Sozialrecht · Stand September 2026
Wohngeld und Nebenkosten: Was zählt und wer die Nachzahlung zahlt
Die Wohngeldstelle übernimmt keine Nebenkostennachzahlung. Steigen danach aber Ihre Vorauszahlungen und damit die Miete um mehr als 10 Prozent, bekommen Sie auf Antrag mehr Wohngeld, unter Umständen auch rückwirkend.[1]
Geprüft am 28.09.2026 gegen Gesetzestext und amtliche Angaben · 3 Quellen · 6 Min. Lesezeit
Welche Nebenkosten beim Wohngeld zählen
Als Miete gilt beim Wohngeld das vereinbarte Entgelt für die Wohnung einschließlich Umlagen, Zuschlägen und Vergütungen. Die Betriebskosten, die Sie monatlich vorauszahlen, gehören also dazu. Das sind vor allem Grundsteuer, Wasser und Abwasser, Kosten für den Fahrstuhl, Müllabfuhr und Straßenreinigung, Hausreinigung, Schornsteinfeger, Hausmeister und Pflege der Außenanlagen, Allgemeinstrom, Versicherungen und Wascheinrichtungen.[1]
Einen Posten gibt es seit Mitte 2024 nicht mehr: Die monatlichen Grundgebühren für einen Kabelanschluss durfte der Vermieter nur bis zum 30. Juni 2024 auf die Mieter umlegen.
Nicht zur Miete zählen:[1]
- Heizkosten und die Kosten für warmes Wasser, auch bei Fernwärme,
- Haushaltsstrom,
- Garage und Stellplatz,
- Leistungen, die über das Wohnen hinausgehen, etwa Betreuung oder ein Notrufdienst.
Stehen diese Beträge nicht im Mietvertrag, zieht die Wohngeldstelle Pauschalen ab. Es hilft deshalb, wenn der Vermieter Heizung und Warmwasser getrennt ausweist.[1]
Wie die Heizkosten trotzdem berücksichtigt werden
Seit der Reform zum Wohngeld-Plus sind Heizkosten nicht mehr außen vor. Sie fließen aber nicht in tatsächlicher Höhe ein, sondern als fester Betrag, der zur Miete hinzugerechnet wird. Dazu kommt eine Klimakomponente, die den Höchstbetrag für die Miete anhebt.[1]
| Haushaltsmitglieder | Heizkostenentlastung im Monat | Klimakomponente im Monat |
|---|---|---|
| 1 | 110,40 Euro | 19,20 Euro |
| 2 | 142,60 Euro | 24,80 Euro |
| 3 | 170,20 Euro | 29,60 Euro |
| 4 | 197,80 Euro | 34,40 Euro |
| 5 | 225,40 Euro | 39,20 Euro |
| jede weitere Person | + 27,60 Euro | + 4,80 Euro |
Weil die Heizkosten pauschal zählen, ändert eine hohe Heizkostennachzahlung am Wohngeld nichts.[1]
Zahlt das Wohngeld eine Nebenkostennachzahlung?
