Familienrecht Ratgeber · Stand September 2026
Unterhalt nach der Scheidung: Wer muss wem zahlen?
Nach der Scheidung muss grundsätzlich jeder Ehegatte selbst für seinen Unterhalt sorgen, Unterhalt vom früheren Partner gibt es nur in den gesetzlich geregelten Fällen. Die wichtigsten sind die Betreuung eines gemeinsamen Kindes, Alter, Krankheit, Arbeitslosigkeit und ein zu geringes eigenes Einkommen.[1]
Geprüft am 29.09.2026 gegen Gesetzestext und amtliche Angaben · 2 Quellen · 6 Min. Lesezeit
Gibt es nach der Scheidung überhaupt Unterhalt?
Ein wichtiges Thema bei jeder Scheidung ist der Unterhalt. Mit der Scheidung endet zwar die Ehe, doch eine Unterhaltspflicht dem geschiedenen Ehegatten gegenüber kann möglicherweise weiter bestehen. Das Bürgerliche Gesetzbuch geht in §§ 1569 bis 1586b BGB ausführlich auf die gesamte Thematik ein. Maßgebend ist der in § 1569 BGB definierte Grundsatz der Eigenverantwortung: Nach der Scheidung obliegt es jedem Ehegatten, selbst für seinen Unterhalt zu sorgen. Nur wenn er dazu nicht in der Lage ist, kann er einen Unterhaltsanspruch geltend machen, und das nur nach den folgenden Vorschriften.[1]
Der Ehegattenunterhalt nach der Scheidung ist folglich nicht die Regel, sondern vielmehr eine Ausnahme. Abgesehen von der Bedürftigkeit eines Ehepartners muss bei dem anderen Ehegatten eine Leistungsfähigkeit gegeben sein. War es früher noch häufig so, dass gerade Hausfrauen gegenüber ihrem Mann einen dauerhaften Unterhaltsanspruch hatten, ist das heute nicht mehr grundsätzlich der Fall.
Vom Unterhalt für den Ehegatten zu trennen ist der Unterhalt für die Kinder: Der Elternteil, der sich nicht um Erziehung und Versorgung der Kinder kümmert, zahlt Kindesunterhalt nach der Düsseldorfer Tabelle. Dazu die Seite Wie viel Unterhalt muss ich zahlen?
Wann bekommt der geschiedene Ehegatte Unterhalt?
Die Betreuung eines Kindes, ein Gebrechen, ein fortgeschrittenes Alter, Erwerbslosigkeit, eine Ausbildung oder auch eine Umschulung können Umstände sein, die einen Unterhaltsanspruch des geschiedenen Ehegatten rechtfertigen. Das Gesetz kennt diese Tatbestände:[1]
| Grund | Voraussetzung | Norm |
|---|---|---|
| Kinderbetreuung | Pflege oder Erziehung eines gemeinsamen Kindes, mindestens drei Jahre nach der Geburt, länger nach Billigkeit | § 1570 BGB |
| Alter | wegen des Alters ist keine Erwerbstätigkeit mehr zu erwarten | § 1571 BGB |
| Krankheit | wegen Krankheit oder Gebrechen ist keine Erwerbstätigkeit zu erwarten | § 1572 BGB |
| Erwerbslosigkeit | trotz Bemühen keine angemessene Arbeit zu finden | § 1573 Abs. 1 BGB |
| Aufstockung | das Einkommen aus angemessener Arbeit reicht nicht zum vollen Unterhalt | § 1573 Abs. 2 BGB |
| Ausbildung | ehebedingt abgebrochene oder nicht begonnene Ausbildung wird nachgeholt | § 1575 BGB |
| Billigkeit | sonstige schwerwiegende Gründe, Versagung wäre grob unbillig | § 1576 BGB |
Wer keine kleinen Kinder zu erziehen hat, dem ist zuzumuten, dass er sich eine Arbeit sucht. Dem geschiedenen Ehegatten obliegt es, eine angemessene Erwerbstätigkeit auszuüben, die seiner Ausbildung, seinen Fähigkeiten, einer früheren Erwerbstätigkeit, seinem Alter und seiner Gesundheit entspricht.[1]
Wie hoch ist der Unterhalt für den geschiedenen Ehegatten?
