Familienrecht Ratgeber · Stand September 2026
Scheiden lassen: Voraussetzungen und Ablauf der Scheidung
Geschieden wird eine Ehe nur durch das Familiengericht, auf Antrag eines oder beider Ehegatten, und nur wenn sie gescheitert ist. Das Scheitern wird unwiderlegbar vermutet, wenn die Ehegatten ein Jahr getrennt leben und beide die Scheidung wollen, oder wenn sie drei Jahre getrennt leben, auch gegen den Willen des anderen.[1]
Geprüft am 29.09.2026 gegen Gesetzestext und amtliche Angaben · 3 Quellen · 5 Min. Lesezeit
Wann kann man sich scheiden lassen?
Anders als bei der Annullierung bedarf es keiner schwerwiegenden Gründe, wenn man sich von seinem Partner trennen und den Scheidungsvorgang in Angriff nehmen möchte. Es gibt allerdings ein paar juristische Hürden, die verhindern sollen, dass man eine Ehe leichtfertig scheidet. Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang § 1565 BGB, denn darin definiert das Familienrecht das Zerrüttungsprinzip als Grundvoraussetzung für eine Scheidung. Demnach kann eine Ehe nur dann geschieden werden, wenn sie gescheitert ist und nicht erwartet werden kann, dass die eheliche Lebensgemeinschaft wiederhergestellt wird.[1]
In § 1566 BGB geht das Scheidungsrecht auf die Vermutung für das Scheitern ein. Das Gericht prüft dann nicht mehr, ob die Ehe wirklich gescheitert ist:[1]
| Lage | Scheidung möglich? |
|---|---|
| ein Jahr getrennt, beide wollen die Scheidung oder einer stimmt zu | ja, Scheitern wird vermutet |
| ein Jahr getrennt, der andere ist dagegen | ja, wenn das Gericht das Scheitern feststellt |
| drei Jahre getrennt | ja, auch gegen den Willen des anderen |
| weniger als ein Jahr getrennt | nur, wenn die Fortsetzung der Ehe wegen des anderen eine unzumutbare Härte wäre |
Das Trennungsjahr: Getrennt leben auch in derselben Wohnung
Nicht möglich ist es selbstverständlich, die gemeinsame Wohnung zu verlassen und sich am nächsten Tag scheiden zu lassen. Damit der Scheidungsvorgang angestoßen werden kann, muss man in der Regel mindestens ein Jahr getrennt leben. Getrennt leben die Ehegatten, wenn keine häusliche Gemeinschaft mehr besteht und einer sie erkennbar nicht wiederherstellen will, weil er die eheliche Lebensgemeinschaft ablehnt.[1]
Dazu muss man nicht einmal von zu Hause ausziehen; die häusliche Gemeinschaft besteht auch dann nicht mehr, wenn die Ehegatten innerhalb der ehelichen Wohnung getrennt leben. Ein kurzer Versöhnungsversuch unterbricht die Fristen nicht. Mehr dazu steht auf der Seite zum Trennungsjahr; wer nach der Trennung Streit um Wohnung und Schlüssel hat, findet Hilfe im Ratgeber Schlüssel nach der Trennung.[1]
Kann man sich scheiden lassen, wenn der Partner nicht will?
Ja. Allerdings hat der Ehepartner grundsätzlich die Möglichkeit, die Zustimmung zur Scheidung zu verweigern. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn er hofft, dass der häusliche Frieden doch noch einmal wieder hergestellt werden kann. Dann wird das Scheitern nach einem Jahr nicht vermutet, und der Antragsteller muss darlegen, dass die Ehe gescheitert ist. Damit der Scheidungsvorgang sich nicht unzumutbar in die Länge zieht, kann die Ehe nach einer Frist von drei Jahren aber auch dann geschieden werden, wenn nicht beide Ehepartner damit einverstanden sind.[1]
Nur in seltenen Ausnahmefällen soll eine gescheiterte Ehe trotzdem nicht geschieden werden: wenn das aus besonderen Gründen im Interesse der minderjährigen Kinder notwendig ist oder die Scheidung für den ablehnenden Ehegatten wegen außergewöhnlicher Umstände eine besonders schwere Härte wäre.[1]
Wer zugestimmt hat, kann die Zustimmung bis zum Schluss der mündlichen Verhandlung widerrufen.[2]
Wie läuft eine Scheidung ab?
- Trennung: Getrennt leben und das Trennungsjahr abwarten. Unterhalt, Wohnung und Umgang mit den Kindern lassen sich schon in dieser Zeit regeln.
- Anwalt beauftragen: Der Antragsteller muss sich durch einen Rechtsanwalt vertreten lassen. Der andere Ehegatte braucht keinen, wenn er der Scheidung nur zustimmt.
- Scheidungsantrag: Er muss die gemeinsamen minderjährigen Kinder nennen und angeben, ob sich die Eheleute über Sorge, Umgang, Unterhalt, Ehewohnung und Hausrat geeinigt haben. Beigefügt werden sollen die Heiratsurkunde und die Geburtsurkunden der Kinder.
