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Verkehrsrecht Ratgeber · Stand September 2026

Führerschein: Erwerb, Probezeit, Klassen und Pflichtumtausch im Überblick

Wer auf öffentlichen Straßen ein Kraftfahrzeug führt, braucht eine Fahrerlaubnis der passenden Klasse, die durch den Führerschein nachgewiesen wird. Erteilt wird sie von der Fahrerlaubnisbehörde, wenn der Bewerber das Mindestalter erreicht hat, geeignet ist, in einer Fahrschule ausgebildet wurde und die theoretische und praktische Prüfung bestanden hat.[1]

Geprüft am 29.09.2026 gegen Gesetzestext und amtliche Angaben · 3 Quellen · 6 Min. Lesezeit

Wer braucht einen Führerschein?

Wer ein Kraftfahrzeug auf einer öffentlichen Straße lenken möchte, muss im Besitz einer amtlichen Fahrerlaubnis sein, er muss den Führerschein haben. Die Fahrerlaubnis wird in bestimmten Klassen erteilt, vom Moped über den Pkw bis zum Bus. Welche Klasse welche Fahrzeuge erlaubt, steht unter Führerscheinklassen.[1]

In gewissen Fällen kann auf einen Führerschein verzichtet werden. Fahrerlaubnisfrei sind:[2]

  • Mofas bis 25 km/h und vergleichbare Kleinkrafträder bis 25 km/h. Für sie ist aber eine Prüfbescheinigung nötig, die eine Prüfung über Verkehrsregeln voraussetzt.
  • Elektrokleinstfahrzeuge wie E-Scooter,
  • motorisierte Krankenfahrstühle bis 15 km/h,
  • land- oder forstwirtschaftliche Zugmaschinen, selbstfahrende Arbeitsmaschinen und Stapler bis 6 km/h.[2]

Wer ohne die nötige Fahrerlaubnis fährt, begeht eine Straftat. Näheres dazu unter Fahren ohne Führerschein.

Wie läuft der Weg zum Führerschein ab?

Die Fahrerlaubnis ist an bestimmte Voraussetzungen und Pflichten gebunden. Die Fahrerlaubnis ist zu erteilen, wenn der Bewerber seinen ordentlichen Wohnsitz im Inland hat, das Mindestalter erreicht hat, zum Führen von Kraftfahrzeugen geeignet ist, nach dem Fahrlehrergesetz ausgebildet wurde und die Befähigung in einer theoretischen und praktischen Prüfung nachgewiesen hat.[1]

  1. Fahrschule wählen und mit der Ausbildung beginnen.
  2. Sehtest bei einer amtlich anerkannten Sehteststelle, etwa beim Optiker, oder ein Zeugnis vom Augenarzt.
  3. Erste-Hilfe-Kurs mit mindestens neun Unterrichtseinheiten zu je 45 Minuten.
  4. Antrag bei der Fahrerlaubnisbehörde, schriftlich oder elektronisch, mit Lichtbild, Geburtsnachweis, Sehtestbescheinigung, Erste-Hilfe-Nachweis und Angabe der Fahrschule. Möglich ist das frühestens sechs Monate vor dem Mindestalter.
  5. Theoretische und praktische Prüfung bei der Technischen Prüfstelle.[2]

Die Behörde prüft, ob Bedenken gegen die Eignung bestehen, und holt dafür unter anderem eine Auskunft aus dem Fahreignungsregister ein.[2]

Wie Theorie- und Fahrprüfung ablaufen, steht unter Führerscheinprüfung, was das alles kostet, unter Führerschein-Kosten.

Führerschein mit 17: Was gilt beim begleiteten Fahren?

Seit Jahren Dauerrecht ist der Führerschein mit 17 für die Klassen B und BE. Er ist mit der Auflage verbunden, dass Sie nur in Begleitung einer namentlich benannten Person fahren dürfen. Die Grundidee des Führerscheins mit 17 ist, dass der unerfahrene Fahranfänger eine erwachsene Person stets neben sich hat.[2]

In der Regel handelt es sich bei der Begleitperson um einen Elternteil. Dies ist jedoch nicht zwingend erforderlich. Die Begleitperson muss mindestens 30 Jahre alt sein, seit mindestens fünf Jahren eine Fahrerlaubnis der Klasse B besitzen und darf beim Antrag mit höchstens einem Punkt im Fahreignungsregister belastet sein.[2]

Wer ohne Begleitung fährt, riskiert 70 Euro Bußgeld und den Widerruf der Fahrerlaubnis. Alles Weitere steht unter Führerschein mit 17.

Was gilt in der Probezeit?

Grundsätzlich erhalten Fahranfänger den Führerschein erst einmal auf Probe. Dies gilt für die regulären Führerscheine ab 18 und auch für den Führerschein mit 17. Die Probezeit dauert zwei Jahre ab Erteilung. Ausgenommen sind nur die Klassen AM, L und T.[1]

Wer in der Probezeit einen schwerwiegenden oder zwei weniger schwerwiegende Verstöße begeht, muss an einem Aufbauseminar teilnehmen, und die Probezeit verlängert sich um zwei Jahre. Bei weiteren Verstößen folgen Verwarnung und schließlich der Entzug.[1]

In der Probezeit und bis zum 21. Geburtstag gilt außerdem ein absolutes Alkoholverbot am Steuer. Ein Verstoß kostet 250 Euro, bringt einen Punkt und gilt als schwerwiegender Verstoß. Der Führerschein wird dafür nicht sofort entzogen, wohl aber wird ein Aufbauseminar angeordnet. Einzelheiten unter Fahranfänger und Probezeit.

