Familienrecht Ratgeber · Stand September 2026
Unterhalt: Wer muss wem Unterhalt zahlen, und wie viel?
Unterhalt schulden sich Verwandte in gerader Linie, also Eltern und Kinder, sowie Ehegatten, auch nach Trennung und Scheidung. Er umfasst den gesamten Lebensbedarf und wird nur geschuldet, wenn der Berechtigte sich nicht selbst unterhalten kann und der Pflichtige leistungsfähig ist.[1]
Geprüft am 29.09.2026 gegen Gesetzestext und amtliche Angaben · 3 Quellen · 6 Min. Lesezeit
Was ist Unterhalt?
Unterhalt ist das, was eine Person einer anderen zur Deckung ihres Lebensbedarfs schuldet, in der Regel als monatliche Zahlung, umgangssprachlich auch Alimente genannt. Der Unterhalt umfasst den gesamten Lebensbedarf einschließlich der Kosten einer angemessenen Vorbildung zu einem Beruf, bei Kindern auch die Kosten der Erziehung. Sein Maß richtet sich nach der Lebensstellung des Bedürftigen.[1]
Unterhaltspflichtig sind nach dem Gesetz:[1]
- Verwandte in gerader Linie, also Eltern gegenüber ihren Kindern und Kinder gegenüber ihren Eltern,
- Ehegatten untereinander: während der Ehe als Familienunterhalt, bei Trennung als Trennungsunterhalt und nach der Scheidung in bestimmten Fällen als nachehelicher Unterhalt.[1]
Unterhaltsberechtigt ist nur, wer außerstande ist, sich selbst zu unterhalten. Unterhaltspflichtig ist nicht, wer ohne Gefährdung seines eigenen angemessenen Unterhalts nicht zahlen kann.[1]
Kindesunterhalt: Wer zahlt, wenn die Eltern getrennt leben?
Wenn von Unterhalt die Rede ist, dann ist damit in erster Linie der Kindesunterhalt gemeint, der rechtlich vom Unterhalt für den Ehepartner abgegrenzt wird. Da Kinder für gewöhnlich zwei Elternteile haben, sind beide auch gemeinschaftlich dafür verantwortlich, dass es den Kindern an nichts fehlt, was sie für ihre Entwicklung benötigen. Daran ändert sich auch nichts, wenn die Eltern geschieden sind.
Beide Elternteile haben dem Kind gegenüber eine Verantwortung. Diese gewährleistet derjenige, bei dem das Kind lebt, durch Naturalien. Das beinhaltet die Erziehung, die Ernährung, Hilfe bei Schulaufgaben, allgemeine Betreuung und vieles mehr. Der andere Elternteil unterstützt sein Kind durch finanzielle Zuwendungen, die als Unterhalt bezeichnet werden. Der betreuende Elternteil erfüllt seine Pflicht, zum Unterhalt eines minderjährigen Kindes beizutragen, in der Regel durch Pflege und Erziehung.[1]
Wer welche Pflichten hat und bis wann Unterhalt zu zahlen ist, erklärt die Seite Rechte und Pflichten im Unterhaltsrecht.
Wie hoch ist der Kindesunterhalt 2026?
Gerichte, Jugendämter und Anwälte greifen in Fragen des Unterhalts auf die Düsseldorfer Tabelle zurück, die vom Oberlandesgericht Düsseldorf herausgegeben wird. Sie weist anhand des Einkommens des Pflichtigen und des Alters der Kinder den monatlichen Bedarf aus. Die Tabelle hat keine Gesetzeskraft, sondern stellt eine Richtlinie dar.[2]
| Alter des Kindes | Mindestunterhalt 2026 | Zahlbetrag nach Abzug des halben Kindergelds |
|---|---|---|
| 0 bis 5 Jahre | 486 Euro | 356,50 Euro |
| 6 bis 11 Jahre | 558 Euro | 428,50 Euro |
| 12 bis 17 Jahre | 653 Euro | 523,50 Euro |
Das sind die Werte der untersten Einkommensgruppe bis 2.100 Euro netto; mit höherem Einkommen steigen sie. Das Kindergeld beträgt 2026 einheitlich 259 Euro je Kind. Bei minderjährigen Kindern wird die Hälfte auf den Bedarf angerechnet, bei volljährigen das volle Kindergeld.[2]
Alle Einkommensgruppen stehen auf der Seite Düsseldorfer Tabelle 2026, den Rechenweg vom Nettoeinkommen zum Zahlbetrag zeigt Wie viel Unterhalt muss ich zahlen?. Wie das Kindergeld verrechnet wird, erklärt die Seite Kindergeld und Unterhalt.
