Verkehrsrecht Ratgeber · Stand September 2026
MPU-Ablauf: Wie läuft eine MPU ab? Medizin, Leistungstest und Gespräch
Eine MPU besteht aus einer medizinischen Untersuchung, einem Leistungstest und einem psychologischen Gespräch bei einer amtlich anerkannten Begutachtungsstelle für Fahreignung. Das Gutachten geht an Sie als Auftraggeber, und Sie entscheiden, ob Sie es der Fahrerlaubnisbehörde vorlegen.[1]
Geprüft am 29.09.2026 gegen Gesetzestext und amtliche Angaben · 2 Quellen · 5 Min. Lesezeit
Wie läuft eine MPU ab? Die Schritte im Überblick
- Anordnung: Die Fahrerlaubnisbehörde teilt Ihnen die Gründe für ihre Zweifel mit, legt die zu klärenden Fragen fest, nennt die in Betracht kommenden Begutachtungsstellen und setzt eine Frist.
- Auftrag: Sie beauftragen eine Begutachtungsstelle und teilen der Behörde mit, welche. Die Behörde schickt der Stelle die Fragestellung und die Unterlagen, die Sie vorher einsehen können.
- Untersuchungstag: medizinische Untersuchung, Leistungstest und psychologisches Gespräch.
- Gutachten: Es geht innerhalb der von der Behörde gesetzten Frist bei Ihnen ein.[2]
Die Medizinisch-Psychologische Untersuchung ist in mehrere Bestandteile gegliedert. Vor der Untersuchung muss der Gutachter Sie über Gegenstand und Zweck aufklären, und über die Untersuchung sind Aufzeichnungen anzufertigen.[2]
Wann eine MPU überhaupt angeordnet wird, steht unter Wann muss man zur MPU?.
Was passiert bei der medizinischen Untersuchung?
Für die medizinische Untersuchung werden körperliche Untersuchungen durchgeführt, zu denen in der Regel die Blutentnahme sowie die Urinabgabe zählen. Zusätzlich wird die medizinische Vorgeschichte erfragt und das Konsumverhalten besprochen.
- Alkohol: Bei der MPU wegen Alkohol werden die Leberwerte immer bestimmt. Leberwerte zeigen aber nur hohen Alkoholkonsum an; Abstinenz lässt sich nur über den Alkoholmarker EtG aus Urin oder Haaren belegen.
- Drogen: Bei einer Begutachtung wegen Drogen wird am Untersuchungstag immer ein Drogenscreening im Urin durchgeführt, als Ergänzung zu vorher erbrachten Abstinenzbelegen.[1]
Abstinenzbelege müssen unter forensischen Bedingungen gewonnen werden, also bei qualifizierten Stellen mit unvorhersehbarer Einbestellung. Belege von Stellen, die diese Rahmenbedingungen nicht gewährleisten, werden nicht anerkannt.[2]
Was wird beim Leistungstest geprüft?
Der Leistungstest gehört neben medizinischer Untersuchung und Gespräch zum Untersuchungstag.[1]
In den Reaktions- und Leistungsfähigkeitstests ermitteln die Gutachter die Reaktionen der Teilnehmer unter Leistungsdruck. Außerdem sollen die optische Wahrnehmung, das Reaktions- und Konzentrationsvermögen überprüft werden.
Gegenstand der Untersuchung sind nicht die gesamte Persönlichkeit, sondern nur Eigenschaften, Fähigkeiten und Verhaltensweisen, die für die Kraftfahreignung von Bedeutung sind. Die Untersuchung darf nur nach anerkannten wissenschaftlichen Grundsätzen vorgenommen werden.[2]
Wie läuft das psychologische Gespräch bei der MPU ab?
Ein weiterer Bestandteil der MPU ist das psychologische Gespräch. In diesem überprüfen Verkehrspsychologen, ob sich die Teilnehmer einsichtig gegenüber ihrem früheren Fehlverhalten zeigen. Gutachter fragen genau nach, ob Sie Ihre Fehler sehen, die Entwicklung dahin erkannt und Ihr Verhalten ausreichend und stabil verändert haben.[1]
Geklärt werden soll insbesondere, was Sie genau falsch gemacht haben, warum, wann und warum Sie sich zur Änderung entschieden haben, wie Sie diese umgesetzt haben und wodurch Sie sicherstellen, dass es nicht wieder zu den früheren Fehlern kommt. Als stabil gilt eine Veränderung in der Regel, wenn sie zwischen sechs Monaten und einem Jahr erprobt ist.[1]
Ehrlichkeit, Selbstkritik und die Fähigkeit, seine Verhaltensweisen zu analysieren, sind wichtige Pfeiler dieses Gesprächs. Rechtskräftige Entscheidungen, etwa ein Urteil wegen Trunkenheit, werden bei der MPU als Tatsache gewertet, auch wenn Sie sie für falsch halten.[1]
Wonach beurteilt der Gutachter?
