Stand September 2026
Der geschichtliche Ursprung des Rechts: Vom Kodex Hammurabi zum BGB
Die ältesten bekannten Rechtssammlungen stammen aus Mesopotamien, am bekanntesten ist der Kodex Hammurabi aus dem 18. Jahrhundert vor Christus. Über das römische Recht, mittelalterliche Rechtsbücher wie den Sachsenspiegel und die großen Gesetzbücher des 19. Jahrhunderts führt eine Linie bis zum heutigen Bürgerlichen Gesetzbuch.[1]
Geprüft am 01.10.2026 gegen Gesetzestext und amtliche Angaben · 1 Quellen · 5 Min. Lesezeit
Der Kodex Hammurabi: das bekannteste Gesetzbuch des Altertums
Der Kodex Hammurabi ist eine babylonische Sammlung von Rechtssprüchen aus dem 18. Jahrhundert vor Christus. Der Text geht auf den sechsten König der 1. Dynastie von Babylon zurück, König Hammurabi. Er ist nicht nur auf Tontafeln, sondern auch auf einer nahezu vollständig erhaltenen, 2,25 Meter hohen Dioritstele überliefert, die heute im Louvre in Paris zu sehen ist. Französische Archäologen fanden sie in Susa, wohin sie im 12. Jahrhundert vor Christus verschleppt worden war.[1]
In Keilschrift wurden rund 8.000 Wörter in drei Abschnitten niedergeschrieben: ein Prolog, der die göttliche Legitimation des Königs darlegt, ein Hauptteil mit nach heutiger Zählung 282 Rechtssätzen und ein Epilog, der die Rechtschaffenheit des Königs lobt. Die Rechtssätze regelten unter anderem Staatsrecht, Liegenschaftsrecht, Schuldrecht, Eherecht, Erbrecht, Strafrecht und Mietrecht.[1]
Ist der Kodex Hammurabi das älteste Gesetzbuch der Welt?
Nein. Der Kodex Hammurabi wird zwar gern als ältestes Gesetzbuch der Welt bezeichnet, diese Formulierung lässt sich aber seit der Entdeckung der älteren Kodizes von Ur-Nammu und Lipit-Ištar nicht mehr halten. Er ist allerdings die bekannteste und vollständigste dieser frühen Sammlungen.[1]
Umstritten ist auch, ob es sich überhaupt um ein Gesetz im heutigen Sinn handelte. Der ursprünglichen Annahme, der Kodex sei eine systematische Zusammenfassung geltenden Rechts, wurde schon früh widersprochen. Diskutiert wird, ob er eine private Rechtsaufzeichnung, eine Sammlung von Musterentscheidungen, ein Reformgesetz, ein Lehrtext oder ein sprachliches Kunstwerk war. Fakt ist, dass auch der theologische Teil der Texte für großes Interesse sorgte, denn darin wird die göttliche Legitimation Hammurabis dargelegt.[1]
Unabhängig davon kann der Kodex Hammurabi durchaus als einer der ältesten schriftlichen Belege für die Rechtswissenschaften angesehen werden.
Das römische Recht: Zwölftafelgesetz und Corpus Iuris Civilis
Das Zwölftafelgesetz ist eine um 451/450 vor Christus von einem Zehnmännerkollegium in Rom erarbeitete Gesetzessammlung. Sie war auf zwölf bronzenen Tafeln auf dem Forum Romanum ausgestellt und markiert unser frühestes Wissen vom altrömischen Recht.[1]
Knapp tausend Jahre später ließ der oströmische Kaiser Justinian das römische Recht sammeln. Der Corpus Iuris Civilis entstand in den Jahren 528 bis 534 nach Christus und umfasste vor allem klassisches Privatrecht. Nach dem Ende der Antike geriet er weitgehend in Vergessenheit. Erst ab dem frühen 12. Jahrhundert wurde er mit dem Fund einer Handschrift der Digesten wiederentdeckt und an den entstehenden Universitäten gelehrt.[1]
Über diese Wiederentdeckung wurde das römische Recht zur Grundlage des Zivilrechts in weiten Teilen Europas. Begriffe wie Eigentum, Besitz oder Vertrag gehen bis heute auf diese Tradition zurück.
