Arbeitsrecht Ratgeber · Stand September 2026
Kurzarbeit und Minijob: Nebenjob während Kurzarbeit und Minijobber in Kurzarbeit
Wer in Kurzarbeit ist, darf einen Minijob oder Nebenjob annehmen, der Verdienst aus einem während des Bezugs aufgenommenen Job mindert aber das Kurzarbeitergeld. Ein Minijob, den Sie schon vor der Kurzarbeit hatten, wird nicht angerechnet, und Minijobber selbst haben keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld.[1]
Geprüft am 29.09.2026 gegen Gesetzestext und amtliche Angaben · 2 Quellen · 4 Min. Lesezeit
Darf man während der Kurzarbeit einen Nebenjob annehmen?
Bei Kurzarbeit bietet sich ein Minijob oder ein anderer Nebenerwerb geradezu an. Man hat genügend Zeit, um einer zweiten Arbeit nachzugehen und ein zusätzliches Einkommen ist in solchen Zeiten willkommen. Die große Frage lautet in dieser Hinsicht aber: Darf man die Kurzarbeit mit einem Minijob ausgleichen? Ja, man darf. Die Regeln zum Kurzarbeitergeld verbieten einen Nebenjob nicht, sie rechnen den Verdienst nur an.[1]
Die Agentur für Arbeit kann Beziehende von Kurzarbeitergeld sogar selbst in eine zumutbare Zweitarbeit oder ein Dauerarbeitsverhältnis vermitteln.[2]
Ob Sie den Nebenjob Ihrem Hauptarbeitgeber anzeigen oder genehmigen lassen müssen, richtet sich nach Ihrem Arbeitsvertrag. Die Arbeitszeiten bei beiden Arbeitgebern werden für die Höchstarbeitszeit zusammengerechnet. Mehr dazu auf der Seite Nebentätigkeit.
Wie wird ein Minijob auf das Kurzarbeitergeld angerechnet?
Das Kurzarbeitergeld beträgt 60 Prozent, mit Kind 67 Prozent der Nettoentgeltdifferenz. Das ist der Unterschied zwischen dem pauschalierten Netto aus dem Soll-Entgelt, also dem Lohn ohne Arbeitsausfall, und dem pauschalierten Netto aus dem Ist-Entgelt, also dem, was Sie im Kurzarbeitsmonat tatsächlich verdienen.[1]
Erzielen Sie für Zeiten des Arbeitsausfalls ein Entgelt aus einer anderen, während des Bezugs von Kurzarbeitergeld aufgenommenen Beschäftigung, wird das Ist-Entgelt um dieses Entgelt erhöht. Die Differenz wird kleiner, das Kurzarbeitergeld sinkt. Das gilt für einen Minijob ebenso wie für eine kurzfristige Beschäftigung, eine selbständige Tätigkeit oder die Mithilfe im Familienbetrieb.[1][2]
So wirkt die Anrechnung: Ohne Nebenjob wird die Lücke zwischen Soll- und Ist-Entgelt zu 60 oder 67 Prozent ersetzt. Mit neuem Minijob steigt das Ist-Entgelt um den Minijob-Lohn, und das Kurzarbeitergeld sinkt um 60 oder 67 Prozent des Nettobetrags, der sich daraus rechnerisch ergibt. Weil nie der volle Nebenverdienst abgezogen wird, bleibt vom Minijob unterm Strich immer ein Teil übrig.
Grundsätzlich lässt sich also feststellen, dass ein Minijob, der nach Eintritt der Kurzarbeit aufgenommen wurde, den Anspruch auf Kurzarbeitergeld mindert.
Minijob schon vor der Kurzarbeit: keine Anrechnung
Eine Ausnahme besteht dann, wenn man den Job schon vor der Kurzarbeit angenommen hat. Das zusätzliche Einkommen wird dann nicht auf das Kurzarbeitergeld angerechnet. Angerechnet wird nach dem Gesetz nur Entgelt aus einer Beschäftigung, die während des Bezugs von Kurzarbeitergeld aufgenommen wurde.[1]
Gibt es Kurzarbeitergeld für Minijobber?
