Zum Inhalt springen

Erbrecht Ratgeber · Stand September 2026

Pflichtteilsverzicht oder Pflichtteilsentzug: Wie man den Pflichtteil ausschließt

Den Pflichtteil kann der Erblasser nur auf zwei Wegen ausschließen: einseitig durch Entziehung im Testament aus einem der gesetzlichen Gründe oder einvernehmlich durch einen notariell beurkundeten Pflichtteilsverzicht. Die Entziehung setzt schwere Verfehlungen voraus, die im Testament angegeben und im Streitfall bewiesen werden müssen.[1]

Geprüft am 29.09.2026 gegen Gesetzestext und amtliche Angaben · 2 Quellen · 5 Min. Lesezeit

Kann man den Pflichtteil umgehen?

Vielen künftigen Erblassern ist das Pflichtteilsrecht ein Dorn im Auge, weil sie hierdurch in ihrer Testierfreiheit eingeschränkt werden. Dies ist verständlich, allerdings hat das Pflichtteilsrecht durchaus seine Daseinsberechtigung und sichert die Familie ab. Durch ein Testament allein lässt er sich nicht ausschließen: Wer Kinder, Ehegatten oder Eltern enterbt, löst gerade ihren Pflichtteilsanspruch aus; siehe Pflichtteil.

Es gibt drei legale Wege: die Entziehung aus schweren Gründen, den Verzicht des Berechtigten und, als eigenes Thema, Schenkungen zu Lebzeiten, die nach zehn Jahren bei der Pflichtteilsergänzung nicht mehr zählen. Zu den Schenkungen siehe Pflichtteilsergänzung.

Aus welchen Gründen kann man den Pflichtteil entziehen?

Eine Reihe von schwerwiegenden Gründen kann im Erbrecht durchaus legitim zu einem Pflichtteilsentzug führen. Der Erblasser kann einem Abkömmling den Pflichtteil entziehen, wenn dieser

  1. dem Erblasser, dessen Ehegatten, einem anderen Abkömmling oder einer ähnlich nahestehenden Person nach dem Leben trachtet,
  2. sich eines Verbrechens oder eines schweren vorsätzlichen Vergehens gegen eine dieser Personen schuldig macht,
  3. die ihm dem Erblasser gegenüber gesetzlich obliegende Unterhaltspflicht böswillig verletzt oder
  4. wegen einer vorsätzlichen Straftat zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr ohne Bewährung rechtskräftig verurteilt wird und die Teilhabe am Nachlass deshalb für den Erblasser unzumutbar ist. Gleiches gilt bei rechtskräftiger Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus oder einer Entziehungsanstalt wegen einer ähnlich schwerwiegenden vorsätzlichen Tat.[1]

Für Eltern und Ehegatten gilt das entsprechend. Eine bloße Entfremdung, fehlender Kontakt oder ein unsteter Lebenswandel reichen nicht. Bei Verschwendung oder Überschuldung eines Abkömmlings kann der Erblasser den Pflichtteil lediglich beschränken, etwa durch Testamentsvollstreckung, damit das Erbe nicht bei Gläubigern landet.[1]

Wie entzieht man den Pflichtteil wirksam?

Die Entziehung des Pflichtteils erfolgt durch letztwillige Verfügung. Der Grund der Entziehung muss zur Zeit der Errichtung bestehen und in der Verfügung angegeben werden; beim Straftatengrund müssen die Tat und der Grund der Unzumutbarkeit schon vorliegen und beide angegeben werden. Den Beweis des Grundes muss erbringen, wer sich auf die Entziehung beruft, in der Regel also der Erbe.[1]

Der Erblasser muss testamentarisch deutlich machen, dass er der betreffenden Person den Pflichtteil entzieht, und den Sachverhalt so konkret schildern, dass er später nachvollzogen werden kann: was, wann, gegen wen. Pauschale Vorwürfe genügen nicht. Das Recht zur Entziehung erlischt durch Verzeihung, und eine schon angeordnete Entziehung wird dadurch unwirksam.[1]

Anzeige

Was ist Pflichtteilsunwürdigkeit?

Unabhängig vom Willen des Erblassers kann ein Pflichtteilsanspruch angefochten werden, wenn sich der Berechtigte einer Verfehlung schuldig gemacht hat, die zur Erbunwürdigkeit führt. Dazu gehören etwa die vorsätzliche Tötung oder versuchte Tötung des Erblassers, das Verhindern eines Testaments, das Erzwingen eines Testaments durch Täuschung oder Drohung und die Fälschung eines Testaments.[1] Anfechten können die Erben nach dem Erbfall binnen eines Jahres ab Kenntnis vom Grund.

