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Sozialrecht · Stand September 2026

Sozialhilfe: Was sie ist, wer sie bekommt und wie viel

Sozialhilfe sichert das Existenzminimum von Menschen, die ihren Lebensunterhalt nicht selbst bestreiten können und nicht erwerbsfähig sind, etwa wegen Alters oder dauerhafter Erwerbsminderung. Sie wird vom Sozialamt der Stadt oder des Kreises gezahlt; der Regelsatz für Alleinstehende beträgt 2026 wie im Vorjahr 563 Euro im Monat.[1]

Geprüft am 29.09.2026 gegen Gesetzestext und amtliche Angaben · 3 Quellen · 6 Min. Lesezeit

Was ist Sozialhilfe?

Wer kein Einkommen hat oder nicht genug verdient, der ist auf Unterstützung vom Staat angewiesen. Besteht ein tatsächlicher Bedarf, wird den entsprechenden Personen eine angemessene Sozialhilfe gezahlt. Sie stockt das Einkommen auf oder ersetzt es bis zu einem Minimum, mit dem sich Miete, Lebensmittel und andere notwendige Dinge bezahlen lassen. Aufgabe der Sozialhilfe ist es, ein Leben zu ermöglichen, das der Würde des Menschen entspricht.[1]

Die Sozialhilfe ist das unterste Netz der sozialen Sicherung. Sie erhält nicht, wer sich durch seine Arbeitskraft, sein Einkommen und Vermögen selbst helfen kann oder die nötige Hilfe von Angehörigen oder anderen Sozialleistungsträgern bekommt.[1]

Das Gesetz kennt mehrere Leistungen der Sozialhilfe:

  • Hilfe zum Lebensunterhalt,
  • Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung,
  • Hilfen zur Gesundheit,
  • Hilfe zur Pflege,
  • Hilfe zur Überwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten,
  • Hilfe in anderen Lebenslagen.[1]

Welche Leistungen im Einzelnen dazugehören, erklärt die Seite Leistungen der Sozialhilfe.

Wer bekommt Sozialhilfe?

Sozialhilfe bekommt, wer seinen notwendigen Lebensunterhalt nicht oder nicht ausreichend aus eigenen Kräften und Mitteln bestreiten kann. Dabei gibt es zwei Gruppen:[1]

  • Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung: Im Gegensatz zum Grundsicherungsgeld steht sie denjenigen zu, die aufgrund von Alter oder Gesundheit keiner Arbeit nachgehen können. Einen Anspruch hat, wer die Altersgrenze erreicht hat, für ab 1964 Geborene 67 Jahre, oder wer mindestens 18 Jahre alt und dauerhaft voll erwerbsgemindert ist, also auf Dauer weniger als drei Stunden täglich arbeiten kann. Auch Rentner mit zu kleiner Rente erhalten sie.
  • Hilfe zum Lebensunterhalt: für Menschen, die vorübergehend nicht erwerbsfähig sind und keine Grundsicherung bekommen, zum Beispiel bei einer befristeten Erwerbsminderungsrente oder einem längeren Krankenhausaufenthalt.[1]

Wer erwerbsfähig ist, also mindestens drei Stunden täglich arbeiten kann, oder mit einer erwerbsfähigen Person in einer Bedarfsgemeinschaft lebt, erhält keine Leistungen für den Lebensunterhalt nach dem SGB XII, sondern Grundsicherungsgeld vom Jobcenter.[1][2]

Alle Voraussetzungen und Ausschlüsse stehen auf der Seite Anspruch auf Sozialhilfe. Zur Grundsicherung für Rentner siehe Grundsicherung im Alter.

Wie viel Sozialhilfe bekommt man?

