Zum Inhalt springen

Familienrecht Ratgeber · Stand September 2026

Schlüssel nach der Trennung: Wer muss ihn herausgeben, wer darf ins Haus?

Solange beide Ehegatten die Wohnung noch nutzen dürfen, muss keiner dem anderen seinen Schlüssel abgeben, egal wer im Mietvertrag oder im Grundbuch steht. Wer ausgezogen ist und binnen sechs Monaten keine ernstliche Rückkehrabsicht bekundet, hat nach dem Gesetz dem anderen das alleinige Nutzungsrecht überlassen; vorher entscheidet im Streit das Familiengericht.[1]

Geprüft am 29.09.2026 gegen Gesetzestext und amtliche Angaben · 3 Quellen · 7 Min. Lesezeit

Muss ich bei der Trennung den Schlüssel abgeben?

Viele Frauen und Männer fragen sich, ob sie bei der Trennung dann gleich auch sämtliche Schlüssel herausgeben müssen oder sollten. Der zurückbleibende Partner verlangt häufig die Herausgabe aller Schlüssel, damit der nun Ex-Partner keinen Zutritt mehr zum gemeinsamen Haus oder auch der Wohnung haben kann.

Bei Ehepaaren kommt es zunächst nicht darauf an, wem die Wohnung gehört oder wer den Mietvertrag unterschrieben hat. Die Ehewohnung ist die Wohnung beider Ehegatten. Getrennt leben heißt nach dem Gesetz, dass keine häusliche Gemeinschaft mehr besteht; das ist auch dann möglich, wenn beide innerhalb der ehelichen Wohnung getrennt leben. Solange beide dort wohnen, hat jeder ein Recht auf seinen Schlüssel.[1]

Anders wird es, wenn einer auszieht. Hat er nach seinem Auszug binnen sechs Monaten dem anderen gegenüber keine ernstliche Rückkehrabsicht bekundet, wird unwiderleglich vermutet, dass er dem verbliebenen Ehegatten das alleinige Nutzungsrecht überlassen hat. Spätestens dann gibt es keinen Grund mehr, den Schlüssel zu behalten. Wer endgültig auszieht, gibt ihn deshalb am besten gleich beim Auszug ab und klärt schriftlich, wann er seine restlichen Sachen holt.[1]

Trennung im gemeinsamen Haus: Wer darf bleiben?

Entwickelt sich die Scheidung zu einem Rosenkrieg, ist die Herausgabe der Wohnungsschlüssel immer wieder ein heikles Thema. Derjenige, der in der gemeinsamen Wohnung verbleibt, hat naturgemäß kein Interesse daran, dass der Noch-Ehegatte weiterhin Zugang zu der Wohnung hat.

Einigen sich die Ehegatten nicht, kann einer verlangen, dass ihm der andere die Ehewohnung oder einen Teil davon zur alleinigen Benutzung überlässt. Voraussetzung ist, dass dies auch unter Berücksichtigung der Belange des anderen notwendig ist, um eine unbillige Härte zu vermeiden. Eine unbillige Härte kann auch vorliegen, wenn das Wohl von Kindern im Haushalt beeinträchtigt ist.[1]

  • Eigentum zählt, entscheidet aber nicht allein: Gehört das Haus einem Ehegatten allein oder gemeinsam mit einem Dritten, ist das besonders zu berücksichtigen.
  • Gewalt oder Drohungen: Hat ein Ehegatte den anderen vorsätzlich verletzt oder damit gedroht, ist in der Regel die gesamte Wohnung dem Opfer zu überlassen.
  • Nutzungsentschädigung: Wer auszieht, kann vom Verbliebenen eine Vergütung für die Nutzung verlangen, soweit das der Billigkeit entspricht.[1]

Die Zuweisung gilt für die Zeit der Trennung. Endgültig geregelt wird die Wohnung erst anlässlich der Scheidung. Wie das Verfahren insgesamt abläuft, steht im Ratgeber zum Ablauf der Scheidung.[1]

Darf ich das Schloss austauschen bei einer Trennung?

