Stand September 2026
Anwalt finden: Anwaltssuche, Fachanwalt, Kosten und Hilfe bei wenig Geld
Ob jemand als Rechtsanwalt zugelassen ist und ob er einen Fachanwaltstitel führt, können Sie kostenlos im Bundesweiten Amtlichen Anwaltsverzeichnis der Bundesrechtsanwaltskammer prüfen. Eine erste Beratung darf einen Verbraucher ohne besondere Vereinbarung höchstens 190 Euro zuzüglich Umsatzsteuer kosten; wer wenig Geld hat, kann Beratungshilfe oder Prozesskostenhilfe beantragen.[1]
Geprüft am 29.09.2026 gegen Gesetzestext und amtliche Angaben · 3 Quellen · 6 Min. Lesezeit
Wie finde ich einen guten Anwalt?
Um für den eigenen Sachverhalt den richtigen Anwalt zu finden, sollten einige Besonderheiten beachtet werden. Der Rechtsanwalt ist der berufene unabhängige Berater und Vertreter in allen Rechtsangelegenheiten; jeder zugelassene Anwalt darf also grundsätzlich jedes Mandat übernehmen. In der Praxis spezialisieren sich die meisten Anwälte aber auf bestimmte Rechtsgebiete.[2]
Wer sich also beispielsweise nach einem Verkehrsunfall vor Gericht zu vertreten hat, sollte nicht zwingend einen Anwalt hierfür auswählen, dessen Spezialität das Familienrecht ist. Oftmals bilden mehrere Anwälte mit unterschiedlichen Schwerpunkten auch eine gemeinschaftliche Kanzlei. Hilfreich bei der Auswahl sind:
- Schwerpunkt: ein Fachanwaltstitel oder ein erkennbarer Tätigkeitsschwerpunkt im betroffenen Rechtsgebiet,
- Nähe: Neben der fachlichen Kompetenz spielen auch geografische Gesichtspunkte eine Rolle, um beiden Seiten möglichst kurze Wege zueinander oder zum Gericht zu ersparen,
- Erfahrung: Auch die Erfahrung eines Anwalts in ähnlichen Fällen spielt für viele Mandanten eine wesentliche Rolle,
- Vertrauen: Der persönliche Faktor sollte nicht unterschätzt werden, da in den Gesprächen nicht selten Persönliches ausgetauscht werden muss.
Ein ausschlaggebender Punkt ist, dass Sie Ihr Anliegen genau beschreiben können. Worum geht es? Seit wann besteht das Problem, und wer ist daran beteiligt? Welche Fristen laufen? Legen Sie Verträge, Bescheide und Schriftwechsel geordnet bereit.
Wo gibt es die amtliche Anwaltssuche?
Die Rechtsanwaltskammern führen elektronische Verzeichnisse der in ihren Bezirken zugelassenen Rechtsanwälte, die Bundesrechtsanwaltskammer führt daraus ein Gesamtverzeichnis. Die Verzeichnisse dienen ausdrücklich auch der Information der Rechtsuchenden; die Einsicht steht jedem unentgeltlich zu.[2]
Das Bundesweite Amtliche Anwaltsverzeichnis umfasst alle in Deutschland zugelassenen Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte, dazu die in Deutschland tätigen europäischen Rechtsanwälte. Dort sehen Sie, ob jemand zugelassen ist, welcher Kammer er angehört und ob er einen Fachanwaltstitel führt.[3]
Eine Empfehlung spricht die Bundesrechtsanwaltskammer nicht aus; sie darf weder Rechtsauskünfte erteilen noch einzelne Anwälte empfehlen. Für die Suche nach einem entsprechend qualifizierten Anwalt oder bei Beschwerden über einzelne Anwälte helfen die örtlichen Rechtsanwaltskammern weiter.[3]
Daneben gibt es private Anwaltsportale und Bewertungsplattformen. Sie sind keine amtlichen Verzeichnisse; die Reihenfolge der Treffer kann von bezahlten Einträgen abhängen.
Was ist ein Fachanwalt?