Das Maß des Unterhalts bestimmt sich nach den ehelichen Lebensverhältnissen, und er umfasst den gesamten Lebensbedarf, auch eine angemessene Kranken- und Pflegeversicherung.[1]
Die Düsseldorfer Tabelle 2026 nennt als Richtsatz gegen einen erwerbstätigen Unterhaltspflichtigen 45 Prozent der Differenz zwischen den anrechenbaren Erwerbseinkommen der Ehegatten, begrenzt durch den vollen Bedarf. Ist der Pflichtige nicht erwerbstätig, etwa Rentner, sind es 50 Prozent.[2]
Beispiel: Nach Abzug des Kindesunterhalts und der berufsbedingten Kosten verdient er bereinigt 3.500 Euro, sie 1.500 Euro. Die Differenz beträgt 2.000 Euro, 45 Prozent davon sind 900 Euro Unterhalt im Monat. Ihm bleiben 2.600 Euro, mehr als sein Selbstbehalt von 1.600 Euro.
Durch § 1581 BGB soll gewährleistet werden, dass der Unterhaltsanspruch des geschiedenen Ehegatten nicht den eigenen angemessenen Unterhalt des Unterhaltspflichtigen gefährdet. Die Düsseldorfer Tabelle setzt den Selbstbehalt gegenüber dem geschiedenen Ehegatten 2026 auf 1.600 Euro für Erwerbstätige und 1.475 Euro für Nichterwerbstätige.[2]
Wann wird der Unterhalt befristet oder herabgesetzt?
Der Unterhaltsanspruch ist auf den angemessenen Lebensbedarf herabzusetzen oder zeitlich zu begrenzen, wenn ein an den ehelichen Lebensverhältnissen orientierter oder zeitlich unbegrenzter Unterhalt unbillig wäre. Das Gericht prüft vor allem, ob der Berechtigte durch die Ehe Nachteile erlitten hat, für seinen eigenen Unterhalt zu sorgen, und wie lange die Ehe gedauert hat.[1]
Solche ehebedingten Nachteile ergeben sich vor allem aus der Dauer der Kinderbetreuung und aus der Aufteilung von Haushalt und Beruf während der Ehe. Hat eine Ehefrau ihren Beruf für die Familie jahrelang aufgegeben und findet sie nur noch eine schlechter bezahlte Stelle, spricht das gegen eine Befristung. Hat die Ehe ihre berufliche Entwicklung nicht beeinträchtigt, ist ein Unterhalt auf Dauer eher unbillig. Herabsetzung und Befristung lassen sich verbinden.[1]
Wann fällt der Unterhalt weg?
Häufig gesucht wird der Unterhaltsverlust. Der Anspruch erlischt mit der Wiederheirat, der Begründung einer Lebenspartnerschaft oder dem Tod des Berechtigten.[1]
Er ist außerdem zu versagen, herabzusetzen oder zeitlich zu begrenzen, soweit die Zahlung grob unbillig wäre, weil zum Beispiel
- die Ehe von kurzer Dauer war,
- der Berechtigte in einer verfestigten Lebensgemeinschaft mit einem neuen Partner lebt,
- er sich eines Verbrechens oder schweren vorsätzlichen Vergehens gegen den Pflichtigen oder dessen nahe Angehörige schuldig gemacht hat,
- er seine Bedürftigkeit mutwillig herbeigeführt hat oder
- ihm ein offensichtlich schwerwiegendes, eindeutig bei ihm liegendes Fehlverhalten gegen den Pflichtigen zur Last fällt.[1]
Auch dann sind die Belange eines vom Berechtigten betreuten gemeinsamen Kindes zu wahren. Scheitert eine neue Ehe, kann der Berechtigte vom früheren Ehegatten erneut Betreuungsunterhalt verlangen, wenn er ein Kind aus der früheren Ehe betreut.[1]
Wer geht vor, wenn das Geld nicht für alle reicht?