Solange die beiden Ehegatten aber noch unter einem Dach wohnen, ist von einem heimlichen Austausch der Schlösser abzuraten, schließlich hat keine der Parteien die Ehewohnung aufgegeben. Wer dem anderen ohne dessen Willen den Besitz entzieht, handelt widerrechtlich; das Gesetz nennt das verbotene Eigenmacht. Der Ausgesperrte kann verlangen, dass ihm der Besitz wieder eingeräumt wird.[1]

Erst wenn der andere die Wohnung durch einen Auszug aufgegeben hat, kann es legitim sein, die Schlösser auszuwechseln. Sicher ist das, wenn er zugestimmt hat, wenn das Familiengericht Ihnen die Wohnung zugewiesen hat oder wenn seit dem Auszug sechs Monate ohne bekundete Rückkehrabsicht vergangen sind.[1]

Beispiel: Ihr Mann zieht am 1. März aus und nimmt den Schlüssel mit. Er meldet sich nicht und sagt nie, dass er zurückkommen will. Ab dem 1. September gilt nach dem Gesetz die Wohnung als Ihnen zur alleinigen Nutzung überlassen, und Sie können das Schloss tauschen lassen. Sagt er Ihnen im Mai ernsthaft, dass er zurückkehren will, greift diese Vermutung nicht; dann muss im Streit das Familiengericht entscheiden.

Anzeige

Der Ex gibt den Schlüssel nicht zurück: Was tun?

Leider kommt es immer wieder vor, dass der ausgezogene Ehegatte die Schlüssel behält. So kann er jederzeit plötzlich in der Wohnung stehen, was für den dort wohnenden Ehegatten überaus belastend und mitunter unerträglich sein kann.

  1. Schriftlich auffordern: Verlangen Sie die Schlüssel mit Frist zurück und bieten Sie einen Termin für die Übergabe seiner Sachen an. Das schafft einen Nachweis.
  2. Antrag beim Familiengericht: Streit über die Nutzung der Ehewohnung während der Trennung ist eine Ehewohnungssache. Zuständig ist das Familiengericht beim Amtsgericht.
  3. Eilantrag: Bei dringendem Bedürfnis kann das Gericht durch einstweilige Anordnung eine vorläufige Regelung treffen und einem Beteiligten eine Handlung gebieten oder verbieten, etwa die Herausgabe der Schlüssel.[2]

Ist die Wohnung einem Ehegatten überlassen worden, muss der andere alles unterlassen, was die Nutzung erschwert oder vereitelt. Unangekündigte Besuche mit dem alten Schlüssel gehören dazu.[1]

Hausrecht bei Trennung: Wann ist Betreten Hausfriedensbruch?

Hausfriedensbruch begeht, wer in die Wohnung eines anderen widerrechtlich eindringt oder auf Aufforderung des Berechtigten nicht geht. Die Tat wird nur auf Antrag verfolgt.[3]

Solange beide Ehegatten die Wohnung nutzen dürfen, ist sie für keinen von beiden die Wohnung eines anderen. Das ändert sich, sobald einem allein das Nutzungsrecht zusteht, durch Einigung, Gerichtsbeschluss oder nach Ablauf der sechs Monate. Einen Schlüsseldienst anzufordern und sich im Anschluss daran Zugang zur Wohnung zu verschaffen, kann dann schnell den Tatbestand des Hausfriedensbruches erfüllen. Daher sollten diese Transaktionen auch unbedingt unterbleiben, selbst dann, wenn man noch Hausrat aus der ehemals gemeinsamen Wohnung oder dem Haus mitnehmen will.[3]

Persönliche Sachen und Hausrat nach dem Auszug holen

Leben die Ehegatten getrennt, kann jeder die ihm gehörenden Haushaltsgegenstände vom anderen herausverlangen. Braucht der andere sie für seinen eigenen Haushalt, muss er sie ihm aber zum Gebrauch überlassen, wenn das der Billigkeit entspricht. Was beiden gehört, wird nach Billigkeit verteilt; einigen sie sich nicht, entscheidet das Gericht.[1]

Diese muss der Partner zwar herausgeben, jedoch braucht dies nicht mit einem Einlass in die ehemaligen Räumlichkeiten einhergehen. Die Übergabe kann auch an der Haustür oder über eine dritte Person erfolgen.