Mittelalter: Der Sachsenspiegel
Im deutschen Sprachraum war das Recht im Mittelalter vor allem überliefertes Gewohnheitsrecht. Der Sachsenspiegel ist ein zwischen 1220 und 1235 entstandenes Rechtsbuch. Mit rund 400 Handschriften ist er der mit Abstand am häufigsten handschriftlich überlieferte Rechtstext in niederdeutscher Sprache aus dieser Zeit.[1]
Sein Verfasser Eike von Repgow betonte, er habe sich das niedergelegte Recht nicht ausgedacht, sondern an alte Traditionen angeknüpft. Teile davon blieben bis in das 19. Jahrhundert geltendes Recht, und der Sachsenspiegel wurde Vorbild für weitere Rechtsbücher wie den Schwabenspiegel.[1]
Die großen Gesetzbücher: Code civil und BGB
Mit der Aufklärung setzte sich die Idee durch, das gesamte Privatrecht in einem einheitlichen Gesetzbuch zu regeln. Der Code civil wurde 1804 von Napoleon Bonaparte in Frankreich eingeführt. Er gilt als modernes und bedeutendes Gesetzeswerk der Neuzeit und ist in wesentlichen Teilen in Frankreich bis heute gültig. Über die Rezeption im 19. Jahrhundert erreichte er viele Territorien.[1]
In Deutschland folgte nach der Reichsgründung das Bürgerliche Gesetzbuch. Die ursprüngliche Fassung stammt vom 18. August 1896, in Kraft trat es am 1. Januar 1900. Es gilt bis heute, vielfach geändert. Nach der Schuldrechtsreform wurde es mit Datum vom 2. Januar 2002 neu bekannt gemacht.[1]
| Zeit | Rechtsquelle | Ort |
|---|---|---|
| 18. Jh. v. Chr. | Kodex Hammurabi | Babylon |
| um 451/450 v. Chr. | Zwölftafelgesetz | Rom |
| 528 bis 534 n. Chr. | Corpus Iuris Civilis | Oströmisches Reich |
| 1220 bis 1235 | Sachsenspiegel | Sachsen |
| 1804 | Code civil | Frankreich |
| 1900 | Bürgerliches Gesetzbuch | Deutsches Reich |
Was bleibt: Recht als Ordnung des Zusammenlebens
Außervertragliche Schadenshaftung, Vermögensrecht, Familien- und Erbrecht wurden bereits im Kodex Hammurabi geregelt. Körperverletzungen und Sachbeschädigungen, Haftungsfragen bei der Schiffsmiete und Regeln zur Pacht von Feldern sind ebenfalls enthalten, was zeigt, dass die Menschheit bereits damals einen großen Bedarf an Richtlinien hatte.[1]
Die Fragen sind seit fast 4.000 Jahren ähnlich geblieben: Wer haftet für einen Schaden, wer erbt, was gilt bei Miete und Kauf. Geändert haben sich die Antworten und die Art, wie Recht entsteht, nämlich heute durch Parlamente. Ein Symbol dieser Tradition ist die Göttin der Gerechtigkeit, mehr dazu auf der Seite Justitia. Wie Gerichte vorgehen, wenn ein Gesetz einen Fall nicht regelt, erklärt die Seite Gesetzeslücke.
Häufige Fragen
- Wo kann man den Kodex Hammurabi sehen?
Die Dioritstele mit dem Kodex Hammurabi steht im Louvre in Paris. Daneben ist der Text auf Bruchstücken weiterer Stelen und auf über 30 Tontafelabschriften erhalten, sodass er heute vollständig bekannt ist.
- Was bedeutet „Auge um Auge“ im Kodex Hammurabi?
Viele Strafen im Kodex folgen dem Talionsprinzip, also der Vergeltung mit Gleichem. Das gilt etwa für falsche Anschuldigung und falsches Zeugnis und für viele Fälle der Körperverletzung. Die Formel „Auge um Auge“ beschreibt dieses Prinzip.
- Welches Recht galt in Deutschland vor dem BGB?
Kein einheitliches. Hilfsweise galt das Gemeine Recht auf Grundlage des römischen Rechts. Daneben gab es eigene Gesetzbücher: in Preußen das Allgemeine Landrecht von 1794, in den linksrheinischen Gebieten den Code civil, in Baden das Badische Landrecht von 1810 und in Sachsen das Sächsische BGB von 1865. Erst das BGB vereinheitlichte das Privatrecht im ganzen Reich.
- Gilt der Code civil heute noch?
Ja, in wesentlichen Teilen ist er in Frankreich bis heute gültig, wenn auch vielfach geändert.
Quellen
- Wikipedia (deutschsprachig): Codex Hammurapi · Zwölftafelgesetz · Corpus iuris civilis · Sachsenspiegel · Code civil · Bürgerliches Gesetzbuch
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