Nein. Kurzarbeitergeld setzt voraus, dass Sie nach Beginn des Arbeitsausfalls eine versicherungspflichtige Beschäftigung fortsetzen. Minijobber sind in der Arbeitslosenversicherung versicherungsfrei und deshalb vom Kurzarbeitergeld ausgenommen.[1][2]
Das heißt aber nicht, dass der Arbeitgeber Minijobbern bei schlechter Auftragslage einfach weniger zahlen darf. Nimmt er die vereinbarte Arbeit nicht ab, gerät er in Annahmeverzug und muss den vereinbarten Lohn weiterzahlen, ohne dass Sie die ausgefallenen Stunden nacharbeiten müssen. Das gilt auch, wenn der Arbeitgeber das Risiko des Arbeitsausfalls trägt. Weniger Stunden und weniger Lohn setzen eine wirksame Vereinbarung voraus, etwa eine Änderung des Arbeitsvertrags oder eine Betriebsvereinbarung, bei der der Betriebsrat mitbestimmt.
Pflichten: Nebenverdienst melden, zumutbare Arbeit annehmen
Das Kurzarbeitergeld errechnet und zahlt Ihr Arbeitgeber aus und rechnet es mit der Agentur für Arbeit ab. Arbeitnehmer müssen ihre zusätzliche Beschäftigung deshalb angeben, damit die Berechnung stimmt. Wer Sozialleistungen erhält, muss Änderungen, die für die Leistung erheblich sind, unverzüglich mitteilen.[2]
Bietet Ihnen die Agentur für Arbeit eine zumutbare Beschäftigung an und lehnen Sie sie trotz Belehrung ohne wichtigen Grund ab oder treten sie nicht an, gelten die Sperrzeit-Regeln des Arbeitslosengeldes entsprechend. Das Kurzarbeitergeld ruht dann für zwölf, sechs oder drei Wochen.[1][2]
Arbeitnehmer, die aufgrund der wirtschaftlich angespannten Lage ihres Arbeitgebers Kurzarbeit leisten müssen, sehen diese Situation aus gleich mehreren Gründen mit großer Sorge. Einen Minijob sollten sie mitunter auch als Chance sehen, denn auf diese Art und Weise können sie in einen anderen Betrieb hinein schnuppern und stehen im Falle eines Jobverlustes nicht ganz ohne Arbeitsverhältnis da. Möglicherweise kann der Umfang des Minijobs dann sogar ausgebaut werden, so dass dieser vom Nebenjob zum Hauptberuf wird.
Wer ist zuständig?
Der Arbeitgeber zeigt den Arbeitsausfall bei der Agentur für Arbeit an, beantragt das Kurzarbeitergeld und zahlt es aus. Gegen Bescheide der Agentur ist Widerspruch innerhalb eines Monats möglich, danach entscheidet das Sozialgericht.
Sozialgerichte in DeutschlandZahlt der Arbeitgeber einem Minijobber wegen Auftragsmangels weniger, entscheidet im Streit das Arbeitsgericht.
Arbeitsgerichte in DeutschlandHäufige Fragen
- Darf ich während der Kurzarbeit woanders arbeiten?
Ja. Ein Zweitjob ist erlaubt, der Verdienst aus einem neu aufgenommenen Job wird aber auf das Kurzarbeitergeld angerechnet. Prüfen Sie Ihren Arbeitsvertrag auf eine Anzeigepflicht für Nebentätigkeiten.
- Lohnt sich ein Nebenjob bei Kurzarbeit?
In der Regel ja. Das Kurzarbeitergeld sinkt nur um 60 oder 67 Prozent des rechnerischen Nettobetrags aus dem Nebenverdienst. Vom Minijob-Lohn bleibt deshalb unterm Strich ein Teil übrig.
- Zählt eine kurzfristige Beschäftigung während der Kurzarbeit auch?
Ja. Angerechnet wird jedes Entgelt aus einer während des Bezugs aufgenommenen Beschäftigung, auch aus einem befristeten Saison- oder Aushilfsjob.
- Wird Kurzarbeitergeld versteuert?
Es ist steuerfrei, unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt. Es kann also den Steuersatz auf Ihr übriges Einkommen im selben Jahr erhöhen.
Auch interessant: Nebenjob beim Arbeitslosengeld
Quellen
- Sozialgesetzbuch III (Arbeitsförderung): § 27 · § 95 · § 98 · § 105 · § 106
- Bundesagentur für Arbeit: Merkblatt 8a Kurzarbeitergeld (Stand 01/2026)
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