Arbeitsrecht Ratgeber · Stand September 2026
Ohne Arbeitsvertrag arbeiten: Welche Rechte gelten ohne schriftlichen Vertrag?
Ein Arbeitsvertrag muss nicht schriftlich geschlossen werden, auch eine mündliche Absprache begründet ein wirksames Arbeitsverhältnis. Der Arbeitgeber muss Ihnen die wesentlichen Vertragsbedingungen aber schriftlich aushändigen, die ersten spätestens am ersten Arbeitstag.[1]
Geprüft am 29.09.2026 gegen Gesetzestext und amtliche Angaben · 3 Quellen · 6 Min. Lesezeit
Ist ein Arbeitsvertrag ohne Unterschrift gültig?
Bisweilen kann es vorkommen, dass Arbeitnehmer ohne Arbeitsvertrag arbeiten. Ein Arbeitsvertrag muss nicht schriftlich formuliert und unterschrieben sein, um wirksam zu werden. Manchmal werden Absprachen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber lediglich mündlich getroffen. Doch auch ein mündlicher Arbeitsvertrag verpflichtet die Parteien zu den sich aus dem Arbeitsvertrag ergebenden Haupt- und Nebenpflichten.
Rechtlich ist es zunächst kein Problem, wenn kein Arbeitsvertrag vorhanden ist, denn von Gesetzes wegen ist diesbezüglich nicht die schriftliche Form vorgeschrieben. Demnach kann ein klassisches Arbeitsverhältnis auch ohne schriftlichen Arbeitsvertrag begründet werden. Ob ein Arbeitsverhältnis vorliegt, hängt davon ab, wie es tatsächlich gelebt wird: Wer weisungsgebunden in persönlicher Abhängigkeit für einen anderen arbeitet, ist Arbeitnehmer, egal wie die Beteiligten das Verhältnis nennen.[2]
Im Allgemeinen sind hier zunächst die getroffenen Vereinbarungen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber maßgebend. Ansonsten liefert das Gesetz die passenden Antworten. Nachfolgend finden sich einige der häufigsten Fragen zu Arbeitsverhältnissen ohne schriftlichen Arbeitsvertrag.
Was muss der Arbeitgeber schriftlich aushändigen?
Auch ohne schriftlichen Vertrag muss der Arbeitgeber die wesentlichen Vertragsbedingungen schriftlich niederlegen, unterschreiben und Ihnen aushändigen. Das Nachweisgesetz gilt für alle Arbeitnehmer, auch für Aushilfen und Minijobber.[1]
| Frist | Angaben |
|---|---|
| spätestens am ersten Tag der Arbeit | Name und Anschrift beider Seiten, Zusammensetzung und Höhe des Entgelts, Arbeitszeit, Ruhepausen und Ruhezeiten |
| spätestens am siebten Kalendertag | Beginn, bei Befristung Enddatum, Arbeitsort, Beschreibung der Tätigkeit, Probezeit, Arbeit auf Abruf, Überstunden |
| spätestens einen Monat nach Beginn | Urlaub, Kündigungsverfahren mit Fristen und Klagefrist, Fortbildung, Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen |
Der Nachweis darf auch in Textform, etwa per E-Mail, kommen, wenn Sie ihn speichern und ausdrucken können und der Arbeitgeber einen Empfangsnachweis anfordert. Verlangen Sie trotzdem eine unterschriebene Fassung, muss der Arbeitgeber sie Ihnen unverzüglich geben. In Branchen mit besonderem Schwarzarbeitsrisiko, etwa Bau, Gastronomie oder Gebäudereinigung, bleibt es beim Papier mit Unterschrift.[1]
Händigt der Arbeitgeber den Nachweis nicht, zu spät oder unvollständig aus, ist das eine Ordnungswidrigkeit mit bis zu 2.000 Euro Bußgeld. Wurde Ihnen ein schriftlicher Arbeitsvertrag mit allen Angaben ausgehändigt, ersetzt er den Nachweis.[1]
Haben Sie immer noch keinen Arbeitsvertrag bekommen, fordern Sie den Nachweis schriftlich an. Um das Arbeitsverhältnis nicht dauerhaft zu trüben, sollte man in jedem Fall als milderes Mittel das persönliche Gespräch mit dem Arbeitgeber suchen.