Einem Rechtsanwalt, der besondere Kenntnisse und Erfahrungen in einem Rechtsgebiet erworben hat, kann die Rechtsanwaltskammer die Befugnis verleihen, eine Fachanwaltsbezeichnung zu führen. Ein Ausschuss der Kammer prüft vorher die Nachweise. Ein Anwalt darf höchstens drei Fachanwaltstitel führen.[2]
Voraussetzung sind eine dreijährige Zulassung und Tätigkeit innerhalb der letzten sechs Jahre, ein Lehrgang von mindestens 120 Zeitstunden und eine bestimmte Zahl selbst bearbeiteter Fälle. Fachanwaltstitel gibt es für 24 Rechtsgebiete:
| Verwaltungsrecht, Steuerrecht, Arbeitsrecht, Sozialrecht |
| Familienrecht, Erbrecht, Miet- und Wohnungseigentumsrecht, Verkehrsrecht, Versicherungsrecht, Medizinrecht |
| Strafrecht, Insolvenz- und Sanierungsrecht, Bau- und Architektenrecht, Transport- und Speditionsrecht |
| Gewerblicher Rechtsschutz, Handels- und Gesellschaftsrecht, Urheber- und Medienrecht, Informationstechnologierecht, Bank- und Kapitalmarktrecht |
| Agrarrecht, Internationales Wirtschaftsrecht, Vergaberecht, Migrationsrecht, Sportrecht |
Einen „Fachanwalt für Vertragsrecht“ oder „für Patentrecht“ gibt es nicht. Für Patente sind Patentanwälte zuständig, ein eigener Beruf mit eigener Kammer (siehe Patentrecht). Wie Fachanwälte für Erbrecht arbeiten, zeigt Fachanwälte für Erbrecht.
Was kostet eine Erstberatung beim Anwalt?
Für eine reine Beratung soll der Anwalt mit dem Mandanten eine Gebührenvereinbarung treffen. Fehlt sie und ist der Mandant Verbraucher, beträgt die Gebühr für die Beratung höchstens 250 Euro, für ein erstes Beratungsgespräch jedoch höchstens 190 Euro. Hinzu kommen Umsatzsteuer und gegebenenfalls Auslagen.[1]
Beauftragen Sie den Anwalt danach in derselben Sache weiter, wird die Beratungsgebühr grundsätzlich auf die spätere Gebühr angerechnet. Fragen Sie vor dem Gespräch nach den Kosten; sie lassen sich vor dem Gespräch vereinbaren.[1]
Wie sich die Gebühren für Schriftverkehr und Prozess berechnen, erklärt der Beitrag Was kostet die Erstberatung beim Anwalt?.
Was tun, wenn ich mir keinen Anwalt leisten kann?
Der Staat hilft Menschen mit geringem Einkommen auf zwei Wegen:
- Beratungshilfe gibt es für die Beratung und Vertretung außerhalb eines Gerichtsverfahrens, etwa für einen Widerspruch oder ein Schreiben an den Vermieter. Sie wird auf Antrag gewährt, wenn Sie die Mittel nach Ihren persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen nicht aufbringen können und keine andere zumutbare Hilfe haben. Über den Antrag entscheidet das Amtsgericht an Ihrem Wohnsitz. Der Anwalt darf von Ihnen dann nur eine Beratungshilfegebühr von 15 Euro verlangen.[1]
- Prozesskostenhilfe gibt es für einen Prozess. Wer die Kosten der Prozessführung nicht, nur zum Teil oder nur in Raten aufbringen kann, erhält sie auf Antrag, wenn die Klage oder Verteidigung hinreichende Aussicht auf Erfolg hat und nicht mutwillig erscheint. In Familiensachen heißt sie Verfahrenskostenhilfe.
Den Antrag auf Beratungshilfe stellen Sie beim Amtsgericht und erhalten einen Berechtigungsschein für einen Anwalt Ihrer Wahl. Gehen Sie direkt zum Anwalt, muss der Antrag spätestens vier Wochen nach Beginn der Beratung nachgereicht werden. Dazu gehören eine Erklärung über Ihre persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse mit Belegen.
Brauche ich vor Gericht einen Anwalt?
Das hängt vom Gericht ab. Vor den Landgerichten und Oberlandesgerichten müssen sich die Parteien durch einen Rechtsanwalt vertreten lassen, vor dem Bundesgerichtshof durch einen dort besonders zugelassenen Rechtsanwalt. Vor dem Amtsgericht können Sie einen Zivilprozess dagegen grundsätzlich selbst führen. Das gilt bis zu einem Streitwert von 10.000 Euro; Mietsachen über Wohnraum gehören unabhängig vom Streitwert immer vor das Amtsgericht.