Was bleibt dem Unterhaltspflichtigen? Der Selbstbehalt
Der Selbstbehalt soll dafür sorgen, dass der Unterhaltspflichtige bei allen Leistungen auch noch Geld für sein eigenes Leben übrig hat. Die Düsseldorfer Tabelle 2026 setzt ihn so an:[2]
| Gegenüber | Selbstbehalt im Monat |
|---|---|
| minderjährigen Kindern und Schülern bis 21 im Elternhaushalt | 1.450 Euro erwerbstätig, 1.200 Euro nicht erwerbstätig |
| anderen volljährigen Kindern | mindestens 1.750 Euro |
| getrennt lebendem oder geschiedenem Ehegatten | 1.600 Euro erwerbstätig, 1.475 Euro nicht erwerbstätig |
| Eltern | mindestens 2.650 Euro, dazu 70 Prozent des Mehreinkommens |
Gegenüber minderjährigen Kindern müssen Eltern alle verfügbaren Mittel gleichmäßig für sich und die Kinder verwenden. Wer Grundsicherungsgeld bezieht und kein weiteres Einkommen hat, liegt in aller Regel unter dem Selbstbehalt. Mehr dazu auf der Seite Unterhalt und Grundsicherung.[1]
Wer bekommt zuerst Unterhalt? Die Rangfolge
Reicht das Einkommen nicht für alle Unterhaltsberechtigten, entscheidet die gesetzliche Rangfolge. An erster Stelle stehen minderjährige Kinder und volljährige Schüler bis 21, die im Haushalt eines Elternteils leben. Danach folgen Elternteile, die wegen der Betreuung eines Kindes unterhaltsberechtigt sind, und Ehegatten nach langer Ehe, dann die übrigen Ehegatten, dann die übrigen Kinder, Enkel und zuletzt die Eltern.[1]
Mehrere minderjährige Kinder stehen dabei im selben Rang. Reicht das Geld nach Abzug des Selbstbehalts nicht, wird die verbleibende Summe im Verhältnis ihrer Ansprüche auf alle Kinder verteilt, der sogenannte Mangelfall. Kein Kind geht leer aus, nur weil es jünger oder älter ist.[2]
Ehegattenunterhalt und Elternunterhalt
Ehegatten sind einander verpflichtet, durch ihre Arbeit und mit ihrem Vermögen die Familie angemessen zu unterhalten. Leben sie getrennt, kann einer vom anderen den angemessenen Trennungsunterhalt verlangen. Nach der Scheidung gilt dagegen der Grundsatz der Eigenverantwortung, Unterhalt gibt es nur noch in gesetzlich geregelten Fällen.[1]
Einzelheiten stehen auf den Seiten Familienrecht bei Trennung und Unterhalt nach der Scheidung.
Auch erwachsene Kinder können ihren Eltern Unterhalt schulden, etwa wenn diese pflegebedürftig werden und die Heimkosten nicht selbst tragen können. Zahlt das Sozialamt Hilfe zur Pflege, geht der Unterhaltsanspruch aber nur auf das Amt über, wenn das Kind ein jährliches Gesamteinkommen von mehr als 100 000 Euro hat. Es wird vermutet, dass das Einkommen darunter liegt.[3]
Mehr zu den Pflichten zwischen Eltern und Kindern steht unter Rechte und Pflichten von Eltern und Kindern.
