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Arbeitsrecht Ratgeber · Stand September 2026

Überstunden im Arbeitsrecht: Pflicht, Bezahlung und Freizeitausgleich

Überstunden müssen Sie nur leisten, wenn Arbeitsvertrag, Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung das vorsehen oder ein Notfall vorliegt, und bezahlt werden sie, wenn der Arbeitgeber sie angeordnet, gebilligt oder geduldet hat. Einen allgemeinen Grundsatz, dass jede Mehrarbeit zu vergüten ist, gibt es nicht, und die geleisteten Stunden müssen Sie im Streitfall selbst darlegen und beweisen.[1]

Geprüft am 29.09.2026 gegen Gesetzestext und amtliche Angaben · 3 Quellen · 6 Min. Lesezeit

Muss ich Überstunden machen?

Rein rechtlich gesehen ist das Thema Überstunden klar geregelt. Sofern im Arbeitsvertrag, im Tarifvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung nichts Spezielles fixiert wurde, besteht seitens des Arbeitnehmers keine Verpflichtung zur Leistung von Überstunden. Eine Ausnahme gilt nur bei Notfällen und außergewöhnlichen Fällen, die unabhängig vom Willen der Betroffenen eintreten, etwa Feuer oder Überschwemmung. Dann darf sogar von den Höchstgrenzen des Arbeitszeitgesetzes abgewichen werden.[2]

Enthält der Vertrag eine Überstundenklausel, darf der Arbeitgeber Überstunden durchaus einfordern, wobei dies nur zulässig ist, wenn dies der betriebliche Ablauf verlangt. Er muss dabei billiges Ermessen wahren und etwa auf Kinderbetreuung Rücksicht nehmen. Hat der Betrieb einen Betriebsrat, muss dieser vorübergehender Verlängerung der Arbeitszeit zustimmen.

Wie viele Überstunden sind erlaubt?

Als Überstunden werden nur solche Arbeitsstunden gerechnet, welche über die im Vertrag geregelte Arbeitszeit hinausgehen. Nach dem Arbeitszeitgesetz darf die werktägliche Arbeitszeit acht Stunden nicht überschreiten. Zulässig ist auch eine Arbeitszeit von zehn Stunden pro Tag, solange die durchschnittliche Arbeitszeit innerhalb von sechs Kalendermonaten oder 24 Wochen acht Stunden pro Werktag nicht übersteigt.[2]

Da der Samstag Werktag ist, sind so bis zu 48 Stunden in der Woche im Durchschnitt möglich, in Spitzenzeiten 60. Zwischen Arbeitsende und Arbeitsbeginn muss mindestens ein Zeitraum von elf Stunden liegen, Einzelheiten zu Pausen und Ruhezeit auf der Seite Gesetzliche Pausenzeiten.

Muss der Arbeitgeber Überstunden bezahlen?

Im Gesetz findet sich keine Regelung darüber, in welcher Höhe ein Arbeitgeber Überstunden bezahlen muss. Bestimmungen über Überstunden sind im Arbeitsvertrag oder im Tarifvertrag enthalten. Fehlt eine Regelung, gilt eine Vergütung als stillschweigend vereinbart, wenn die Arbeit den Umständen nach nur gegen Bezahlung zu erwarten ist. Dann ist die übliche Vergütung geschuldet, meist der anteilige Stundenlohn.[3]

Voraussetzung ist, dass der Arbeitgeber die Überstunden angeordnet, gebilligt oder geduldet hat oder dass sie zur Erledigung der zugewiesenen Arbeit notwendig waren. Wer aus freien Stücken länger bleibt, kann dafür keine Bezahlung verlangen.[1]

Nach der Rechtsprechung gibt es außerdem einen direkten Zusammenhang zwischen der Höhe des Gehalts und dem Anrecht auf eine Zahlung der Überstunden. Wer mit seinem Entgelt die Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung überschreitet, gehört nach dem Bundesarbeitsgericht zu den Besserverdienern, denen regelmäßig die objektive Vergütungserwartung für Überstunden fehlt. Auch bei Diensten höherer Art gilt das.[1]

Unbezahlte Überstunden: Wann ist die Pauschalklausel im Arbeitsvertrag wirksam?