Wie funktioniert ein Pflichtteilsverzicht?

Der Pflichtteilsverzicht erscheint als gute Variante, das Pflichtteilsrecht im Erbfall auszuschließen. Hierbei müssen sich der Pflichtteilsberechtigte und der künftige Erblasser einigen und einen Verzichtsvertrag abschließen. Verwandte und der Ehegatte können durch Vertrag mit dem Erblasser auf ihr gesetzliches Erbrecht verzichten; der Verzicht kann auf das Pflichtteilsrecht beschränkt werden.[1]

  • Form: Der Vertrag muss notariell beurkundet werden. Der Erblasser kann ihn nur persönlich schließen.[1]
  • Wirkung auf Kinder: Verzichtet ein Abkömmling, erstreckt sich die Wirkung auf seine Abkömmlinge, sofern nichts anderes bestimmt ist.[1]
  • Abfindung: Häufig ist eine Gegenleistung seitens des Erblassers zugunsten des Verzichtenden Gegenstand des Vertrags, etwa Geld oder eine Immobilie. Gegebenenfalls kann eine Bedingung vertraglich vereinbart werden.
  • Nur Pflichtteil oder ganzes Erbrecht: Zumeist wird ein reiner Pflichtteilsverzicht gewählt und kein kompletter Erbverzicht. Beim Erbverzicht fällt der Verzichtende aus der gesetzlichen Erbfolge und erhöht damit die Pflichtteile der anderen; beim reinen Pflichtteilsverzicht nicht.[1]

Wann ist ein Pflichtteilsverzicht sinnvoll?

Verzichtsverträge werden häufig von Firmeninhabern erwogen, um den Zusammenhalt der Firma zu sichern. Manchmal gibt es solche Vereinbarungen auch beim Berliner Testament, damit der letzte Wille in diesem gegenseitigen Testament nicht durch Forderungen der Pflichtteilsberechtigten ausgehöhlt werden kann. Manchmal entsteht sonst eine Zwangssituation für den überlebenden Elternteil, denn falls die Erbschaft aus einer Immobilie besteht, ist diese nicht eben mal so teilbar.

Mitunter hat ein Erbe den Wunsch, ein Haus zu übernehmen oder die Firma weiterzuführen, und muss dann seine Miterben auszahlen. Um solche Konflikte zu vermeiden, sollten Immobilieneigentümer oder Firmeninhaber frühzeitig zu Lebzeiten vorsorgen, mit den Pflichterben sprechen und im Idealfall im Testament festlegen, wer bestimmte Anteile aus dem Erbe bekommt.

Muss man für die Abfindung Steuern zahlen?

Ja, möglicherweise. Was als Abfindung für einen Erbverzicht gewährt wird, gilt als Schenkung unter Lebenden; das umfasst auch den auf den Pflichtteil beschränkten Verzicht.[2] Maßgeblich ist die Steuerklasse im Verhältnis zum Erblasser, bei Kindern also der Freibetrag von 400.000 Euro, der zugleich mit anderen Schenkungen innerhalb von zehn Jahren zusammengerechnet wird. Mehr unter Freibeträge.

Wer erst nach dem Erbfall gegen Abfindung auf einen bereits entstandenen Pflichtteilsanspruch verzichtet, versteuert die Abfindung als Erwerb von Todes wegen.[2]

Wer ist zuständig?

Verzichtsvertrag

Jeder Notar. Der Erblasser muss persönlich mitwirken.[1]

Notarielles Testament
Streit um Pflichtteil und Entziehung

Das Zivilgericht, bei höheren Werten das Landgericht.

Landgerichte in Deutschland

Häufige Fragen

Quellen

  1. Bürgerliches Gesetzbuch (BGB): § 2333 · § 2336 · § 2337 · § 2338 · § 2339 · § 2345 · § 2346 · § 2347 · § 2348 · § 2349
  2. Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz (ErbStG): § 3 · § 7 · § 16

Prüfvermerk der Redaktion: Alle Beträge, Fristen und Voraussetzungen auf dieser Seite wurden am 29.09.2026 mit dem Wortlaut der Vorschriften auf gesetze-im-internet.de und den Angaben der zuständigen Behörden abgeglichen, auch Fristen und Zuständigkeiten, die hier ohne Fußnote stehen. Gesetze ändern sich; maßgeblich ist die Fassung, die zum Zeitpunkt Ihres Falles gilt.

Diese Seite erklärt die Rechtslage allgemein und ersetzt keine Beratung im Einzelfall.

Anzeige