Jeder zugelassene Rechtsanwalt darf vor allen Amts-, Land- und Oberlandesgerichten in Deutschland auftreten; eine gesonderte Zulassung bei einem bestimmten Gericht braucht er nur für den Bundesgerichtshof. Die örtliche Zuständigkeit des Gerichts richtet sich in der Regel nach dem Wohnsitz des Beklagten. Welches Gericht für Ihren Fall zuständig ist, erklärt Zuständiges Gericht finden, den Weg durch die Instanzen Instanzenweg deutscher Gerichte.
Zahlt die Rechtsschutzversicherung den Anwalt?
Bei der Rechtsschutzversicherung ist der Versicherer verpflichtet, die für die Wahrnehmung Ihrer rechtlichen Interessen erforderlichen Leistungen im vereinbarten Umfang zu erbringen. Welche Rechtsgebiete versichert sind, ob es eine Wartezeit gibt und wie hoch die Selbstbeteiligung ist, steht in Ihrem Vertrag.
Sie dürfen den Anwalt, der Sie vor Gericht oder Behörden vertritt, frei wählen. Die Versicherung kann Ihnen einen Anwalt empfehlen, aber nicht vorschreiben. Holen Sie vor dem Auftrag eine Deckungszusage ein; viele Anwälte übernehmen die Anfrage bei der Versicherung für Sie.
Auch Beratungen per Telefon, E-Mail oder Videogespräch sind echte Anwaltsberatungen: Der Vertrag kommt zwischen Ihnen und dem Anwalt zustande, und der Anwalt haftet für seine Auskünfte wie jeder andere Anwalt auch.
Wer ist zuständig?
Beim Amtsgericht an Ihrem Wohnsitz. Dort erhalten Sie den Berechtigungsschein, mit dem Sie einen Anwalt Ihrer Wahl aufsuchen.
Amtsgerichte in DeutschlandDie Rechtsanwaltskammer, der der Anwalt angehört. Welche das ist, steht im Bundesweiten Amtlichen Anwaltsverzeichnis.
Häufige Fragen
- Ist ein Jurist dasselbe wie ein Rechtsanwalt?
Nein. Jurist ist, wer Rechtswissenschaft studiert hat. Rechtsanwalt ist nur, wer in der Regel die Befähigung zum Richteramt, also beide juristischen Staatsexamen, erlangt hat und von einer Rechtsanwaltskammer zugelassen wurde. Nur zugelassene Rechtsanwälte dürfen Sie vor Landgericht und Oberlandesgericht vertreten.
- Wie finde ich die Anschrift eines Rechtsanwalts?
Im Bundesweiten Amtlichen Anwaltsverzeichnis sind Kanzleianschrift und Kammerzugehörigkeit jedes zugelassenen Anwalts eingetragen. Die Suche ist kostenlos und auch nach Namen oder Ort möglich.
- Wie finde ich einen guten Anwalt online?
Prüfen Sie zuerst im amtlichen Verzeichnis, ob der Anwalt zugelassen ist und einen Fachanwaltstitel im passenden Gebiet hat. Die Internetseite der Kanzlei zeigt die Schwerpunkte. Bewertungsportale geben nur einen Eindruck; fragen Sie im ersten Gespräch nach Erfahrung mit ähnlichen Fällen und nach den Kosten.
- Kann ich den Anwalt wechseln?
Ja, Sie können das Mandat jederzeit kündigen. Die bis dahin entstandenen Gebühren müssen Sie aber bezahlen, und ein neuer Anwalt verlangt seine Gebühren grundsätzlich noch einmal.
Quellen
- Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG): § 34 · VV Nr. 2500
- Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO): § 3 · § 31 · § 43c
- Bundesrechtsanwaltskammer: Bundesweites Amtliches Anwaltsverzeichnis
Prüfvermerk der Redaktion: Alle Beträge, Fristen und Voraussetzungen auf dieser Seite wurden am 29.09.2026 mit dem Wortlaut der Vorschriften auf gesetze-im-internet.de und den Angaben der zuständigen Behörden abgeglichen, auch Fristen und Zuständigkeiten, die hier ohne Fußnote stehen. Gesetze ändern sich; maßgeblich ist die Fassung, die zum Zeitpunkt Ihres Falles gilt.
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