Nicht selten kommt es vor, dass eine Person mehreren Personen gegenüber zu Unterhalt verpflichtet ist. Da das Einkommen mitunter nicht zur Erfüllung aller Ansprüche ausreicht, entscheidet die in § 1609 BGB festgelegte Rangfolge darüber, wer Unterhaltszahlungen erhält:[1]
- minderjährige Kinder und volljährige Schüler bis 21, die im Haushalt eines Elternteils leben,
- Elternteile, die wegen der Betreuung eines Kindes unterhaltsberechtigt sind, sowie Ehegatten und geschiedene Ehegatten nach einer Ehe von langer Dauer,
- übrige Ehegatten und geschiedene Ehegatten,
- sonstige Kinder, danach Enkel und Eltern.[1]
Der geschiedene Ehegatte steht also an dritter Stelle. Ergibt sich die Unterhaltsberechtigung aus der Kinderbetreuung oder war die Ehe von langer Dauer, rückt er an die zweite Stelle auf. Vorrang haben die minderjährigen Kinder.
Was unterscheidet Trennungsunterhalt und nachehelichen Unterhalt?
Solange die Ehegatten nur getrennt leben, schuldet der eine dem anderen den nach den Lebens-, Erwerbs- und Vermögensverhältnissen angemessenen Trennungsunterhalt. Dabei kann der nicht erwerbstätige Ehegatte nur unter engeren Voraussetzungen darauf verwiesen werden, selbst zu arbeiten, als nach der Scheidung.[1]
Mit der Rechtskraft der Scheidung endet der Trennungsunterhalt. Ab dann gelten die strengeren Regeln des nachehelichen Unterhalts, und der Anspruch muss neu geltend gemacht werden, entweder als Folgesache im Scheidungsverfahren oder später. Für die Vergangenheit kann Unterhalt nur verlangt werden, wenn der Pflichtige zur Auskunft aufgefordert, gemahnt oder verklagt wurde.[1]
Mehr zur Zeit der Trennung steht unter Familienrecht bei Trennung, zu Aufforderung und Titel unter Unterhalt einfordern.
Wer ist zuständig?
Das Familiengericht beim Amtsgericht, während des Scheidungsverfahrens als Folgesache beim Gericht der Scheidung. Es besteht Anwaltszwang.
Amtsgerichte in DeutschlandHäufige Fragen
- Wie lange muss man nach der Scheidung Unterhalt zahlen?
Eine feste Dauer gibt es nicht. Betreuungsunterhalt läuft mindestens drei Jahre ab Geburt des Kindes. Andere Ansprüche bestehen, solange ihre Voraussetzungen vorliegen, und werden häufig befristet, wenn die Ehe keine bleibenden Nachteile gebracht hat.
- Kann man auf nachehelichen Unterhalt verzichten?
Ja, durch Vereinbarung. Vor der Rechtskraft der Scheidung muss sie notariell beurkundet oder im Scheidungsverfahren gerichtlich protokolliert werden.
- Muss der Unterhaltsempfänger arbeiten?
In der Regel ja. Er muss eine angemessene Erwerbstätigkeit ausüben und sich notfalls fortbilden oder umschulen lassen. Ausnahmen gelten während der Betreuung kleiner Kinder, bei Krankheit und im Alter.
- Was ist eine verfestigte Lebensgemeinschaft?
Gemeint ist eine gefestigte neue Partnerschaft des Unterhaltsberechtigten. Das Gesetz nennt keine Mindestdauer, die Gerichte entscheiden nach den Umständen des Einzelfalls. Sie kann dazu führen, dass der Unterhalt herabgesetzt wird oder ganz entfällt, auch ohne Heirat.
Quellen
- Bürgerliches Gesetzbuch (BGB): § 1569 · § 1570 · § 1571 · § 1572 · § 1573 · § 1574 · § 1575 · § 1576 · § 1578 · § 1578b · § 1579 · § 1586 · § 1586a · § 1609 · § 1361 · § 1585b
- Oberlandesgericht Düsseldorf: Düsseldorfer Tabelle, Stand 1. Januar 2026
Prüfvermerk der Redaktion: Alle Beträge, Fristen und Voraussetzungen auf dieser Seite wurden am 29.09.2026 mit dem Wortlaut der Vorschriften auf gesetze-im-internet.de und den Angaben der zuständigen Behörden abgeglichen, auch Fristen und Zuständigkeiten, die hier ohne Fußnote stehen. Gesetze ändern sich; maßgeblich ist die Fassung, die zum Zeitpunkt Ihres Falles gilt.
Diese Seite erklärt die Rechtslage allgemein und ersetzt keine Beratung im Einzelfall.