Stand September 2026
Justitia: Wer sie ist und was Waage, Schwert und Augenbinde bedeuten
Justitia ist die römische Göttin der Gerechtigkeit und bis heute das bekannteste Sinnbild der Rechtspflege. Seit dem Mittelalter wird sie meist mit Waage und Richtschwert dargestellt, seit dem 16. Jahrhundert regelmäßig auch mit einer Augenbinde.[1]
Geprüft am 29.09.2026 gegen Gesetzestext und amtliche Angaben · 2 Quellen · 5 Min. Lesezeit
Wer ist Justitia?
Justitia ist die Personifikation der Gerechtigkeit. In der alten römischen Mythologie steht sie für die ausgleichende Gerechtigkeit und ist damit in Darstellung und Wesen eng mit der Aequitas verwandt. Seit der augusteischen Zeit wird sie im Rahmen der Interpretatio Romana mit den griechischen mythischen Prosopopoiieen Dike und Themis vermengt.[1]
Themis verkörpert bei den Griechen eher die durch althergebrachte, göttliche Ordnung bestehende Gerechtigkeit, Dike dagegen eher die strafende, rächende Gerechtigkeit. Diese letztere Zuschreibung wirkt in das christliche Mittelalter und die Neuzeit nach, wo die Justitia in Kunst und Literatur für die strafende Gerechtigkeit oder das Rechtswesen steht.[1]
Justitia in der römischen Mythologie
In der römischen Mythologie spielt sie nur an einer Stelle eine Rolle, nämlich im Mythos von den Weltaltern. Hier verlässt die mit Astraea identifizierte Justitia als Letzte der Himmlischen die von Verbrechen erfüllte Erde des Eisernen Zeitalters und kehrt in ihre überirdische Heimat zurück bzw. wird als Sternbild der Jungfrau an den Himmel versetzt. Eine direkte Entsprechung hat sie im griechischen Begriff der Dikaiosyne; iustitia wird von einigen Alten zu den Kardinaltugenden gezählt.[1]
Was bedeuten Waage, Schwert und Augenbinde?
Im Mittelalter und in der Neuzeit ist das Bild der Justitia ein vollkommen anderes als im römischen Altertum: Nun wird Justitia meist als Jungfrau dargestellt, die in der linken Hand eine Waage, in der Rechten das Richtschwert hält.[1]
| Symbol | Bedeutung |
|---|---|
| Waage | sorgfältiges Abwägen von Für und Wider, aller Fakten und Argumente |
| Richtschwert | das Recht wird durchgesetzt, notfalls mit der nötigen Härte |
| Augenbinde | Unparteilichkeit: Recht gilt für alle gleich, ohne Ansehen der Person |
| Füllhorn (Antike) | der Reichtum, der gerecht verteilt wird |
Dies soll verdeutlichen, dass das Recht ohne Ansehen der Person (Augenbinde), nach sorgfältiger Abwägung der Sachlage (Waage) gesprochen und schließlich mit der nötigen Härte (Richtschwert) durchgesetzt wird.[1]
Seit wann trägt Justitia eine Augenbinde?
Seit Ende des 15. Jahrhunderts wird Justitia blind oder einäugig dargestellt, später noch deutlicher mit einer Augenbinde. Die Einäugigkeit wird schon in spätmittelalterlichen Rechtsbüchern als Symbol für die Unparteilichkeit erklärt, also für das Richten ohne Ansehen der Person. Zum festen Attribut wird die Augenbinde erst seit dem beginnenden 16. Jahrhundert. Ein prominentes Beispiel aus dieser Zeit ist der Gerechtigkeitsbrunnen in Bern.[1]
Nicht jede Darstellung folgt dem. Auch später entstandene Figuren zeigen sie nicht immer mit verbundenen Augen.
Warum hängt die Waage oft schief?