Wenn die jährliche Abrechnung der Betriebskosten ansteht, fürchten viele Menschen, dass sie eine hohe Nachzahlung leisten müssen. Insbesondere für Mieter mit geringem Einkommen kann sich so rasch eine finanzielle Notlage ergeben. Wohngeldbezieher wenden sich dann mitunter an das Wohnungsamt und hoffen auf eine zumindest teilweise Übernahme der fälligen Betriebskostennachzahlung. Diesbezüglich erlebt man allerdings eine Enttäuschung, denn fällige Nachzahlungen bleiben beim Wohngeld unberücksichtigt: Berechnet wird es aus der laufenden monatlichen Miete.[1]
Nichtsdestotrotz kann es durchaus Sinn machen, sich bezüglich der Betriebskostennachzahlung an die zuständige Wohngeldstelle zu wenden. Finanzielle Hilfen kann man zwar nicht erwarten, dennoch kann sich das künftige Wohngeld gegebenenfalls erhöhen. Eine Nachzahlung ist oft der Anlass, dass der Vermieter die monatlichen Vorauszahlungen anhebt. Dann steigt die Miete, und das künftige Wohngeld kann sich erhöhen.[1]
Wenn die Vorauszahlungen steigen: mehr Wohngeld beantragen
Die Wohngeldstelle bewilligt neu, wenn Sie das beantragen und sich im laufenden Bewilligungszeitraum die zu berücksichtigende Miete um mehr als 10 Prozent erhöht. Der Heizkostenzuschlag wird dabei nicht mitgerechnet. Hat sich die Miete rückwirkend erhöht, gibt es das höhere Wohngeld auch rückwirkend, frühestens ab Beginn des laufenden Bewilligungszeitraums.[1]
Beispiel: Sie zahlen 620 Euro Miete ohne Heizung, davon 140 Euro Betriebskostenvorauszahlung. Nach der Abrechnung verlangt der Vermieter 210 Euro Vorauszahlung. Die Miete steigt auf 690 Euro, das sind 11,3 Prozent mehr.
Die Schwelle von 10 Prozent ist überschritten, ein Antrag lohnt sich. Das gilt aber nur, wenn Ihre Miete nicht schon vorher über dem Höchstbetrag für Ihre Mietenstufe lag; oberhalb davon zählt jeder weitere Euro nicht mehr.[1]
Achten Sie auf die Frist: Der neue Bewilligungszeitraum beginnt rückwirkend mit dem Monat der Erhöhung, wenn Sie den Antrag bis zum Ende des Monats stellen, der auf Ihre Kenntnis von der Erhöhung folgt.[1]
Da Wohngeld in der Regel für zwölf Monate bewilligt wird und danach erneut beantragt werden muss, ist es ratsam, dem Antrag die aktuelle Betriebskostenabrechnung beizulegen, so dass sich die zuständige Stelle ein Bild von den anfallenden Nebenkosten machen kann.[1]
Guthaben und sinkende Vorauszahlungen
Ein Guthaben aus der Abrechnung führt häufig dazu, dass der Vermieter die Vorauszahlungen senkt. Sinkt die Miete dadurch um mehr als 15 Prozent gegenüber dem Betrag im Bewilligungsbescheid, müssen Sie das der Wohngeldstelle unverzüglich mitteilen. Die Wohngeldstelle entscheidet dann von sich aus neu.[1]
Wer eine Änderung verschweigt, riskiert eine Rückforderung: Nachträglich darf die Wohngeldstelle in diesem Fall bis zu zehn Jahre zurück neu entscheiden.[1]
Nachzahlung nicht bezahlbar: Jobcenter oder Sozialamt
Wohngeld und Grundsicherungsgeld schließen sich aus: Wer Grundsicherungsgeld mit Kosten der Unterkunft bekommt, erhält kein Wohngeld. Das Jobcenter übernimmt Unterkunft und Heizung dagegen in Höhe der tatsächlichen Aufwendungen, soweit sie angemessen sind. Dazu gehört auch eine Nachforderung aus der Betriebs- oder Heizkostenabrechnung: Sie zählt zum Bedarf des Monats, in dem sie fällig ist (Bundessozialgericht, Urteil vom 22.03.2010, B 4 AS 62/09 R).[1][2][3]
Reicht Ihr Einkommen in diesem Monat wegen der Nachzahlung nicht, kann ein Antrag auf Grundsicherungsgeld für diesen einen Monat sinnvoll sein. Stellen Sie ihn noch im Fälligkeitsmonat: Der Antrag wirkt nur auf den Ersten des Monats zurück, in dem er gestellt wird. Informieren Sie in diesem Fall auch die Wohngeldstelle.[2]
Für Rentnerinnen und Rentner sowie dauerhaft voll erwerbsgeminderte Menschen ist statt des Jobcenters das Sozialamt zuständig. Auch dort werden Unterkunft und Heizung in tatsächlicher, angemessener Höhe anerkannt.