Die meisten Arbeitsverträge enthalten jedoch eine Pauschalklausel für Überstunden, die besagt, dass anfallende Überstunden mit der monatlichen Gehaltszahlung ausgeglichen sind. Allerdings sind solche Klauseln nicht in jedem Falle gültig. Die Klausel „erforderliche Überstunden sind mit dem Monatsgehalt abgegolten“ genügt nicht dem Transparenzgebot, wenn sich der Umfang der ohne zusätzliche Vergütung zu leistenden Überstunden nicht hinreichend deutlich aus dem Arbeitsvertrag ergibt.[1]

Arbeitsverträge, die eine Verpflichtung zur unbegrenzten Ableistung unbezahlter Überstunden beinhalten, sind deshalb unwirksam, Arbeitnehmer würden durch eine solche Regelung unangemessen benachteiligt. Sollen Überstunden im Rahmen einer Klausel im Arbeitsvertrag abgegolten werden, ist eine Höchstbegrenzung der abgegoltenen Arbeitsstunden erforderlich, etwa „bis zu zehn Überstunden im Monat“. Ist die Klausel unwirksam, gilt wieder die gesetzliche Regel: Bezahlt werden muss, wenn eine Vergütung zu erwarten war.[3]

Beispiel: Ein Lagerarbeiter mit 2.900 Euro brutto hat im Vertrag stehen: „Mit dem Gehalt sind alle Überstunden abgegolten.“ Die Klausel lässt nicht erkennen, wie viele Stunden gemeint sind, und ist unwirksam. Für angeordnete Überstunden kann er den anteiligen Stundenlohn verlangen. Steht im Vertrag „bis zu acht Überstunden im Monat sind abgegolten“, bekommt er erst ab der neunten Stunde Geld.

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Wer muss Überstunden beweisen?

Insbesondere der Nachweis von Überstunden erweist sich als Problem. Im Prozess trägt der Arbeitnehmer die Darlegungs- und Beweislast dafür, dass er Überstunden geleistet hat und dass der Arbeitgeber sie veranlasst hat. Daran hat die Pflicht zur Arbeitszeiterfassung nichts geändert: Nach dem Bundesarbeitsgericht hat die Pflicht zur Messung der Arbeitszeit keine Auswirkung auf die Beweislast im Überstundenprozess.[1]

In der Praxis sollte die Arbeitszeit nach Möglichkeit immer erfasst werden. Geschieht dies nicht seitens des Unternehmens, so können Arbeitnehmer ihre Überstunden auch selbst aufschreiben. Dabei sollte vermerkt werden, wer die Überstunden angeordnet hat und aus welchem Grund sie erforderlich waren. Aus Beweisgründen ist es sinnvoll, sich die geleisteten Überstunden quittieren zu lassen. Welche Pflicht zur Zeiterfassung den Arbeitgeber trifft, erklärt die Seite Zeiterfassung im Arbeitsrecht.

Gibt es einen gesetzlichen Überstundenzuschlag?

Nein. Ob es für Überstunden einen Zuschlag gibt, etwa 25 Prozent, regeln Tarifverträge, Betriebsvereinbarungen oder der Arbeitsvertrag. Knüpft ein Tarifvertrag den Zuschlag auch bei Teilzeitkräften daran, dass die Arbeitszeit einer Vollzeitkraft überschritten wird, behandelt er Teilzeitbeschäftigte wegen der Teilzeit schlechter und verstößt gegen das Diskriminierungsverbot. So hat das Bundesarbeitsgericht am 5. Dezember 2024 im Fall einer Pflegekraft mit 40 Prozent Teilzeit entschieden.[1]

Steuerlich sind Überstundenzuschläge nach geltendem Recht voll steuer- und beitragspflichtig. Steuerfrei sind nur Zuschläge für tatsächlich geleistete Sonntags-, Feiertags- oder Nachtarbeit. Eine Steuerbefreiung für Überstundenzuschläge ist politisch angekündigt, war bei Redaktionsschluss aber nicht Gesetz.

Überstunden abbauen: Freizeitausgleich statt Geld

Anstelle einer Überstundenvergütung besteht zuweilen auch die Möglichkeit, Überstunden abzubauen, indem man diese gewissermaßen abbummelt. Die zeitweise Mehrarbeit wird so durch mehr Freizeit ausgeglichen, so dass Arbeitnehmer beispielsweise länger Urlaub machen können, ohne dafür zusätzliche Urlaubstage zu verbrauchen. Im juristischen Sinne ist dann von einem sogenannten Freizeitausgleich die Rede.

