Familienrecht Ratgeber · Stand September 2026
Vaterschaftstest: Was ist erlaubt, wer kann ihn verlangen, und was folgt daraus?
Ein Vaterschaftstest ist nur erlaubt, wenn alle Personen, deren Proben untersucht werden, vorher aufgeklärt wurden und eingewilligt haben; ein heimlicher Test ist verboten. Vater, Mutter und Kind können aber voneinander verlangen, in einen Test einzuwilligen, und das Familiengericht ersetzt eine verweigerte Einwilligung.[1]
Geprüft am 29.09.2026 gegen Gesetzestext und amtliche Angaben · 3 Quellen · 5 Min. Lesezeit
Ist ein heimlicher Vaterschaftstest erlaubt?
Nein. Eine genetische Untersuchung zur Klärung der Abstammung darf nur vorgenommen werden, wenn die Person, deren Probe untersucht werden soll, zuvor aufgeklärt worden ist und in die Untersuchung und die Gewinnung der Probe eingewilligt hat. Das gilt auch für den, der die Untersuchung vornehmen lässt.[1]
Viele Väter wollen sicher sein, dass sie der Vater des Kindes sind, aber nicht automatisch alle Rechte am Kind verlieren. Eine Möglichkeit, beides miteinander zu verbinden, war der heimliche und dadurch illegale Gentest. Eine Speichelprobe kann zwar schnell beschafft werden, aber für das Kind muss dessen gesetzlicher Vertreter einwilligen, und bei gemeinsamem Sorgerecht ist das auch die Mutter.[1]
Durchführen dürfen Abstammungsuntersuchungen nur Ärzte oder in der Abstammungsbegutachtung erfahrene Sachverständige mit naturwissenschaftlichem Hochschulabschluss. Andere als die zur Klärung der Abstammung erforderlichen Untersuchungen sind an der Probe verboten.[1]
Wer kann einen Vaterschaftstest verlangen?
Der Vater des Kindes hat die Möglichkeit, ein gesondertes Recht auf eine Klärung der biologischen Abstammung zu fordern. Die gleichen Rechte hat natürlich auch die Mutter gegenüber dem Vater oder das Kind gegenüber seinen Eltern. Zur Klärung der leiblichen Abstammung können[2]
- der Vater jeweils von Mutter und Kind,
- die Mutter jeweils von Vater und Kind und
- das Kind jeweils von beiden Elternteilen
verlangen, dass diese in eine genetische Abstammungsuntersuchung einwilligen und die Entnahme einer geeigneten Probe dulden. Die Probe muss nach den anerkannten Grundsätzen der Wissenschaft entnommen werden.[2]
Gemeint ist der rechtliche Vater, also der Ehemann der Mutter oder der Mann, der die Vaterschaft anerkannt hat. Wer das Ergebnis erfährt, kann Einsicht in das Gutachten oder eine Abschrift verlangen, wenn er eingewilligt und eine Probe abgegeben hat.[2]
Was tun, wenn die Mutter den Vaterschaftstest verweigert?
Wenn die Mutter die Zustimmung für diesen Gentest verweigert, kann das Familiengericht sie dazu verpflichten. Auf Antrag eines Klärungsberechtigten hat es eine nicht erteilte Einwilligung zu ersetzen und die Duldung einer Probeentnahme anzuordnen. Das gilt umgekehrt auch, wenn der Vater oder das Kind die Mitwirkung verweigert.[2]
Das Gericht setzt das Verfahren nur aus, wenn und solange die Klärung das Wohl eines minderjährigen Kindes erheblich beeinträchtigen würde und das dem Kind auch unter Berücksichtigung der Belange des Klärungsberechtigten nicht zuzumuten wäre.[2]
Beispiel: Ein verheirateter Mann zweifelt, ob die zweijährige Tochter von ihm ist. Die Mutter lehnt einen Test ab. Er beantragt beim Familiengericht, ihre Einwilligung zu ersetzen. Das Gericht ordnet an, dass Mutter und Kind die Probeentnahme dulden. Das Ergebnis klärt die Frage, die Vaterschaft bleibt aber bestehen, bis er sie anficht.
Kann man zu einem Vaterschaftstest gezwungen werden?
Ja, in zwei Fällen. Im Klärungsverfahren ordnet das Familiengericht die Duldung der Probeentnahme an. In einem Verfahren auf Feststellung oder Anfechtung der Vaterschaft hat jede Person Untersuchungen zu dulden, soweit sie zur Feststellung der Abstammung erforderlich und zumutbar sind. Bei wiederholter unberechtigter Weigerung kann das Gericht unmittelbaren Zwang anordnen, insbesondere die zwangsweise Vorführung.[2]
Wer ohne Verfahren einen Test verlangt, kann niemanden zwingen. Das ist nur über das Familiengericht möglich. Wie das gerichtliche Verfahren abläuft, wenn es um die Feststellung eines Vaters geht, erklärt die Seite gerichtliche Vaterschaftsfeststellung.
