Sozialrecht · Stand September 2026
Wohngeld bei Umzug: doppelte Miete, neuer Antrag und Meldepflicht
Nach einem Umzug brauchen Sie einen neuen Wohngeldantrag, denn der Bescheid für die alte Wohnung wird mit dem Auszug unwirksam. Ziehen Sie im Laufe eines Monats um, können Sie für die neue Wohnung schon ab dem Einzugsmonat Wohngeld bekommen, auch wenn für diesen Monat noch Wohngeld für die alte Wohnung gezahlt wurde.[1]
Geprüft am 29.09.2026 gegen Gesetzestext und amtliche Angaben · 3 Quellen · 7 Min. Lesezeit
Was passiert mit dem Wohngeld bei einem Umzug?
Bei einem Umzug aus einer Wohnung, für die Wohngeld gewährt wurde, in ein anderes Mietobjekt geht der Wohngeldanspruch verloren, da dieser objektbezogen ist. Rechtlich wird der Bewilligungsbescheid unwirksam, sobald kein berücksichtigtes Haushaltsmitglied die Wohnung mehr nutzt: ab dem Ersten des Monats, in dem Sie ausziehen, und wenn der Auszug nicht auf einen Monatsersten fällt, ab dem Ersten des Folgemonats.[2]
Das Wohngeld muss somit neu beantragt werden. Selbst wenn man sich sicher ist, dass die Voraussetzungen für den Bezug von Wohngeld auch in der neuen Wohnung erfüllt werden, führt kein Weg an einem neuen Wohngeldantrag vorbei. Ziehen Sie in den Bereich einer anderen Wohngeldstelle, stellen Sie den Antrag dort. Für die Aufhebung des alten Bescheids und eine mögliche Rückforderung bleibt die bisherige Wohngeldstelle zuständig.[2]
Wohngeld bei Umzug: Gibt es Geld für die doppelte Miete?
Eine doppelte Miete während eines Umzugs regelt das Wohngeldgesetz nicht ausdrücklich. Wohngeld wird für den Wohnraum gezahlt, der Mittelpunkt Ihrer Lebensbeziehungen ist, und diesen Mittelpunkt gibt es immer nur in einer Wohnung.[2][1]
Für den Umzugsmonat selbst gibt es aber eine Erleichterung: Ziehen Sie nicht zum Ersten eines Monats um, können Sie für die neue Wohnung ab dem Einzug schon für den laufenden Monat Wohngeld beantragen, auch wenn für diesen Monat bereits Wohngeld für die alte Wohnung gezahlt wurde. Der neue Bewilligungszeitraum beginnt dann am Ersten des Einzugsmonats, und die Wohngeldstelle legt die volle Miete zugrunde, die für diesen Monat zu zahlen ist.[1]
Beispiel: Sie wohnen allein. Die neue Wohnung ist ab 1. Mai gemietet, Sie ziehen am 15. Mai um und kündigen die alte Wohnung zum 31. Mai. Für Mai läuft das Wohngeld für die alte Wohnung weiter, weil Sie erst im Laufe des Monats ausziehen.
Stellen Sie den Antrag für die neue Wohnung noch im Mai, kann die Wohngeldstelle auch für Mai Wohngeld für die neue Wohnung bewilligen, berechnet aus der vollen Maimiete. Stellen Sie den Antrag erst im Juni, gibt es Wohngeld für die neue Wohnung erst ab Juni.[2][1]
Für die Monate vor dem Einzug gilt das nicht. Haben Sie die neue Wohnung schon ab April gemietet, ziehen aber erst im Juni ein, gibt es für April und Mai kein Wohngeld für die neue Wohnung, denn Wohngeld setzt voraus, dass Sie den Wohnraum auch nutzen. Wenn Sie wegen der Kündigungsfrist länger doppelt zahlen müssten, fragen Sie den Vermieter nach einem Aufhebungsvertrag oder einem Nachmieter; Einzelheiten zur Kündigung des Mietvertrags.[1]
Wann sollten Sie den Umzug melden und den neuen Antrag stellen?
Zieht der Wohngeldempfänger um, muss er einen neuen Wohngeldantrag stellen, schließlich wurde der gesamte Wohngeldanspruch auf der Grundlage des bisherigen Wohnverhältnisses berechnet. Der neue Antrag kann schon vor dem Umzug gestellt werden. Sobald der neue Mietvertrag vorliegt, kann man einen neuen Antrag stellen. Dadurch vermindert man das Risiko einer Zahlungslücke beziehungsweise eines späteren Zahlungsbeginns und läuft zudem nicht Gefahr, seine Mitteilungspflicht zu verletzen.