Kein Arbeitsvertrag: Wie sieht es mit dem Lohn aus?
Ein wichtiger Aspekt ist natürlich das Geld. Dass ein Anspruch auf Lohnzahlung besteht, steht natürlich vollkommen außer Frage. Eine Vergütung gilt als stillschweigend vereinbart, wenn die Arbeit den Umständen nach nur gegen Bezahlung zu erwarten ist. Ist die Höhe nicht bestimmt, gilt die übliche Vergütung als vereinbart.[2]
Nach unten begrenzt der gesetzliche Mindestlohn jede Absprache. Seit dem 1. Januar 2026 beträgt er 13,90 Euro brutto je Zeitstunde, ab dem 1. Januar 2027 14,60 Euro.
Wie hoch der Lohn ausfällt und wann dieser fällig ist, wird üblicherweise im Einstellungsgespräch besprochen. Wurde dieses mit mehreren Menschen geführt, sollte es zudem kein Problem sein, Zeugen aufzutreiben. Weigert sich der Arbeitgeber, kann der Arbeitnehmer den Lohn auch bei einem mündlichen Arbeitsvertrag im schlimmsten Fall vor Gericht einklagen. Zuständig ist das Arbeitsgericht.
Wie lange ist die Kündigungsfrist ohne Arbeitsvertrag?
Dass kein Arbeitsvertrag vorhanden ist, heißt nicht, dass man sich nicht auch an Kündigungsfristen halten müsste, wenn das Arbeitsverhältnis beendet werden soll. Dies gilt gleichermaßen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Maßgebend ist dann § 622 BGB, der auf die Kündigungsfristen bei Arbeitsverhältnissen eingeht. Als Arbeitnehmer muss man demnach eine Frist von vier Wochen zum 15. oder zum Ende eines Kalendermonats einhalten.[2]
Kündigt dahingegen der Arbeitgeber seinem Mitarbeiter, hängt die Kündigungsfrist von der Dauer des Arbeitsverhältnisses ab:[2]
| Arbeitsverhältnis besteht | Frist bei Kündigung durch den Arbeitgeber |
|---|---|
| unter 2 Jahre | 4 Wochen zum 15. oder Monatsende |
| 2 Jahre | 1 Monat zum Monatsende |
| 5 Jahre | 2 Monate zum Monatsende |
| 8 Jahre | 3 Monate zum Monatsende |
| 10 Jahre | 4 Monate zum Monatsende |
| 12 Jahre | 5 Monate zum Monatsende |
| 15 Jahre | 6 Monate zum Monatsende |
| 20 Jahre | 7 Monate zum Monatsende |
Eine verkürzte Frist von zwei Wochen gilt nur während einer vereinbarten Probezeit von höchstens sechs Monaten. Wurde keine Probezeit abgesprochen, gibt es auch keine. Die Kündigung selbst muss immer schriftlich erfolgen, eine E-Mail oder WhatsApp-Nachricht beendet das Arbeitsverhältnis nicht.[2]
Mehr zu den Fristen auf der Seite Kündigungsfristen für Arbeitnehmer.
Kein Arbeitsvertrag: Wie viel Urlaub steht mir zu?
Auch hinsichtlich des Urlaubsanspruchs liefert das Gesetz konkrete Angaben, so dass auch ohne schriftlichen Arbeitsvertrag genaue Regelungen existieren. Demnach stehen dem Arbeitnehmer im Jahr mindestens 24 Werktage Urlaub zu. Werktage sind alle Tage außer Sonn- und Feiertagen, das Gesetz rechnet also mit einer Sechs-Tage-Woche.[3]
Bei einer Fünf-Tage-Woche ergibt das 20 Urlaubstage, bei drei Arbeitstagen pro Woche zwölf. Den vollen Anspruch erwerben Sie erstmals nach sechs Monaten im Betrieb, vorher entsteht für jeden vollen Monat ein Zwölftel.[3]
Wie Sie Ihren Anspruch genau berechnen, steht auf der Seite Urlaubsanspruch.
Ist man ohne Arbeitsvertrag automatisch unbefristet angestellt?
