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Medizinrecht · Stand September 2026

Schmerzensgeld: Anspruch, Höhe und Durchsetzung

Schmerzensgeld ist eine billige Entschädigung in Geld für Schäden, die keine Vermögensschäden sind, etwa Schmerzen, Leid und verlorene Lebensfreude. Sie steht Ihnen zu, wenn jemand für eine Verletzung Ihres Körpers, Ihrer Gesundheit, Ihrer Freiheit oder Ihrer sexuellen Selbstbestimmung Schadensersatz leisten muss.[1]

Geprüft am 29.09.2026 gegen Gesetzestext und amtliche Angaben · 3 Quellen · 6 Min. Lesezeit

Was ist Schmerzensgeld?

Das Schmerzensgeld stellt eine besondere Form des Schadensersatzes dar und bezieht sich nicht auf vermögensrechtliche Schäden, sondern auf immaterielle Schäden. Wer einem anderen Menschen einen vermögensrechtlichen Schaden verursacht, muss natürlich dafür geradestehen und gegebenenfalls Schadensersatz zahlen, so dass der Geschädigte einen finanziellen Ausgleich erhält. Im Falle immaterieller Schäden lässt sich der entstandene Schaden nicht so leicht wiedergutmachen, da eine physische oder psychische Verletzung nicht mit Geld aufgewogen werden kann.

Das Gesetz lässt eine Entschädigung für Nichtvermögensschäden deshalb nur in bestimmten Fällen zu. Der wichtigste ist § 253 Absatz 2 BGB: Ist wegen einer Verletzung des Körpers, der Gesundheit, der Freiheit oder der sexuellen Selbstbestimmung Schadensersatz zu leisten, kann auch wegen des immateriellen Schadens eine billige Entschädigung in Geld gefordert werden.[1]

Schmerzensgeld kommt neben den Ersatz der Vermögensschäden. Diese umfassen etwa Heilbehandlungskosten, Verdienstausfall, Fahrtkosten, Haushaltshilfe oder Umbaukosten bei Behinderung. Beide Positionen sollten Sie getrennt geltend machen.

Wann besteht ein Anspruch auf Schmerzensgeld?

Schmerzensgeld setzt voraus, dass jemand Ihnen zum Schadensersatz verpflichtet ist. Die häufigsten Grundlagen sind:

  • Unerlaubte Handlung: Wer vorsätzlich oder fahrlässig das Leben, den Körper, die Gesundheit oder die Freiheit eines anderen widerrechtlich verletzt, muss den Schaden ersetzen, etwa nach einer Körperverletzung, einem Sturz wegen verletzter Verkehrssicherungspflicht oder einem Hundebiss.[1]
  • Vertrag: Verletzt ein Vertragspartner seine Pflichten und schädigt dabei Ihre Gesundheit, etwa ein Arzt durch einen Behandlungsfehler, schuldet er ebenfalls Schmerzensgeld.
  • Gefährdungshaftung im Straßenverkehr: Nach einem Unfall mit einem Kraftfahrzeug haftet der Halter auch ohne Verschulden; auch dann kann eine billige Entschädigung für den Nichtvermögensschaden gefordert werden.

Hat der Verletzte den Schaden mitverursacht, etwa weil er nicht angeschnallt war, kann das Schmerzensgeld gekürzt werden. Es kommt darauf an, inwieweit der Schaden vorwiegend von dem einen oder dem anderen Teil verursacht worden ist.[1]

Wie wird die Höhe des Schmerzensgeldes bemessen?

Grundsätzlich gilt es festzuhalten, dass die Höhe des Schmerzensgeldes von Fall zu Fall variiert. Vor Gericht ist dies somit immer eine Einzelfallentscheidung, denn die äußeren Umstände sowie der konkret entstandene Schaden machen jeden Fall einzigartig.

Nach dem Bundesgerichtshof sind für die Höhe im Wesentlichen maßgebend: die Schwere der Verletzungen, das dadurch bedingte Leiden, dessen Dauer, das Ausmaß, in dem der Verletzte die Beeinträchtigung wahrnimmt, und der Grad des Verschuldens des Schädigers. In erster Linie zählt das Maß der entstandenen Lebensbeeinträchtigung. Auf Grundlage einer Gesamtbetrachtung ist eine einheitliche Entschädigung festzusetzen, die sich nicht streng rechnerisch ermitteln lässt.[2]

Deshalb hat der Bundesgerichtshof 2022 die sogenannte taggenaue Berechnung verworfen, bei der Tagessätze für Intensivstation, Normalstation, Reha und Dauerschaden addiert werden. Sie lasse außer Acht, welche Verletzungen der Kläger erlitten hat, wie sie behandelt wurden und welches individuelle Leid sie ausgelöst haben.[2]

Beispiel aus der Rechtsprechung: Ein Mann wurde bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt, verbrachte in 13 Klinikaufenthalten insgesamt 500 Tage im Krankenhaus, ein Unterschenkel musste amputiert werden. Das Landgericht sprach 100.000 Euro zu, das Oberlandesgericht mit der Tagessatz-Methode 200.000 Euro.

Der Bundesgerichtshof hob das Urteil auf und verwies die Sache zurück, weil die Methode den Einzelfall nicht würdigte. Das zeigt: Schon zwischen zwei Instanzen kann die Bewertung weit auseinanderliegen.[2]

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Gibt es eine Schmerzensgeldtabelle?