Wohngeld für die neue Wohnung gibt es frühestens ab dem Ersten des Monats, in dem Sie den Antrag stellen. Beantragen Sie es vor dem Einzug, beginnt der Bewilligungszeitraum erst im Monat, in dem die Voraussetzungen vorliegen, also mit dem Einzug. Dass Sie die alte Wohnung nicht mehr nutzen, müssen Sie der Wohngeldstelle unverzüglich mitteilen. Kündigen müssen Sie das Wohngeld nicht, der alte Bescheid endet von selbst.[2]
Sobald der Umzug feststeht, sollte man somit als Wohngeldempfänger die Wohngeldstelle informieren. Was Sie für den neuen Antrag brauchen, steht im Beitrag Wohngeld beantragen.
Teurere Wohnung: Wie viel Miete zählt?
Für die Höhe des Wohngeldes kommt es nicht auf die Größe der Wohnung an, sondern auf die Miete, die Zahl der Haushaltsmitglieder und das Gesamteinkommen. Die Miete zählt aber nur bis zu einem Höchstbetrag, der von der Zahl der Haushaltsmitglieder und der Mietenstufe der Gemeinde abhängt; dazu kommt eine Klimakomponente. Ziehen Sie in eine teurere Wohnung, steigt das Wohngeld deshalb nur, soweit die neue Miete innerhalb dieser Grenze liegt.[2]
| Haushaltsmitglieder | Mietenstufe I | Mietenstufe III | Mietenstufe V | Mietenstufe VII |
|---|---|---|---|---|
| 1 | 361 Euro | 456 Euro | 562 Euro | 677 Euro |
| 2 | 437 Euro | 551 Euro | 680 Euro | 820 Euro |
| 3 | 521 Euro | 657 Euro | 809 Euro | 975 Euro |
Die Tabelle zeigt die monatlichen Höchstbeträge ohne Klimakomponente. Die Klimakomponente beträgt 19,20 Euro für eine Person, 24,80 Euro für zwei und 29,60 Euro für drei Personen. Welche Mietenstufe Ihre Gemeinde hat, erfahren Sie bei der Wohngeldstelle.[2]
Beispiel: Sie wohnen allein in einer Gemeinde der Mietenstufe III und ziehen in eine Wohnung mit 520 Euro Miete ohne Heizkosten. Berücksichtigt werden höchstens 456 Euro plus 19,20 Euro Klimakomponente, also 475,20 Euro. Dazu kommt der Heizkostenzuschlag von 110,40 Euro.
Die übrigen 44,80 Euro Miete gehen nicht in die Berechnung ein. Lag schon die alte Miete über 475,20 Euro, bringt der Umzug beim Wohngeld nichts.[2]
Was passiert, wenn ein Haushaltsmitglied auszieht?
Es kommt auch immer wieder vor, dass nicht der Wohngeldempfänger mit der ganzen Familie umzieht, sondern nur ein bislang bei der Wohngeldberechnung berücksichtigtes Haushaltsmitglied auszieht. Besonders häufig ist dies der Fall, wenn der Nachwuchs allmählich flügge wird und das Kind die erste eigene Wohnung bezieht. Dadurch verringert sich die Anzahl der Haushaltsmitglieder, weshalb auch ein solcher Umzug unverzüglich anzuzeigen ist.[2]
Das Wohngeld wird dann neu berechnet, und zwar ab dem Ersten des Monats nach dem Auszug. Es kann sich verringern oder ganz wegfallen. Hatte die ausziehende Person eigenes Einkommen, kann das Wohngeld auch steigen; dann müssen Sie die Erhöhung beantragen. Zieht die Person aus, die den Antrag gestellt hat, kann ein anderes Haushaltsmitglied, das selbst Mieter oder Eigentümer ist, den Erhöhungsantrag stellen. Mehr dazu unter Wohngeld ändern.[2]
Welche Konsequenzen drohen, wenn Sie den Umzug verschweigen?