Ja. Eine Befristung ist nur wirksam, wenn sie schriftlich vereinbart wurde. Fehlt die Schriftform, gilt der Vertrag als auf unbestimmte Zeit geschlossen. Wer ohne schriftlichen Vertrag arbeitet, ist deshalb unbefristet beschäftigt, auch wenn mündlich von einem Ende die Rede war. Die Unwirksamkeit einer Befristung müssen Sie innerhalb von drei Wochen nach dem vereinbarten Ende beim Arbeitsgericht geltend machen.
Was ein unbefristeter Vertrag bedeutet und wie er endet, erklärt die Seite Unbefristeter Arbeitsvertrag.
Arbeit ohne Arbeitsvertrag ist nicht gleich Schwarzarbeit
Damit es sich um ein legales Arbeitsverhältnis handelt, muss zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht zwingend ein schriftlicher Vertrag abgeschlossen werden. Das deutsche Arbeitsrecht verlangt keinen schriftlichen Arbeitsvertrag, so dass dieser mündlich abgeschlossen werden kann. Nicht nur um etwaige Probleme und Fragen zu vermeiden, sollte man zugunsten des Arbeitsverhältnisses aber trotzdem eine schriftliche Vereinbarung treffen.
Schwarzarbeit liegt vor, wenn der Arbeitgeber seine Melde- und Beitragspflichten zur Sozialversicherung oder seine steuerlichen Pflichten nicht erfüllt. Dass kein Arbeitsvertrag abgeschlossen wurde, bedeutet allerdings nicht, dass es sich um Schwarzarbeit handelt. Entscheidend ist, ob Sie angemeldet sind und ob Lohnsteuer und Beiträge abgeführt werden. Das sehen Sie an der Lohnabrechnung. Für Minijobs gilt dasselbe, Einzelheiten stehen auf der Seite Arbeitsvertrag im Minijob.
Wer ist zuständig?
Streit aus dem Arbeitsverhältnis entscheidet das Arbeitsgericht, auch wenn es keinen schriftlichen Vertrag gibt. Gegen eine Kündigung muss die Klage innerhalb von drei Wochen nach Zugang erhoben werden.
Arbeitsgerichte in DeutschlandHäufige Fragen
- Wie lange darf man ohne Arbeitsvertrag arbeiten?
Zeitlich unbegrenzt, denn der mündliche Vertrag ist wirksam. Den schriftlichen Nachweis der wesentlichen Bedingungen muss der Arbeitgeber aber vollständig spätestens einen Monat nach Beginn aushändigen, Lohn und Arbeitszeit schon am ersten Arbeitstag.
- Ist eine mündliche Zusage schon ein Arbeitsvertrag?
Ja, wenn Sie sich über die wesentlichen Punkte wie Tätigkeit, Beginn und Lohn einig geworden sind. Der Vertrag gilt, sobald beide Seiten zustimmen. Im Streitfall müssen Sie die Absprache allerdings beweisen, deshalb helfen Zeugen, E-Mails oder Nachrichten.
- Gibt es ohne Arbeitsvertrag eine Probezeit?
Nur wenn sie vereinbart wurde, auch mündlich. Ohne Absprache gilt von Anfang an die normale Kündigungsfrist von vier Wochen zum 15. oder zum Monatsende. Die verkürzte Zwei-Wochen-Frist gibt es nur in einer vereinbarten Probezeit von höchstens sechs Monaten.
- Kann ich ohne Arbeitsvertrag fristlos kündigen?
Nur aus einem wichtigen Grund, wie bei jedem anderen Arbeitsverhältnis auch. Sonst gilt die Frist von vier Wochen zum 15. oder zum Monatsende. Die Kündigung muss auf Papier und mit Ihrer Unterschrift erfolgen.
Quellen
- Nachweisgesetz (NachwG): § 1 · § 2 · § 4
- Bürgerliches Gesetzbuch (BGB): § 611a · § 612 · § 622 · § 623
- Bundesurlaubsgesetz (BUrlG): § 3 · § 4 · § 5
Prüfvermerk der Redaktion: Alle Beträge, Fristen und Voraussetzungen auf dieser Seite wurden am 29.09.2026 mit dem Wortlaut der Vorschriften auf gesetze-im-internet.de und den Angaben der zuständigen Behörden abgeglichen, auch Fristen und Zuständigkeiten, die hier ohne Fußnote stehen. Gesetze ändern sich; maßgeblich ist die Fassung, die zum Zeitpunkt Ihres Falles gilt.
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