Ob Sie Geld oder Freizeit bekommen und wer entscheidet, wann die Stunden abgebaut werden, hängt von Arbeitsvertrag, Tarif oder Betriebsvereinbarung über ein Arbeitszeitkonto ab. Fehlt eine solche Regel, bleibt es beim Anspruch auf Bezahlung. Ohne Vereinbarung kann der Arbeitgeber den Abbau nicht einseitig anordnen, und Sie können ihn nicht einseitig nehmen.

Verfallen Überstunden?

Viele Arbeitsverträge enthalten eine Ausschlussklausel, nach der gegenseitige Ansprüche innerhalb einer bestimmten Frist nach Fälligkeit geltend gemacht werden müssen, sonst verfallen sie. Solche Klauseln sind nur wirksam, wenn sie nicht zu kurz bemessen sind und den Mindestlohn ausnehmen. Den Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn kann eine Vereinbarung nicht beschränken.[3] Was bei solchen Klauseln gilt, steht auf der Seite Verfallsklauseln im Arbeitsverhältnis. Ohne Ausschlussfrist verjährt der Anspruch auf Bezahlung von Überstunden nach drei Jahren, gerechnet ab dem Ende des Jahres, in dem er entstanden ist.

Wer ist zuständig?

Überstunden einklagen

Die Klage auf Vergütung von Überstunden gehört vor das Arbeitsgericht. Sie müssen die einzelnen Stunden und ihre Veranlassung durch den Arbeitgeber darlegen.[1]

Arbeitsgerichte in Deutschland

Häufige Fragen

  • Darf der Arbeitgeber Überstunden ohne meine Zustimmung auszahlen?

    Ja, wenn Vertrag, Tarif oder Betriebsvereinbarung nichts anderes regeln. Ohne Vereinbarung über ein Arbeitszeitkonto oder Freizeitausgleich ist die Bezahlung der gesetzliche Normalfall. Einen Anspruch darauf, die Stunden stattdessen abzufeiern, haben Sie dann nicht.

  • Muss ich Überstunden als Teilzeitkraft machen?

    Nur wenn Ihr Vertrag oder ein Tarifvertrag das vorsieht. Bei Arbeit auf Abruf darf der Arbeitgeber höchstens 25 Prozent der vereinbarten Mindestarbeitszeit zusätzlich abrufen.

  • Werden Überstunden im Urlaub oder bei Krankheit bezahlt?

    Regelmäßige Überstunden fließen nicht in das Urlaubsentgelt ein, das Gesetz nimmt den zusätzlichen Verdienst für Überstunden ausdrücklich aus. Bei der Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall bleibt das Entgelt für Überstunden ebenfalls außer Betracht.

  • Gelten Überstunden für leitende Angestellte?

    Leitende Angestellte fallen nicht unter das Arbeitszeitgesetz. Ob sie Überstunden bezahlt bekommen, richtet sich nach dem Vertrag. Liegt das Gehalt über der Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung, fehlt in der Regel die Vergütungserwartung.

Quellen

  1. Bundesarbeitsgericht: Entscheidungen zu Überstunden: Urteil vom 22.02.2012, 5 AZR 765/10 · Urteil vom 01.09.2010, 5 AZR 517/09 · Urteil vom 04.05.2022, 5 AZR 359/21 · Urteil vom 05.12.2024, 8 AZR 370/20
  2. Arbeitszeitgesetz (ArbZG): § 3 · § 14
  3. Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) und Mindestlohngesetz (MiLoG): § 612 BGB · § 307 BGB · § 3 MiLoG

Prüfvermerk der Redaktion: Alle Beträge, Fristen und Voraussetzungen auf dieser Seite wurden am 29.09.2026 mit dem Wortlaut der Vorschriften auf gesetze-im-internet.de und den Angaben der zuständigen Behörden abgeglichen, auch Fristen und Zuständigkeiten, die hier ohne Fußnote stehen. Gesetze ändern sich; maßgeblich ist die Fassung, die zum Zeitpunkt Ihres Falles gilt.

Diese Seite erklärt die Rechtslage allgemein und ersetzt keine Beratung im Einzelfall.

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