Nicht jeder Mensch bekommt gleich viel Sozialhilfe. Man unterscheidet zwischen dem Regelsatz, dem Mehrbedarf und den Kosten für Unterkunft und Heizung. Für viele, die Grundsicherung vom Staat beziehen, hat in erster Linie der Regelsatz Bedeutung. Anhand von statistischen Werten wird der Satz als allgemeingültig festgelegt: Grundlage sind die Verbrauchsausgaben unterer Einkommensgruppen.[1]

Regelbedarfsstufefür wen2026 im Monat
1Alleinstehende, Alleinerziehende563 Euro
2Ehegatten und Partner, je Person506 Euro
3Erwachsene in einer stationären Einrichtung451 Euro
4Jugendliche von 14 bis 17 Jahren471 Euro
5Kinder von 6 bis 13 Jahren390 Euro
6Kinder bis 5 Jahre357 Euro

Die Beträge sind dieselben wie im Grundsicherungsgeld. Für 2026 gab es keine Erhöhung, weil die Fortschreibung niedrigere Werte ergeben hätte.[1]

Zum Leben reicht das aber nicht immer aus, deshalb kann man unter Umständen auch noch einen Mehrbedarf geltend machen. Einen Mehrbedarf von 17 Prozent erhalten Menschen, die die Altersgrenze erreicht haben oder voll erwerbsgemindert sind, wenn sie das Merkzeichen G im Schwerbehindertenausweis haben. Weitere Mehrbedarfe gibt es für Schwangere, Alleinerziehende und Menschen, die wegen ihrer Gesundheit eine besonders aufwendige Ernährung benötigen. Der Mehrbedarf ist in der Sozialhilfe überwiegend nicht in festen Summen, sondern in prozentualen Anteilen geregelt.[1]

Dazu kommen die angemessenen Kosten für Miete und Heizung sowie einmalige Leistungen, etwa für die Erstausstattung der Wohnung. Die Berechnung erklärt Regelsatz der Sozialhilfe.[1]

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Wer zahlt die Sozialhilfe?

Träger der Sozialhilfe sind die kreisfreien Städte und die Kreise, soweit das Landesrecht nichts anderes bestimmt. Den Antrag stellen Sie also beim Sozialamt Ihrer Stadt oder Ihres Landkreises. Für bestimmte Aufgaben bestimmen die Länder überörtliche Träger.[1]

Die Kosten der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung erstattet der Bund den Ländern vollständig. Die Hilfe zum Lebensunterhalt zahlen die Kommunen selbst.[1]

Die Hilfe zum Lebensunterhalt setzt ein, sobald das Sozialamt vom Bedarf erfährt. Die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung gibt es dagegen nur auf Antrag; er wirkt auf den Ersten des Monats zurück. Wie der Antrag abläuft, steht unter Sozialhilfe beantragen.[1]

Welches Einkommen und Vermögen angerechnet wird

Sozialhilfe gibt es nur, soweit eigenes Einkommen und Vermögen nicht reichen. Zum Einkommen gehören alle Einkünfte in Geld oder Geldeswert, also auch Rente und Kindergeld. Bei Ehegatten und Lebenspartnern zählt das Einkommen beider.[1]

  • Vermögen: Frei bleiben kleinere Barbeträge, 2026 sind das 10.000 Euro je volljähriger Person, außerdem ein angemessenes selbst bewohntes Haus und ein angemessenes Auto.[3][1]
  • Unterhalt von Kindern und Eltern: Bei der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung werden Unterhaltsansprüche gegen Kinder oder Eltern nur berücksichtigt, wenn deren Jahreseinkommen über 100.000 Euro liegt.[1]

Mehr dazu auf den Seiten Sozialhilfe und Vermögen und Einkommensgrenze für Sozialhilfe.

Sozialhilfe und Grundsicherungsgeld: der Unterschied

Beide Leistungen sichern das Existenzminimum und haben dieselben Regelbedarfe. Entscheidend ist die Erwerbsfähigkeit:[2]

  • Grundsicherungsgeld (früher Bürgergeld) nach dem SGB II erhalten erwerbsfähige Menschen zwischen 15 Jahren und der Altersgrenze sowie die Angehörigen ihrer Bedarfsgemeinschaft. Zuständig ist das Jobcenter.
  • Sozialhilfe nach dem SGB XII erhalten Menschen, die nicht erwerbsfähig sind oder die Altersgrenze erreicht haben. Zuständig ist das Sozialamt.[2][1]

Unterschiede gibt es beim Vermögen, beim Hinzuverdienst und bei den Pflichten. Einen ausführlichen Vergleich bietet Unterschied zwischen Sozialhilfe und Grundsicherungsgeld. Die Leistung für Erwerbsfähige erklärt Grundsicherungsgeld, die Beträge Wie hoch ist das Grundsicherungsgeld?