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Muss ich meinen alten Führerschein umtauschen?

Ja. Führerscheine, die vor dem 19. Januar 2013 ausgestellt wurden, verlieren nach einem Stufenplan ihre Gültigkeit und müssen gegen den EU-Kartenführerschein umgetauscht werden. Neue Führerscheine gelten 15 Jahre. Die Fahrerlaubnis selbst bleibt dabei unberührt, nur das Dokument wird ersetzt.[2]

Führerscheinumtauschen bis
Papier, ausgestellt bis 1998, Geburtsjahr 1953 bis 195819.07.2022
Papier, Geburtsjahr 1959 bis 196419.01.2023
Papier, Geburtsjahr 1965 bis 197019.01.2024
Papier, Geburtsjahr 1971 oder später19.01.2025
Karte, ausgestellt 1999 bis 200119.01.2026
Karte, ausgestellt 2002 bis 200419.01.2027
Karte, ausgestellt 2005 bis 200719.01.2028
Karte, ausgestellt 200819.01.2029
Karte, ausgestellt 200919.01.2030
Karte, ausgestellt 201019.01.2031
Karte, ausgestellt 201119.01.2032
Karte, ausgestellt 2012 bis 18.01.201319.01.2033
Geburtsjahr vor 1953, egal welcher Führerschein19.01.2033

Wer mit einem abgelaufenen Führerschein fährt, führt keinen gültigen Führerschein mit. Das kostet ein Verwarnungsgeld von 10 Euro, die Fahrerlaubnis ist aber nicht weg. Die alte Klasse 3 wird beim Umtausch in mehrere neue Klassen übertragen, siehe Führerscheinklassen.

Wann ist der Führerschein weg?

Zu unterscheiden sind das Fahrverbot und die Entziehung. Beim Fahrverbot bleibt die Fahrerlaubnis bestehen, Sie dürfen nur für ein bis drei Monate nicht fahren, etwa nach einem deutlichen Tempoverstoß. Mehr dazu unter Zu schnell gefahren.

Bei der Entziehung erlischt die Fahrerlaubnis. Das geschieht etwa bei 8 Punkten im Fahreignungsregister, bei Straftaten wie Trunkenheit am Steuer oder wenn sich jemand als ungeeignet erweist. Für die Neuerteilung verlangt die Behörde oft ein Gutachten einer Begutachtungsstelle, die MPU. Das Punktesystem erklärt die Seite Punkte in Flensburg.

Führerschein aus dem Ausland oder im Ausland fahren

Ein Führerschein aus einem anderen EU- oder EWR-Staat gilt in Deutschland ohne Umschreibung. Wer mit einem Führerschein aus einem Drittstaat nach Deutschland zieht, darf damit in der Regel sechs Monate fahren und muss ihn danach umschreiben lassen. Was im Einzelnen gilt und was beim Fahren im Ausland zu beachten ist, steht unter Führerschein und Ausland.

Was ändert die geplante Reform der Fahrausbildung?

Die Bundesregierung will die Fahrausbildung günstiger machen. Der Bundestag hat den Gesetzentwurf zur Änderung des Fahrlehrergesetzes am 24. September 2026 in erster Lesung beraten und an die Ausschüsse überwiesen. Geplant sind unter anderem:[3]

  • Die Präsenzpflicht für den Theorieunterricht soll wegfallen, das Wissen soll auch vollständig digital erworben werden können.
  • Der Fragenkatalog für die Theorieprüfung soll reduziert werden.
  • Statt der heute zwölf vorgeschriebenen Sonderfahrten soll es keine feste Anzahl mehr geben.
  • Eine Experimentierklausel soll Fahrpraxis unter Anleitung nahestehender Personen, etwa der Eltern, ermöglichen.[3]

Bis das Gesetz beschlossen und in Kraft ist, gelten die bisherigen Regeln der Fahrschülerausbildung.

Wer ist zuständig?

Antrag und Umtausch

Die Fahrerlaubnisbehörde (Führerscheinstelle) Ihres Kreises oder Ihrer kreisfreien Stadt.[2]

Führerscheinprüfung: Ablauf und Voraussetzungen
Streit um Entzug oder Versagung

Gegen Bescheide der Fahrerlaubnisbehörde führt der Weg über Widerspruch, wo das Land ihn vorsieht, zum Verwaltungsgericht.

Verwaltungsgerichte in Deutschland

Häufige Fragen

Quellen

  1. Straßenverkehrsgesetz (StVG): § 2 · § 2a · Klassen AM, L, T: § 32 FeV
  2. Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV): § 4 · § 5 · § 12 · § 19 · § 21 · § 22 · § 24a und Anlage 8e · Anlage 8e · § 48a
  3. Deutscher Bundestag: Fahrschulausbildung soll reformiert werden (1. Lesung, 24.09.2026)

Prüfvermerk der Redaktion: Alle Beträge, Fristen und Voraussetzungen auf dieser Seite wurden am 29.09.2026 mit dem Wortlaut der Vorschriften auf gesetze-im-internet.de und den Angaben der zuständigen Behörden abgeglichen, auch Fristen und Zuständigkeiten, die hier ohne Fußnote stehen. Gesetze ändern sich; maßgeblich ist die Fassung, die zum Zeitpunkt Ihres Falles gilt.

Diese Seite erklärt die Rechtslage allgemein und ersetzt keine Beratung im Einzelfall.

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