Der Gutachter hält sich an die Fragestellung der Behörde. Grundlage sind die Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung. Bei Alkohol, Cannabis, Drogen oder Medikamenten ist auch zu beurteilen, ob Sie künftig nicht mehr unter deren Einfluss fahren werden.[2]
Hat eine Abhängigkeit vorgelegen, muss eine stabile Abstinenz bestehen. Außerdem müssen sich ein grundlegender Wandel in der Einstellung vollzogen haben und Bedingungen vorhanden sein, die einen Rückfall als unwahrscheinlich erscheinen lassen.[2]
Das Gutachten muss allgemeinverständlich, nachvollziehbar und nachprüfbar sein und zwischen Vorgeschichte und gegenwärtigem Befund unterscheiden.[2]
Wann bekommt man das Ergebnis der MPU?
Wer die MPU hinter sich gebracht hat, will naturgemäß rasch erfahren, wie das Gutachten ausgefallen ist. Die Gutachter teilen, wenn möglich, noch am Untersuchungstag das voraussichtliche Ergebnis mündlich mit. Das geht nicht, wenn noch Befunde abzuwarten sind oder sich die Gutachter mit Kollegen beraten müssen.[1]
Das schriftliche Gutachten geht innerhalb der von der Führerscheinstelle gesetzten Frist bei Ihnen ein, denn Sie sind der Auftraggeber. Die Entscheidung über die Fahrerlaubnis trifft ausschließlich die Führerscheinstelle.[1]
Muss ich das Gutachten der Behörde vorlegen?
Hält man im Idealfall ein positives Gutachten in den Händen, legt man dieses der Fahrerlaubnisbehörde vor. Das positive MPU-Gutachten räumt die Zweifel an der Fahreignung aus und schafft so die Basis dafür, dass man seinen Führerschein wiederbekommt.
Ein negatives Gutachten müssen Sie nicht vorlegen. Die Behörde darf dann aber auf Ihre Nichteignung schließen, wenn das Gutachten nicht fristgerecht beigebracht wird. Wird eine Kursteilnahme zur Wiederherstellung der Fahreignung empfohlen, genügt nach Zustimmung der Behörde die Teilnahmebescheinigung statt einer neuen MPU.[2]
Wie Sie gegen ein Gutachten vorgehen, steht unter MPU anfechten, was nach einem negativen Ergebnis gilt, unter MPU nicht bestanden oder verweigert.
Wer ist zuständig?
Eine amtlich anerkannte Begutachtungsstelle für Fahreignung aus dem Kreis der Stellen, die die Behörde nennt. Listen veröffentlicht die Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen.
MPU: ÜberblickDie Fahrerlaubnisbehörde. Gegen die Ablehnung führt der Weg über Widerspruch, wo das Land ihn vorsieht, zum Verwaltungsgericht.
Verwaltungsgerichte in DeutschlandHäufige Fragen
- Was sollte man bei der MPU nicht sagen?
Die BASt rät, offen über alles zu sprechen. Wer Wichtiges verschweigt, riskiert, dass der Gutachter nicht nachvollziehbar begründen kann, dass die Bedenken ausgeräumt sind. Widersprüche zur Akte fallen auf.
- Wie lange muss man vor der MPU abstinent sein?
Das hängt vom Anlass ab. Bei Drogen sollte der Verzicht zum Zeitpunkt der Begutachtung bereits sechs Monate betragen, bei langem Konsum länger; nach einer Abhängigkeit wird in der Regel ein Jahr Abstinenz verlangt.
- Kann ich die Akte vor der MPU einsehen?
Ja. Die Behörde muss Ihnen mitteilen, dass Sie die Unterlagen einsehen können, die sie an die Begutachtungsstelle schickt. Nutzen Sie das, um zu wissen, was der Gutachter über Sie weiß.
- Wie weit reicht eine Haaranalyse zurück?
Zum Beleg der Alkoholabstinenz über EtG höchstens drei Monate. Für längere Zeiträume sind mehrere Analysen oder ein Urin-Kontrollprogramm nötig.
Quellen
- Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen: Informationen zur MPU (Broschüre, PDF)
- Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV): § 11 · Anlage 4a · Anlage 4
Prüfvermerk der Redaktion: Alle Beträge, Fristen und Voraussetzungen auf dieser Seite wurden am 29.09.2026 mit dem Wortlaut der Vorschriften auf gesetze-im-internet.de und den Angaben der zuständigen Behörden abgeglichen, auch Fristen und Zuständigkeiten, die hier ohne Fußnote stehen. Gesetze ändern sich; maßgeblich ist die Fassung, die zum Zeitpunkt Ihres Falles gilt.
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