Einmalige Leistungen und Sonderbedarf

Regelsatz und Mehrbedarf machen den Kern der Sozialleistungen aus, die man als Grundsicherung vom Staat in Anspruch nehmen kann. Gesondert übernommen werden:

  • die Erstausstattung der Wohnung einschließlich Haushaltsgeräten,
  • die Erstausstattung mit Bekleidung und bei Schwangerschaft und Geburt,
  • orthopädische Schuhe, Reparaturen und die Miete therapeutischer Geräte.[1]

Diese Leistungen gibt es auch für Menschen, die sonst keine Sozialhilfe beziehen, aber den einmaligen Bedarf nicht aus eigenen Mitteln decken können. Liegt ein laufender Bedarf dauerhaft deutlich über dem Durchschnitt, kann das Sozialamt den Regelsatz im Einzelfall abweichend festsetzen.[1]

Wer ist zuständig?

Sozialhilfe

Das Sozialamt der kreisfreien Stadt oder des Kreises, in dessen Bereich Sie sich tatsächlich aufhalten.

Sozialhilfe beantragen
Streit mit dem Sozialamt

Widerspruch innerhalb eines Monats beim Sozialamt. Danach entscheidet das Sozialgericht.

Sozialgerichte in Deutschland

Häufige Fragen

  • Muss man Sozialhilfe zurückzahlen?

    In der Regel nicht. Zurückzahlen muss nur, wer die Leistung durch falsche Angaben oder vorsätzlich herbeigeführte Bedürftigkeit erhalten hat, oder wer ein Darlehen bekommen hat.

  • Was ist ein Sozialhilfebescheid?

    Der schriftliche Bescheid des Sozialamts über Ihren Antrag. Er nennt Bedarf, angerechnetes Einkommen, Zahlbetrag und Bewilligungszeitraum. Gegen ihn können Sie innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen.

  • Bekommt man als Rentner Sozialhilfe?

    Ja, als Grundsicherung im Alter, wenn Rente und sonstiges Einkommen nicht zum Leben reichen. Die Rentenversicherung berät dazu und schickt bei kleinen Renten ein Antragsformular mit.

  • Ist Sozialgeld dasselbe wie Sozialhilfe?

    Nein. Sozialgeld hieß früher die Leistung für nicht erwerbsfähige Angehörige in einer Bedarfsgemeinschaft mit einer erwerbsfähigen Person. Sie gehört zum SGB II und kommt vom Jobcenter; heute erhalten auch diese Angehörigen Grundsicherungsgeld.

Auch interessant: Unterhalt im Familienrecht

Quellen

  1. Sozialgesetzbuch XII (Sozialhilfe): § 1 · § 2 · § 3 · § 8 · § 18 · § 19 · § 21 · § 27 · § 27a · § 28 · § 28a · § 30 · § 31 · § 35 · § 41 · § 44 · § 46a · § 82 · § 90 · § 94 · Anlage zu § 28
  2. Sozialgesetzbuch II (Grundsicherungsgeld): § 7 · § 8 · § 19 · § 6d
  3. Verordnung zu § 90 Abs. 2 Nr. 9 SGB XII (Barbeträge)

Prüfvermerk der Redaktion: Alle Beträge, Fristen und Voraussetzungen auf dieser Seite wurden am 29.09.2026 mit dem Wortlaut der Vorschriften auf gesetze-im-internet.de und den Angaben der zuständigen Behörden abgeglichen, auch Fristen und Zuständigkeiten, die hier ohne Fußnote stehen. Gesetze ändern sich; maßgeblich ist die Fassung, die zum Zeitpunkt Ihres Falles gilt.

Diese Seite erklärt die Rechtslage allgemein und ersetzt keine Beratung im Einzelfall.

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