Unverheiratete Paare: Wer bekommt den Schlüssel?

Die Regeln zur Ehewohnung gelten nur für Ehegatten. Bei unverheirateten Paaren entscheidet vor allem die Besitzfrage der Immobilie oder die geleistete Unterschrift unter dem Mietvertrag. Wer allein Mieter oder Eigentümer ist, kann nach dem Ende der Beziehung verlangen, dass der andere auszieht und die Schlüssel zurückgibt. Stehen beide im Mietvertrag, haben beide ein Recht zu bleiben, bis das Mietverhältnis geregelt ist.

Eine Ausnahme gilt bei Gewalt: Wer mit dem Täter einen auf Dauer angelegten gemeinsamen Haushalt geführt hat, kann nach dem Gewaltschutzgesetz die Überlassung der Wohnung verlangen, auch ohne Trauschein.[2]

Wer ist zuständig?

Streit um Wohnung und Schlüssel

Das Familiengericht beim Amtsgericht entscheidet in Ehewohnungs-, Haushalts- und Gewaltschutzsachen, auf Antrag auch im Eilverfahren.

Amtsgerichte in Deutschland

Häufige Fragen

  • Warum behält der Ex den Schlüssel?

    Oft will er die Schlüssel nicht herausgeben, um seine restlichen Sachen noch holen zu können. Auch wenn der andere Ehepartner der Ansicht ist, ihm stünde die Immobilie zu, weigert er sich üblicherweise, die Schlüssel herauszugeben. Der Ausgezogene will die Ehewohnung dahingegen nicht gänzlich aufgeben. Rechtlich ist das nur bis zur Klärung durch Einigung, Gericht oder Ablauf von sechs Monaten ohne Rückkehrabsicht ein Argument.

  • Gibt es eine Frist für den Auszug nach der Trennung?

    Nein. Niemand muss innerhalb einer bestimmten Frist ausziehen, solange das Familiengericht nichts anderes anordnet. Getrennt leben ist auch in derselben Wohnung möglich.

  • Hat die Schlüsselgewalt etwas mit dem Wohnungsschlüssel zu tun?

    Nein. Schlüsselgewalt ist das Recht jedes Ehegatten, Geschäfte zur angemessenen Deckung des Lebensbedarfs der Familie auch mit Wirkung für den anderen abzuschließen. Sie endet, sobald die Ehegatten getrennt leben.

  • Wer bekommt nach der Scheidung die Wohnung?

    Anlässlich der Scheidung kann ein Ehegatte die Überlassung verlangen, wenn er mit Blick auf die Kinder und die Lebensverhältnisse stärker auf die Wohnung angewiesen ist. Gehört sie dem anderen, nur zur Vermeidung einer unbilligen Härte. Bei einer Mietwohnung setzt der Ehegatte, dem sie überlassen wird, das Mietverhältnis allein fort.

Auch interessant: Kündigung des Mietvertrags

Quellen

  1. Bürgerliches Gesetzbuch (BGB): § 1361b · § 1361a · § 1567 · § 1568a · § 858 · § 861
  2. Gesetz über das Verfahren in Familiensachen (FamFG): § 111 · § 200 · § 49
  3. Strafgesetzbuch (StGB): § 123

Prüfvermerk der Redaktion: Alle Beträge, Fristen und Voraussetzungen auf dieser Seite wurden am 29.09.2026 mit dem Wortlaut der Vorschriften auf gesetze-im-internet.de und den Angaben der zuständigen Behörden abgeglichen, auch Fristen und Zuständigkeiten, die hier ohne Fußnote stehen. Gesetze ändern sich; maßgeblich ist die Fassung, die zum Zeitpunkt Ihres Falles gilt.

Diese Seite erklärt die Rechtslage allgemein und ersetzt keine Beratung im Einzelfall.

Anzeige