Obwohl klar ist, dass jeder Einzelfall besonders und nicht vergleichbar ist, begeben sich viele Menschen auf die Suche nach einer Schmerzensgeldtabelle. Dabei muss man bedenken, dass es keine verbindliche Tabelle über die Höhe des Schmerzensgeldes gibt. Nichtsdestotrotz existieren Schmerzensgeldtabellen, die auf Urteilen der Vergangenheit basieren und somit die bisherigen Entscheidungen und Erfahrungswerte in Sachen Schmerzensgeld wiedergeben.

Obwohl ein anderer Eindruck entstehen kann, lassen sich die Werte aus einer Schmerzensgeldtabelle nicht so einfach auf die eigene Situation übertragen. Man muss sich immer bewusst machen, dass die Bemessung des Schmerzensgeldes vom jeweiligen Einzelfall abhängt. Gerichte nutzen solche Sammlungen als Orientierung, um vergleichbare Fälle ähnlich zu behandeln. Ältere Urteile sollten dabei wegen der Geldentwertung vorsichtig herangezogen werden.

Wichtig für Ihre Forderung: Dauerschäden, etwa eine bleibende Bewegungseinschränkung, erhöhen das Schmerzensgeld erheblich. Lassen Sie Folgeschäden ärztlich dokumentieren, und behalten Sie sich künftige, noch nicht absehbare Schäden ausdrücklich vor.

Hinterbliebenengeld: Entschädigung für Angehörige

Wird ein Mensch getötet, haben Hinterbliebene, die zu ihm in einem besonderen persönlichen Näheverhältnis standen, Anspruch auf eine angemessene Entschädigung in Geld für ihr seelisches Leid. Ein solches Näheverhältnis wird vermutet bei Ehegatten, Lebenspartnern, Eltern und Kindern des Getöteten.[1] Andere nahestehende Personen, etwa Geschwister oder Partner ohne Trauschein, müssen die besondere Nähe nachweisen.

Daneben muss der Ersatzpflichtige die Beerdigungskosten tragen und Personen, denen der Getötete Unterhalt schuldete, eine Geldrente zahlen.[1] Das Hinterbliebenengeld ist vom Schmerzensgeld zu unterscheiden, das ein Angehöriger selbst erhält, wenn er durch die Todesnachricht eine eigene Gesundheitsverletzung erleidet.

Schmerzensgeld durchsetzen: Versicherung, Anwalt, Klage

Geschädigte, die einen immateriellen Schaden erlitten haben, können Schmerzensgeld fordern und gegebenenfalls einklagen. Mitunter kann der Gerichtsweg aber auch vermieden werden, indem man sich außergerichtlich einigt. Meist verhandeln Sie nicht mit dem Schädiger selbst, sondern mit seiner Haftpflichtversicherung.

Bei Verkehrsunfällen können Sie Ihren Anspruch direkt gegen die Kfz-Haftpflichtversicherung des Unfallgegners richten; Versicherer und Versicherungsnehmer haften als Gesamtschuldner. Haben Sie den Anspruch beim Versicherer angemeldet, ist die Verjährung gehemmt, bis dessen Entscheidung Ihnen in Textform zugeht.[3]

Da sich ein immaterieller Schaden nicht so leicht beziffern lässt und ein Blick in die Schmerzensgeldtabelle nicht allzu aussagekräftig ist, sollte man sich an einen kompetenten Juristen wenden. Dieser verfügt einerseits über umfassende Erfahrungswerte und kann andererseits die außergerichtliche Verhandlung mit der gegnerischen Partei führen. Mehr zu Unfällen erklärt die Seite Verkehrsunfall, zu Fehlern von Ärzten die Seite Behandlungsfehler.

Wann verjährt der Anspruch auf Schmerzensgeld?

Schmerzensgeldansprüche verjähren in der regelmäßigen Frist von drei Jahren. Sie beginnt mit dem Schluss des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist und Sie von den Umständen und der Person des Schädigers Kenntnis erlangt haben oder ohne grobe Fahrlässigkeit hätten erlangen müssen. Ohne Rücksicht auf Ihre Kenntnis verjähren Ansprüche wegen Verletzung von Leben, Körper oder Gesundheit spätestens 30 Jahre nach dem schädigenden Ereignis.[1]

Beispiel: Sie werden am 10. März 2025 bei einem Unfall verletzt, der Verursacher ist bekannt.

Die Frist beginnt am 31. Dezember 2025 und endet am 31. Dezember 2028. Verhandlungen mit der Versicherung oder eine Klage hemmen die Verjährung.

Wer ist zuständig?

Klage auf Schmerzensgeld

Bis 10.000 Euro Streitwert ist das Amtsgericht zuständig, darüber das Landgericht mit Anwaltszwang. Klagen aus Heilbehandlungen gehören stets vor das Landgericht.

Landgerichte in Deutschland

Häufige Fragen

Auch interessant: Verkehrsunfall · Haftpflichtversicherung

Quellen

  1. Bürgerliches Gesetzbuch (BGB): § 199 · § 253 · § 254 · § 823 · § 844
  2. Bundesgerichtshof, Pressemitteilung Nr. 20/2022 zum Urteil vom 15.02.2022, VI ZR 937/20 (keine taggenaue Berechnung)
  3. Versicherungsvertragsgesetz (VVG): § 115

Prüfvermerk der Redaktion: Alle Beträge, Fristen und Voraussetzungen auf dieser Seite wurden am 29.09.2026 mit dem Wortlaut der Vorschriften auf gesetze-im-internet.de und den Angaben der zuständigen Behörden abgeglichen, auch Fristen und Zuständigkeiten, die hier ohne Fußnote stehen. Gesetze ändern sich; maßgeblich ist die Fassung, die zum Zeitpunkt Ihres Falles gilt.

Diese Seite erklärt die Rechtslage allgemein und ersetzt keine Beratung im Einzelfall.

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