Die Waage der neuzeitlichen Justitia ist die Waage des Richters, mit deren Hilfe Für und Wider gegeneinander abgewogen wird, und deren Rolle letztlich der Rolle der Waage im ägyptischen Totengericht entspricht. Entsprechend dem strafrechtlichen Grundsatz In dubio pro reo („im Zweifel für den Angeklagten“), und weil in Zivilverfahren die entgegengesetzten Interessen ausgeglichen werden, steht der Waagbalken oft schräg.[1]
In römischen Darstellungen ist das anders. Dort wird der Waagbalken stets waagrecht gezeigt, als Zeichen dafür, dass der Kaiser niemanden bevorzugt. In älteren Darstellungen trägt die Göttin des Rechtsfriedens anstatt des Schwertes einen Ölzweig. Dieser symbolisiert den Frieden, der durch den Ausgleich zwischen umstrittenen zivilrechtlichen Interessen erreicht werden soll.[1]
Justitia in der Antike: Füllhorn und „Jedem das Seine“
In der Antike entspricht ihre Darstellung derjenigen der Aequitas, d. h. ihre Attribute sind die Waage, mit deren Hilfe jedem das Seine zugemessen wird, und das Füllhorn, das den zu verteilenden Reichtum spendet. Die Formel „Jedem das Seine“ (suum cuique tribuere) geht auf Platons Politeia zurück, der sie von dem Dichter Simonides übernahm. Cicero prägte den Begriff derart entscheidend, dass er in der Rechtsphilosophie des Abendlandes bestimmend werden sollte.[1]
Solche Darstellungen der Justitia/Aequitas erscheinen vielfach auf Münzen der Kaiserzeit, wo sie als Teil der politischen Propaganda den Kaiser in seiner Rolle als Spender materieller Sicherheit versinnbildlichen. Schon Augustus schrieb sich in seinem Tatenbericht Res Gestae iustitia als eine von vier Herrschertugenden zu. Wie andere Gottheiten wird sie häufig mit einem Diadem gezeigt, wie man auf einer Münze des Nero sieht, auf der Agrippina die Jüngere als Iustitia abgebildet ist.[1]
Was hat Justitia mit dem heutigen Recht zu tun?
Die Figur ist ein Symbol, keine Rechtsquelle. Die Ideen hinter ihren Attributen finden sich aber im Grundgesetz wieder:
- Gleichheit, wie sie die Augenbinde ausdrückt: Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
- Rechtsprechung: Die rechtsprechende Gewalt ist den Richtern anvertraut.
- Unparteilichkeit: Die Richter sind unabhängig und nur dem Gesetze unterworfen.[2]
Wer heute Recht sucht, wendet sich an die Gerichte. Einen Überblick über die Berufsrichter in Deutschland gibt die Seite Richter in Deutschland. Teile dieses Textes beruhen auf dem Wikipedia-Artikel „Justitia“ (Lizenz CC BY-SA).
Wer ist zuständig?
Die meisten Verfahren beginnen beim Amtsgericht. Dort finden Sie auch Nachlass-, Familien- und Grundbuchsachen.
Amtsgerichte in DeutschlandHäufige Fragen
- Wie heißt die Göttin der Gerechtigkeit bei den Griechen?
Es gibt zwei: Themis steht für die göttliche, althergebrachte Ordnung, Dike für die strafende Gerechtigkeit. Mit beiden wurde die römische Justitia seit der Zeit des Augustus gleichgesetzt.
- Ist Justitia ein Sternbild?
Nach dem römischen Mythos von den Weltaltern wurde die mit Astraea gleichgesetzte Justitia als Sternbild der Jungfrau an den Himmel versetzt.
- Wo ist Justitia außer an Gerichten zu sehen?
Auf Münzen der römischen Kaiserzeit, auf Brunnen wie dem Gerechtigkeitsbrunnen in Bern und auf Gemeindewappen, etwa von Grafenhausen und Oberweißbach.
- Was zeigt die „schlafende Justitia“?
Einen Kupferstich des Renaissancekünstlers Barthel Beham von 1525. Er setzt sich darin satirisch mit der Entmachtung der Gerechtigkeit auseinander.
Quellen
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