Unabhängig davon, ob der Wohngeldempfänger selbst umzieht oder eine dem Haushalt angehörige Person auszieht, handelt es sich dabei um für den Wohngeldanspruch erhebliche Verhältnisse. Wer hier seiner Mitteilungspflicht gegenüber der Wohngeldstelle vorsätzlich oder leichtfertig nicht nachkommt, begeht gemäß § 37 WoGG eine Ordnungswidrigkeit. Abgesehen davon, dass das unberechtigt bezogene Wohngeld zurückgezahlt werden muss, kann das Ganze noch mit einem Bußgeld in Höhe von bis zu 2.000 Euro geahndet werden.[2]
So ist eine Rückzahlung des gesamten Wohngeldes seit dem Umzug die Folge, wenn man seiner Mitteilungspflicht nicht nachgekommen ist. Auch wenn trotz Umzug ein Wohngeldanspruch besteht, folgt auf dieses Versäumnis eine Rückzahlungspflicht: Der alte Bescheid ist kraft Gesetzes unwirksam geworden, und für die neue Wohnung gibt es Wohngeld erst ab dem Monat des neuen Antrags.[1]
Umzugskosten und Kaution: Hilft die Wohngeldstelle?
Nein. Das Wohngeld ist ein Zuschuss zur laufenden Miete, also zum vereinbarten Entgelt für die Überlassung der Wohnung. Umzugskosten, eine Mietkaution oder Genossenschaftsanteile gehören nicht dazu.[2]
Anders ist es beim Grundsicherungsgeld: Das Jobcenter kann Umzugskosten und eine Kaution übernehmen, aber nur mit vorheriger Zusicherung, die Kaution in der Regel als Darlehen. Stellen Sie den Antrag also vor dem Umzug. Wohngeld und Grundsicherungsgeld gibt es allerdings nicht gleichzeitig. Zur Kaution selbst lesen Sie unseren Beitrag Mietkaution.[3]
Wer ist zuständig?
Die Wohngeldstelle am neuen Wohnort, meist bei der Stadt- oder Gemeindeverwaltung, in kleineren Gemeinden oft beim Landkreis. Den Auszug melden Sie der bisherigen Wohngeldstelle.
Wohngeld beantragenGegen einen Bescheid legen Sie innerhalb eines Monats Widerspruch ein; in manchen Ländern geht es direkt zur Klage. Die Rechtsbehelfsbelehrung im Bescheid nennt den Weg. Zuständig ist das Verwaltungsgericht.
Verwaltungsgerichte in DeutschlandHäufige Fragen
- Muss man Wohngeld zurückzahlen, wenn man den Umzug nicht gemeldet hat?
Ja. Der Bescheid für die alte Wohnung ist mit dem Auszug unwirksam geworden; was danach noch gezahlt wurde, fordert die Wohngeldstelle zurück. Das gilt auch dann, wenn Sie für die neue Wohnung Anspruch gehabt hätten, denn dafür gibt es Wohngeld erst ab dem Antragsmonat.
- Kann ich Wohngeld schon vor dem Umzug beantragen?
Ja, sobald der neue Mietvertrag vorliegt. Der Bewilligungszeitraum beginnt dann in dem Monat, in dem Sie einziehen, weil Wohngeld nur für eine Wohnung gezahlt wird, die Sie auch nutzen.
- Gibt es Wohngeld für zwei Wohnungen?
Nur im Umzugsmonat, wenn Sie nicht zum Monatsersten umziehen: Dann läuft das alte Wohngeld bis Monatsende weiter, und für die neue Wohnung kann ab dem Einzugsmonat Wohngeld bewilligt werden. Für andere Monate zahlt die Wohngeldstelle nur für die Wohnung, in der Sie leben.
- Muss ich das Wohngeld bei einem Umzug kündigen?
Nein. Sie müssen der Wohngeldstelle nur unverzüglich mitteilen, dass Sie die Wohnung nicht mehr nutzen. Der alte Bescheid endet dann von selbst, für die neue Wohnung stellen Sie einen neuen Antrag.
- Ist die Wohnung für das Wohngeld zu groß?
Eine Grenze für die Wohnungsgröße gibt es beim Wohngeld nicht. Begrenzt ist nur die Miete, die berücksichtigt wird: Sie zählt höchstens bis zum Höchstbetrag für Ihre Mietenstufe und Haushaltsgröße.
Auch interessant: Mietkaution: Höhe und Rückzahlung · Mietvertrag kündigen
Quellen
- Wohngeld-Verwaltungsvorschrift (WoGVwV) vom 28. Juni 2017
- Wohngeldgesetz (WoGG): § 4 · § 5 · § 9 · § 11 · § 12 · Anlage 1 · § 22 · § 24 · § 25 · § 27 · § 28 · § 37
- Sozialgesetzbuch II (Grundsicherungsgeld): § 22
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