Wie setzt man Unterhalt durch?
Der erziehende Elternteil hat das Recht, einen sogenannten Unterhaltstitel zu erwirken, etwa eine kostenlose Urkunde beim Jugendamt oder einen Beschluss des Familiengerichts. Wird der Unterhalt nicht gezahlt, kann aus diesem Titel vollstreckt werden. Für die Vergangenheit gibt es Unterhalt nur ab dem Zeitpunkt, zu dem der Pflichtige zur Auskunft aufgefordert, in Verzug gesetzt oder verklagt wurde.[1]
Ein Titel sichert Rückstände länger als ein bloßer Anspruch, aber nicht unbegrenzt: Für künftig fällig werdende, regelmäßig wiederkehrende Leistungen wie Unterhalt gilt auch aus einem Titel die regelmäßige Verjährungsfrist von drei Jahren. Ansprüche zwischen Kind und Eltern verjähren allerdings nicht, bevor das Kind 21 Jahre alt ist, weil die Verjährung bis dahin gehemmt ist.[1]
Zahlt der andere Elternteil nicht, können Alleinerziehende außerdem Unterhaltsvorschuss beim Jugendamt beantragen. Wie Aufforderung, Titel und Vollstreckung ablaufen, zeigt die Seite Unterhalt einfordern; wann sich die Höhe ändern lässt, steht unter Unterhaltsänderung.
Wer ist zuständig?
Das Familiengericht beim Amtsgericht. Für Kinder ist meist das Gericht an ihrem gewöhnlichen Aufenthalt zuständig.
Amtsgerichte in DeutschlandJugendamtsurkunde, Beistandschaft und Unterhaltsvorschuss: der Weg über das Jugendamt.
Unterhalt einfordernHäufige Fragen
- Warum muss man Unterhalt zahlen?
Weil das Gesetz Eltern, Kinder und Ehegatten füreinander in die Pflicht nimmt. Wer ein Kind hat und nicht mit ihm zusammenlebt, erfüllt seine Pflicht durch Geld, weil der andere Elternteil die Betreuung übernimmt.
- Was ist im Kindesunterhalt enthalten?
Der gesamte Lebensbedarf: Wohnen, Essen, Kleidung, Schulbedarf, Freizeit und die Kosten der Erziehung. Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung und Studiengebühren sind in den Tabellenbeträgen nicht enthalten.
- Was bedeutet Unterhaltstitel?
Ein Dokument, aus dem der Unterhalt vollstreckt werden kann, ohne erst klagen zu müssen, zum Beispiel eine Jugendamtsurkunde, eine notarielle Urkunde, ein gerichtlicher Vergleich oder ein Beschluss des Familiengerichts.
- Legt immer das Gericht den Unterhalt fest?
Nein. Meist einigen sich die Eltern, oft mit Hilfe des Jugendamts, und lassen den Betrag in einer Urkunde festhalten. Das Gericht entscheidet nur, wenn keine Einigung gelingt.
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Quellen
- Bürgerliches Gesetzbuch (BGB): § 1601 · § 1602 · § 1603 · § 1606 · § 1609 · § 1610 · § 1360 · § 1361 · § 1569 · § 1613 · § 197 · § 207
- Oberlandesgericht Düsseldorf: Düsseldorfer Tabelle, Stand 1. Januar 2026
- Sozialgesetzbuch XII (SGB XII): § 94
Prüfvermerk der Redaktion: Alle Beträge, Fristen und Voraussetzungen auf dieser Seite wurden am 29.09.2026 mit dem Wortlaut der Vorschriften auf gesetze-im-internet.de und den Angaben der zuständigen Behörden abgeglichen, auch Fristen und Zuständigkeiten, die hier ohne Fußnote stehen. Gesetze ändern sich; maßgeblich ist die Fassung, die zum Zeitpunkt Ihres Falles gilt.
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