- Versorgungsausgleich: Das Gericht holt Auskünfte über die in der Ehezeit erworbenen Rentenanrechte ein. Die Ehezeit endet mit dem Monat vor Zustellung des Antrags.[3]
- Termin: Das Gericht soll das persönliche Erscheinen beider Ehegatten anordnen und sie anhören, bei Kindern auch zu Sorge und Umgang.
- Beschluss: Das Gericht entscheidet durch Beschluss. Geschieden ist die Ehe erst mit Rechtskraft.[2]
Über die Scheidung und die sogenannten Folgesachen wird gemeinsam verhandelt und entschieden, im Verbund. Folgesachen sind vor allem der Versorgungsausgleich, der Unterhalt für Kinder und Ehegatten, Ehewohnung und Hausrat sowie der Zugewinnausgleich, wenn ein Ehegatte sie rechtzeitig anhängig macht.[2]
Wo kann man sich scheiden lassen?
Zuständig ist das Familiengericht beim Amtsgericht. Welches, regelt das Gesetz in einer festen Rangfolge:[2]
- das Gericht, in dessen Bezirk ein Ehegatte mit allen gemeinsamen minderjährigen Kindern lebt, oder mit einem Teil von ihnen, wenn beim anderen keine leben,
- sonst das Gericht am letzten gemeinsamen gewöhnlichen Aufenthalt, wenn einer der beiden noch dort lebt,
- sonst das Gericht am gewöhnlichen Aufenthalt des Antragsgegners,
- danach das des Antragstellers, zuletzt das Amtsgericht Schöneberg in Berlin.[2]
Wer im Ausland geheiratet hat, kann sich in der Regel trotzdem in Deutschland scheiden lassen; Einzelheiten stehen auf der Seite zur im Ausland geschlossenen Ehe.
Was muss ich als Erstes tun, wenn ich mich scheiden lassen will?
Ehepaare, die sich scheiden lassen wollen, sollten sich zunächst mit den gesetzlich geregelten Scheidungsvoraussetzungen befassen. Praktisch heißt das:
- Trennungszeitpunkt festhalten: Ab wann getrennt gelebt wird, ist für das Trennungsjahr entscheidend. Ein Schreiben an den Partner mit Datum hilft als Nachweis.
- Unterlagen sammeln: Heiratsurkunde, Geburtsurkunden der Kinder, Einkommensnachweise, Übersicht über Vermögen und Rentenanrechte.
- Einigung versuchen: Je mehr die Eheleute selbst regeln, desto weniger Folgesachen muss das Gericht entscheiden.
- Kosten klären: Wer die Kosten nach seinen persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen nicht aufbringen kann, erhält auf Antrag Verfahrenskostenhilfe, auch in Raten.
Wie Unterhalt nach der Trennung berechnet wird, erklärt der Überblick Rechte und Pflichten im Unterhaltsrecht.
Wer ist zuständig?
Das Familiengericht beim Amtsgericht, vorrangig am Wohnort des Ehegatten, bei dem die gemeinsamen minderjährigen Kinder leben.
Amtsgerichte in DeutschlandHäufige Fragen
- Braucht man für die Scheidung zwei Anwälte?
Nein. Nur wer den Scheidungsantrag stellt, braucht einen Anwalt. Der andere Ehegatte kann der Scheidung ohne Anwalt zustimmen, zu Protokoll der Geschäftsstelle oder im Termin. Will er eigene Anträge stellen, etwa zum Unterhalt, braucht er einen eigenen Anwalt.
- Muss man sich scheiden lassen, wenn man getrennt lebt?
Nein. Eine Pflicht zur Scheidung gibt es nicht. Die Ehe besteht während der Trennung weiter, mit allen Rechten, etwa dem Erbrecht, solange kein Scheidungsantrag gestellt ist.
- Wie schnell kann man sich scheiden lassen?
Frühestens nach einem Jahr Trennung, wenn beide einverstanden sind. Vorher nur, wenn die Fortsetzung der Ehe wegen des anderen eine unzumutbare Härte wäre, zum Beispiel bei Gewalt.
- Findet der Versorgungsausgleich immer statt?
Bei einer Ehezeit von mehr als drei Jahren regelt das Gericht ihn von Amts wegen. Bei einer Ehezeit bis zu drei Jahren nur, wenn ein Ehegatte ihn beantragt.
Auch interessant: Ehegattenerbrecht
Quellen
- Bürgerliches Gesetzbuch (BGB): § 1564 · § 1565 · § 1566 · § 1567 · § 1568
- Gesetz über das Verfahren in Familiensachen (FamFG): § 114 · § 122 · § 128 · § 133 · § 134 · § 137 · § 116
- Versorgungsausgleichsgesetz (VersAusglG): § 3
Prüfvermerk der Redaktion: Alle Beträge, Fristen und Voraussetzungen auf dieser Seite wurden am 29.09.2026 mit dem Wortlaut der Vorschriften auf gesetze-im-internet.de und den Angaben der zuständigen Behörden abgeglichen, auch Fristen und Zuständigkeiten, die hier ohne Fußnote stehen. Gesetze ändern sich; maßgeblich ist die Fassung, die zum Zeitpunkt Ihres Falles gilt.
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