Wie wird die Vaterschaft angefochten?
Wenn der Gentest bestätigt, dass der Vater nicht der biologische Vater ist, dann kann er auf Wunsch die Vaterschaft beim Familiengericht anfechten. Der Test selbst beseitigt die rechtliche Vaterschaft nicht. Anfechten können der rechtliche Vater, die Mutter, das Kind und unter Voraussetzungen der leibliche Vater.[2]
- Frist: Die Vaterschaft kann binnen zwei Jahren gerichtlich angefochten werden. Die Frist beginnt, wenn der Anfechtungsberechtigte von den Umständen erfährt, die gegen die Vaterschaft sprechen, nicht vor der Geburt.
- Hemmung: Ein Klärungsverfahren beim Familiengericht hemmt die Frist.
- Kind: Für ein minderjähriges Kind beginnt die Frist nicht vor der Volljährigkeit und endet nicht vor dem 21. Geburtstag, wenn es selbst anficht.[2]
Die Anfechtung kann nicht durch einen Bevollmächtigten erfolgen. Im Verfahren wird vermutet, dass das Kind vom rechtlichen Vater abstammt. Ausgeschlossen ist die Anfechtung, wenn der Mann bei der Anerkennung wusste, dass das Kind nicht von ihm stammt, oder bei einer Samenspende mit Einwilligung von Mann und Mutter.[2]
Was gilt für den leiblichen Vater nach neuem Recht?
Das Bundesverfassungsgericht hat 2024 entschieden, dass die damalige Regelung zur Anfechtung durch den leiblichen Vater mit dem Elterngrundrecht unvereinbar war, und dem Gesetzgeber eine Neuregelung aufgegeben. Leibliche Eltern eines Kindes sind in jedem Fall Eltern im Sinne des Grundgesetzes.[3]
Die Neufassung gilt seit dem 1. April 2026. Danach kann der Mann anfechten, der an Eides statt versichert, der Mutter in der Empfängniszeit beigewohnt zu haben, wenn er der leibliche Vater ist. Eine sozial-familiäre Beziehung des Kindes zum rechtlichen Vater schließt die Anfechtung bei einem minderjährigen Kind grundsätzlich aus, aber mit Ausnahmen:[2]
- das Kind hat auch zum leiblichen Vater eine sozial-familiäre Beziehung oder hatte sie früher,
- der leibliche Vater hat sich ernsthaft um eine solche Beziehung bemüht und ist ohne eigenes Verschulden gescheitert oder
- der Ausschluss wäre aus anderen Gründen grob unbillig.[2]
Auch dann bleibt die Anfechtung ausgeschlossen, wenn der Fortbestand der rechtlichen Vaterschaft für das Wohl des Kindes erforderlich ist. Eine Vaterschaft, die vor weniger als einem Jahr begründet wurde, begründet in der Regel noch keine sozial-familiäre Beziehung. Ist das Kind volljährig, kann es der Anfechtung durch den leiblichen Vater widersprechen.[2]
Wer ist zuständig?
Das Familiengericht beim Amtsgericht, in dessen Bezirk das Kind seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat.
Amtsgerichte in DeutschlandWenn es noch keinen rechtlichen Vater gibt: Antrag, Gutachten, Kosten.
Gerichtliche VaterschaftsfeststellungHäufige Fragen
- Ist ein Vaterschaftstest Pflicht?
Nein, von sich aus nicht. Eine Pflicht entsteht erst, wenn ein Klärungsberechtigter ihn verlangt und das Familiengericht die Einwilligung ersetzt, oder in einem gerichtlichen Abstammungsverfahren.
- Kann der Vater ohne Einverständnis der Mutter einen Test machen?
Nicht heimlich. Er kann aber von Mutter und Kind verlangen, einzuwilligen, und das Familiengericht die fehlende Einwilligung ersetzen lassen.
- Hat ein Vaterschaftstest Folgen für den Unterhalt?
Nicht allein. Solange die Vaterschaft nicht erfolgreich angefochten ist, bleibt der rechtliche Vater zum Unterhalt verpflichtet. Erst die Anfechtung beseitigt die Vaterschaft.
- Gilt die Frist von zwei Jahren auch für den Klärungsanspruch?
Nein. Der Anspruch auf Klärung der Abstammung ist an keine Frist gebunden. Nur die Anfechtung muss innerhalb von zwei Jahren ab Kenntnis der Zweifel erfolgen.
Quellen
- Gendiagnostikgesetz (GenDG): § 17
- Bürgerliches Gesetzbuch (BGB): § 1598a · § 1600 · § 1600a · § 1600b · § 1600c
- BVerfG, Urteil vom 9. April 2024, 1 BvR 2017/21 (Anfechtung durch den leiblichen Vater)
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