, Fristen und Voraussetzungen auf dieser Seite wurden am 29.09.2026 mit dem Wortlaut der Vorschriften auf gesetze-im-internet.de und den Angaben der zuständigen Behörden abgeglichen, auch Fristen und Zuständigkeiten, die hier ohne Fußnote stehen. Gesetze ändern sich; maßgeblich ist die Fassung, die zum Zeitpunkt Ihres Falles gilt.
Diese Seite erklärt die Rechtslage allgemein und ersetzt keine Beratung im Einzelfall.