Wohngeld für Eigentümer: Lastenzuschuss
Häufig wird angenommen, dass ausschließlich Mieter Wohngeld erhalten können, schließlich handelt es sich dabei um einen Mietzuschuss. Wohngeld kann aber auch als Lastenzuschuss gewährt werden und somit als Zuschuss zu den Kosten für selbst genutztes Wohneigentum daherkommen. Immobilieneigentümer können im Bedarfsfall somit ebenfalls Wohngeld beziehen. Statt der Miete zählt dann die Belastung, also die Kosten für Zinsen und Tilgung sowie für die Bewirtschaftung des Wohnraums. Die Wohngeldstelle ermittelt sie in einer eigenen Lastenberechnung. Auch hier gilt der Höchstbetrag der Mietenstufe.[1]
Wer ist zuständig?
Die Wohngeldstelle Ihrer Stadt oder Gemeinde, in kleineren Gemeinden oft beim Landkreis. Dort stellen Sie auch den Antrag auf Neubewilligung.
Wohngeldantrag: Was ist wichtig?Gegen einen Bescheid legen Sie innerhalb eines Monats Widerspruch ein; in manchen Ländern geht es direkt zur Klage. Die Rechtsbehelfsbelehrung im Bescheid nennt den Weg. Zuständig ist das Verwaltungsgericht.
Verwaltungsgerichte in DeutschlandHäufige Fragen
- Zahlt das Wohngeld eine Nebenkostennachzahlung?
Nein. Wohngeld wird aus der laufenden Monatsmiete berechnet, einmalige Nachforderungen übernimmt die Wohngeldstelle nicht. Steigen danach die Vorauszahlungen und damit die Miete um mehr als 10 Prozent, können Sie mehr Wohngeld beantragen.
- Muss ich die Nebenkostenabrechnung bei der Wohngeldstelle einreichen?
Eine allgemeine Pflicht gibt es nicht. Melden müssen Sie, wenn die Miete um mehr als 15 Prozent sinkt. Steigt sie um mehr als 10 Prozent, sollten Sie die Abrechnung mit einem Antrag auf Neubewilligung einreichen.
- Übernimmt das Wohngeld eine Heizkostennachzahlung?
Nein. Heizkosten zählen beim Wohngeld nicht in tatsächlicher Höhe, sondern über einen festen Zuschlag je Haushaltsgröße. Eine Nachzahlung ändert daran nichts. Hilfe kann das Jobcenter für den Fälligkeitsmonat leisten.
- Was passiert mit einem Nebenkostenguthaben?
Das Guthaben erhält der Mieter vom Vermieter. Sinken dadurch die Vorauszahlungen und die Miete um mehr als 15 Prozent gegenüber dem Bescheid, müssen Sie das der Wohngeldstelle mitteilen.
- Bekommen Arbeitslose Wohngeld?
Wer Arbeitslosengeld I bezieht, ist nicht vom Wohngeld ausgeschlossen; das Arbeitslosengeld zählt aber als Einkommen. Ausgeschlossen ist, wer Grundsicherungsgeld mit Kosten der Unterkunft erhält.
Auch interessant: Fristen der Nebenkostenabrechnung
Quellen
- Wohngeldgesetz (WoGG): § 7 · § 9 · § 10 · § 11 · § 12 · § 14 · § 25 · § 27
- Sozialgesetzbuch II (Grundsicherungsgeld): § 22 · § 37
- Jobcenter Celle: Fachliche Hinweise zu § 22 SGB II, Stand November 2025 (mit Rechtsprechung des Bundessozialgerichts)
Prüfvermerk der Redaktion: Alle Beträge, Fristen und Voraussetzungen auf dieser Seite wurden am 28.09.2026 mit dem Wortlaut der Vorschriften auf gesetze-im-internet.de und den Angaben der zuständigen Behörden abgeglichen, auch Fristen und Zuständigkeiten, die hier ohne Fußnote stehen. Gesetze ändern sich; maßgeblich ist die Fassung, die zum Zeitpunkt Ihres Falles gilt.
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